Tradition, Schlagerstars und Feierabendfußballer

Von Florian Schlecht

Am Freitag startet die Regionalliga Südwest mit dem Eröffnungsspiel zwischen Waldhof Mannheim und der TuS Koblenz in ihr Premierenjahr. 5vier stellt die Gegner von Eintracht Trier in Steckbriefen vor.

Am Freitag startet die Regionalliga Südwest in ihr Premierenjahr. Foto: Anna Lena Grasmück

Die Frühstarter

Patrick Huckle (hier im Kopfballduell mit Ex-Trierer Cataldo Cozza) wechselte von Münster nach Mannheim.

Am Freitag eröffnen Waldhof Mannheim und die TuS Koblenz im feierlichen Rahmen die neue Saison. Zwei Traditionsvereine, bei denen sich hohe Erwartungen im Umfeld und finanzielle Zwänge im Budget überschneiden. Waldhof, von 1983 bis 1990 Bundesligist, drücken zwar noch Schulden im sechsstelligen Bereich, aber durch einen neuen Trikotsponsor sind den Mannheimern 100.000 Euro pro Saison sicher. Vermittelt wurde der Partner von einer Luxemburger Marketingagentur, an die auch Basketball-Bundesligist TBB Trier seine Rechte abgetreten hat.

Sportlich will Waldhof, das früher Kultstatus durch Trainer Klaus Schlappner mit dem Pepita-Hut erlangte, mit einem Mini-Kader den 12. Platz des Vorjahres verbessern. Torjäger Vllaznim Dautaj blieb. Mit Publikumsliebling Patrick Huckle von Preußen Münster, Martin Hess (Lotte), Martin Gollasch (Worms) und Philip Stiller (AS Eupen) wurde der Kader verstärkt.

Trainer Michael Dämgen hofft auf ein erfolgreicheres Jahr. Foto: TuS Koblenz

Auch die TuS Koblenz hofft trotz finanzieller Ebbe auf bessere Zeiten. Frustrierend war die letzte Saison, in der die Mannschaft von Michael Dämgen dankbar sein musste, dass es keine sportlichen Absteiger gab. Die Hoffnungen ruhen nun auf Identifikation – mit Torwart Dieter Paucken (Fortuna Köln) und Spielmacher Anel Dzaka (Oberhausen) kehrten alte Fan-Idole nach Koblenz zurück. Die wichtigen Tore soll Jerome Assauer (Lotte) garantieren, für schöne Tore sind andere zuständig. Michael Stahl gelang 2010 das „Tor des Jahres“, Keeper Paucken 2006 das „Tor des Monats“.

Die Titelfavoriten

8.219 Einwohner hat Aspach laut dem Internet-Lexikon Wikipedia. Doch das täuscht nicht darüber hinweg, dass der nach einem Hotel benannte Fußballklub SG Sonnenhof Großaspach in der Regionalliga der große Titelfavorit ist. Mäzen ist Uli Ferber, der als Spielerberater Bundesliga-Stars wie Mario Gomez und Bernd Leno betreut. Verheiratet ist der Hotelier mit Schlagersängerin Andrea Berg. Von einer Thekenmannschaft in der Freizeitliga avancierte der Verein zu einem Aufstiegskandidaten zur 3. Liga. Einen kleinen Schock mussten die Württemberger verkraften – Trainer Alexander Zorniger zog es als lehrgangsbesten Fußballlehrer-Absolventen (Abschlussnote: 1,0) zu RB Leipzig. Sein Nachfolger ist Rüdiger Rehm, der sich in der Vorbereitung über eine 5:0-Ansage seines jungen, eingespielten Kaders gegen den VfR Aalen freute.

Von oben nach unten – und wieder zurück: Den Weg ging Hessen Kassel, das in den Achtzigern haarscharf den Bundesliga-Aufstieg verpasste. 1998 meldete der Traditionsverein Konkurs an. Doch von der Kreisliga kämpfte sich Kassel mit kräftiger Fan-Unterstützung wieder zurück. Die Regionalliga ist bislang Endstation – in der Saison 2010/11 wurde der Aufstieg trotz eines deutlichen Vorsprungs vergeigt. Die Nachwehen der Enttäuschung zogen sich durch das letzte Jahr, als es im brodelnden Umfeld nur zu einem Platz im Mittelfeld reichte. Die Folge: Trainer Uwe Wolf hat den Kader um Leistungsträger Andreas Mayer kräftig umgebaut. In der Vorbereitung präsentierte sich das Aufgebot mit einem 3:1 gegen Drittligist Rot-Weiß Erfurt und einem 4:1 gegen Zweitligist Sandhausen in erstaunlicher Frühform.

Eine enttäuschende Saison hat Elversberg hinter sich. Foto: Anna Lena Grasmück

Einen erneuten Anlauf nimmt auch der SV Elversberg, bei dem (hoher) finanzieller Aufwand und (geringer) sportlicher Ertrag seit Jahren in keinem Verhältnis stehen. Die Saarländer wollen zukünftig stärker auf mannschaftliche Geschlossenheit statt großer Namen setzen. Mit Verteidiger Timo Wenzel (106 Bundesligaspiele) kam dennoch ein Neuzugang mit Promi-Faktor. Ansonsten räumte Trainer Jens Kiefer ordentlich im Kader auf. Potenzial schlummert in der Offensive mit Torjäger Abedin Krasniqi, Neuzugang Angelo Vaccaro (Reutlingen) und dem luxemburgischen 1,94-Meter-Talent Maurice John Deville (19).

Wormatia Worms verlor zwar die Generalprobe gegen Fortuna Köln mit 0:1, ärgerte dafür aber die Drittligisten Darmstadt (2:0), Saarbrücken (2:1) und den VfB Stuttgart II (2:1). Der ehemalige Nationalspieler Ronny Borchers hat Euphorie in Worms entfacht. In der letzten Saison landete der Klub auf Platz vier in der Regionalliga Süd und qualifizierte sich für den DFB-Pokal. Bitter ist der Abgang von Torjäger Michael Schürg (Freiberg). Dafür kamen mit Nassim Banouas (Elversberg), Benjamin Himmel (Kaiserslautern II) und Marco Steil (Holstein Kiel) ambitionierte Neuzugänge.

Die Aufsteiger

Eintracht Trier II gegen FC Homburg

Homburg gelang die Rückkehr in die Regionalliga. Foto: Torsten Franken

Ein Kondom-Unternehmen als Trikotsponsor und mit Uwe Klimaschewski ein Trainer, der den Platzwart mit Sprungseilen am Torpfosten festbinden ließ: Der FC Homburg hat in seinen drei Jahren im Oberhaus für kuriose Geschichten gesorgt. In der Gegenwart geht es in Homburg weniger witzig, aber immerhin wieder erfolgreich zu. Coach Christian Titz, der als Fitnesstrainer mit Schalke-Star Lewis Holtby arbeitet, hat mit 23 Neuzugängen den direkten Wiederaufstieg in die Regionalliga geschafft.

Beim SSV Ulm 1846 hat Stephan Baierl das Trainer-Ruder übernommen, der zuvor Assistent von Peter Sauter war. Der hatte zuvor das Amt als Coach und Präsident in Personalunion ausgeführt. Leistungsträger wie Torjäger Florian Treske blieben. Das gilt auch für Torwart Holger Betz, der 1999/2000 bereits im Bundesligakader der „Spatzen“ stand, als die Gegner noch Bayern München und Borussia Dortmund hießen. Nach Zwangsabstiegen und Insolvenzverfahren stand der treue Schlussmann auch zwischen den SSV-Pfosten, als es nach Neckarelz und Illertissen ging. Kurios war das letzte Aufeinandertreffen zwischen Trier und Ulm in der Aufstiegsrunde 1993/94 (siehe hier).

Von Trier nach Eschborn wechselte Thomas Drescher. Foto: Anna Lena Grasmück

Der 1. FC Eschborn will im dritten Versuch nach einem Regionalliga-Aufstieg den direkten Wiederabstieg vermeiden. Dazu beitragen soll Linksverteidiger Thomas Drescher, der in den letzten beiden Jahren für Eintracht Trier spielte. Und natürlich das Urgestein Rouven-Pierre Leopold, das mit 15 Toren und 14 Vorlagen ein Meisterschaftsgarant in der Hessenliga war. Der Mittelfeldspieler kommt auf 141 Spiele und 61 Treffer für das im Insolvenzverfahren befindliche Eschborn – und ist mit 35 Jahren älter als Trainer Sandro Schwarz (33). Der Coach hat als ehemaliger Profi die „Mainzer Schule“ durchlaufen, indem er zunächst von Wolfgang Frank und dann von Jürgen Klopp lernte.

Die Außenseiter

Favoritenschreck Idar-Oberstein gewann auch mit 1:0 in Trier. Foto: Anna Lena Grasmück

Feierabendfußball, Herzblut, Geschlossenheit. Der SC Idar-Oberstein ärgerte so in der vergangenen Saison viele Favoriten in der Regionalliga und bejubelte am Ende der Runde 39 Punkte. Trainer Sascha Hildmann leistet akribische Arbeit und baut auf einen eingespielten Stamm um Kapitän Michael Lehmann. In der Vorbereitung harmonierte die Mannschaft beim 4:2-Sieg gegen Neunkirchen.

Ein schweres Jahr erwartet Bayern Alzenau. In der letzten Saison landeten die Unterfranken um Mittelfeldspieler Jochen Seitz (162 Bundesligaspiele) auf dem 18. Platz der Regionalliga Süd. Nur der Klassenerhalt ist das Ziel der Bayern, die mit einer Ausnahmegenehmigung in der Südwest-Staffel antreten dürfen. Mit Boris Kolb (32) wurde ein erfahrener Mann vom SV Wehen unter Vertrag genommen.

Der SC Pfullendorf klopfte 2000 mal an das Tor zur 2. Bundesliga, scheiterte aber in der Aufstiegsrunde an LR Ahlen und Union Berlin. Nun wäre der Klassenerhalt ein Erfolg. „Wir haben Granaten verloren und Sprösslinge hinzubekommen“, sagte Trainer Adnan Sijaric im „kicker“ zur Personalpolitik. Mit Michael Falkenmayer gehört ein Ex-Trierer zu den Leistungsträgern.

Die Reserveteams

Unberechenbar: Borussia Dortmund II stieg in der Weststaffel zuletzt auf. Hat auch im Südwesten eine Reserve das Zeug dazu?

Sechs Reservemannschaften spielen in der Regionalliga Südwest, deren sportliche Qualität durch Umbrüche und den Einbau vieler U19-Talente schwer abzuschätzen ist. Viel zu erwarten ist vom SC Freiburg II, wo seit Jahren behutsame Arbeit in der Fußballschule geleistet wird. Den letzten Test gewannen die Breisgauer mit 3:0 gegen Ulm.

Bei der TSG Hoffenheim II ist Kai Herdling nach einer Ausleihe in die USA zurückgekehrt. Der Angreifer hat seine Torjägerqualitäten mehrfach unter Beweis gestellt. Einen Stürmer solchen Formats sucht der 1. FC Kaiserslautern II noch, nachdem Knipser Andrew Wooten zu den Profis aufgerückt ist.

Auch Mainz 05 II hat den Top-Angreifer mit Eric Durm (Dortmund II) verloren. Kurios ist die Vita von Trainer Martin Schmidt. Der Schweizer hütete als Kind die Kühe und Schafe der Familie auf der Alm, arbeitete als Automechaniker bei Rennen der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft, führt mit seinen Schwestern eine Textilwerkstatt und schlug nach sieben (!) Kreuzbandrissen als Fußballer früh die Trainer-Laufbahn ein.

Eintracht Frankfurt II hat seinen Coach Oscar Corrochano an Zweitliga-Aufsteiger Jahn Regensburg abgegeben. Ihn ersetzt mit Alexander Schur ein Ex-Profi, der sechs Akteure aus der U19 einbaut. Benjamin Pintol spielte zuletzt in Trier. Drei Neuzugänge kamen auch von der Reserve des FSV Frankfurt, die einen Aderlass erleiden musste. Dafür ging ein ehemaliger Jugendspieler des SVE an den Bornheimer Hang – Verteidiger Jonas Ralitschitsch will am Main den Durchbruch schaffen.

Stichworte:

Kommentare (0)

Trackback URL | RSS

Antworten

Wir freuen uns über Kommentare und möchten allen Lesern die Möglichkeit geben, kritisch zu den Themen und Artikeln Stellung zu beziehen und ihre Meinung kundzutun. Wir behalten uns das Recht vor, jeden Kommentar vor Veröffentlichung redaktionell zu überprüfen und nur Kommentare freizuschalten, die sich sachlich mit dem Thema des Beitrags beschäftigen.
Spielregeln