Regionalligen im Blick: Die Regionalliga West

Letzter Teil der 5vier Regionalligareihe, "Tief im Westen"

Von Jan Kowalski

Zum Abschluss der 5vier Regionalligareihe geht es tief in den Westen. Man könnte fast behaupten, dass sich in der Regionalliga West mehr Fussballtradition versammelt hat als in der aktuellen 2. oder 3. Liga. Die Liste der ehemals großen Vereine ist lang und die Liga extrem spannend, auch wegen fünf direkter Abstiegsplätze.

DFB-Pokal Eintracht Trier - 1-FC Koeln

Die Regionalliga West ist sicherlich die bekannteste und am meisten besprochene vierte Liga der Republik. In der 19-stelligen Tabelle finden sich neben sechs Zweitvertretungen von traditionsreichen Bundesligisten auch etliche ehemalige Erstligamannschaften. Die Vereinsnamen von Rot-Weiß Essen, Alemannia Aachen, Rot-Weiß Oberhausen, Fortuna Köln, KFC Uerdingen (ehemals Bayer Uerdingen) und SG Wattenscheid dürften jedem Fussballinteressierten ein Begriff sein.

Das zeigen auch die Zuschauerzahlen, welche für eine vierte Liga beeindruckend sind. Im Schnitt schauen 1750 Zuschauer ein Spiel der Regionalliga West, wobei auch in dieser Liga die Zweitvertretungen den Schnitt deutlich nach unten ziehen. Die letzten vier Plätze der Zuschauertabelle werden von zweiten Mannschaften belegt (Bochum, Leverkusen, Schalke, 1.FC Köln), die im Schnitt zwischen 200 und 500 Menschen ins Stadion locken. Ganz andere Verhältnisse weisen die Traditionsvereine aus dem Rhein-Ruhr Gebiet aus. Der deutsche Meister von 1955, Rot Weiß Essen, kann zu jedem Heimspiel im Schnitt 8500 Menschen im Stadion begrüßen. Die ersten neun Heimspiele sahen mehr als 75.000 Menschen im neuen Stadion Essen, und das, obwohl sich der Aufstiegsfavorit hinter den eigenen Ansprüchen bewegt.

Auch die anderen bekannten Namen der Liga bekommen ordentlichen Zuschauerbeistand. So können insgesamt neun Vereine im Schnitt über 1000 Zuschauer begrüßen und die Vereine aus Aachen (5950 Zuschauer) und Oberhauen (3000 Zuschauer) bekommen auch mehr Zuspruch als manch ein Drittligist.

Großer Abstiegs- und Aufstiegsmehrkampf

Vor der Winterpause haben die Mannschaften der Regionalliga West unterschiedlich viele Partien gespielt. Borussia Mönchengladbach II hat bereits 20 Spiele absolviert, während Rot Weiß Essen erst 17 Partien gespielt hat. Die Lage der meisten Mannschaften in der Liga ist sowieso sehr von der aktuellen Form abhängig. Gehört man nicht zur Spitzengruppe von etwa sechs Teams, ist man in der Regionalliga automatisch in Abstiegsgefahr, da bereits der 15. Platz sicher absteigt. Seit dem Wochenende rollt der Ball in der Regionalliga West schon wieder, deswegen ist die hier abgebildete Tabellensituation nur eine Momentaufnahme.

Die Wintermeisterschaft ging in diesem Jahr  relativ klar an Fortuna Köln. Der langjährige Zweitligist hat ein Spiel weniger als die Verfolger gespielt und trotzdem mit 42 Punkten drei Zähler Vorsprung vor dem Vorjahresmeister aus Lotte. Am Samstag baute die Mannschaft der Fortuna ihren Vorsprung durch ein klares 3:1 gegen Aachen, im Nachholspiel, weiter aus. Auf Platz drei folgt die zweite Mannschaft von Fortuna Düsseldorf, die eine beeindruckende Heimbilanz aufweist und seit zehn Spielen ungeschlagen ist. Kurios war bis Samstag der vierte Platz, welcher trotz bereits 19 absolvierten Partien, dreigeteilt war. Viktoria Köln, Schalke II und die Sportfreunde Siegen teilen sich den Platz mit 33 Punkten und einem Torverhältnis von 31:19. Durch das Nachholspiel zwischen Viktoria und Essen (2:2), ist der ambitionierte Kölner Club nun alleiniger Vierte und der fünfte Platz ist zweigeteilt. Mit dem dann schon folgenden siebten Platz und dem SC Verl beginnt bereits das Mittelfeld.

Gerade die Aufstiegsfavoriten, wie Viktoria Köln, haben kurz vor der Winterpause wichtige Punkte im Aufstiegsrennen verloren und die anfangs gute Ausgangslage verspielt. Die Sportfreunde Lotte dagegen spielen nun bereits das dritte Jahr in Folge ganz oben mit, um endlich den ersehnten Sprung in die dritte Liga zu schaffen, an dem sie letztes Jahr noch in der Relegation scheiterten. Der erfolgreichste Torschütze der Liga spielt in den Reihen des Tabellenführers, bereits 14 Mal hat Ercan Aydogmus für die Fortuna aus Köln getroffen und führt damit vor Robert Leipertz (Schalke II) mit 12 Treffern.

Das Mittelfeld der Tabelle reicht von Platz sieben bis elf. Unter den nur fünf Mannschaften, finden sich neben den beiden Zweitvertretungen aus Mönchengladbach und Köln vor allem die beiden Revierrivalen Rot Weiß Essen (RWE) und Rot Weiß Oberhausen (RWO). Während RWO mit bescheidenen Mitteln versucht eine Übergangssaison zu spielen und die wirtschafliche Lage in den Griff zu bekommen, hatte RWE vor der Saison höhere Bestrebungen und läuft den eigenen Ansprüchen oben anzugreifen etwas hinterher.

Mit dem Trierer Testspielgegner aus Aachen beginnt dann die Abstiegszone der Regionalliga West. Da die letzten fünf Mannschaften absteigen, sind zahlreiche Mannschaften gefährdet. Im Moment sieht es allerdings in der Tabelle so aus, als ob die beiden letzten Plätze bereits vergeben wären. Auf Platz 19 steht die SSVg Velbert mit nur sechs Punkten aus 17 Spielen. Nicht viel besser geht des dem SC Wiedenbrück mit neun Punkten auf dem 18. Platz. Hatte man im Sommer noch überraschend den Zweitligisten Fortuna Düsseldorf aus dem DFB Pokal geworfen, so folgten in der Regionalliga nur zwei weitere Siege in 18 Spielen. Auch die drei Aufsteiger aus den Oberligen haben es in der stark besetzten Liga nicht leicht. Alle drei Vereine, darunter die Traditionsmannschaften aus Wattenscheid und Uerdingen, sind mittendrin im Abstiegskampf.

Finanzkräftige Emporkömmlinge gegen große Tradition

In der Regionalliga West kommt es im Verlauf der Saison immer wieder zu brisanten Derbys und Aufeinandertreffen verschiedener Vereinstypen. Durch drei Kölner Vereine, die alle oben mitspielen (Fortuna, Viktoria, 1.FC Köln II) gibt es in der Domstadt immer wieder spannenden und hochklassigen Derbys. Außerdem gibt es noch Aufeinandertreffen mit den zweiten Mannschaften von Düsseldorf, Mönchengladbach und Leverkusen. Auch im Ruhrgebiet treffen die alten Rivalen von Essen und Oberhausen aufeinander.

Während Traditionsvereine wie Oberhausen, Essen und Aachen in der Regionalliga West gestrandet sind und versuchen sich langsam wieder aufzubauen oder im Fall der Alemannia erst Mal zu überleben, gibt es auf der anderen Seite neue Vereine, die lieber heute als morgen den Sprung in die deutlich lukrativere dritte Liga schaffen wollen. Zu diesen Emporkömmlingen zählen sicherlich die Sportfreunde Lotte, aber besonders die Viktoria aus Köln, welche von Claus-Dieter Wollitz trainiert wird und im Wintertransferfenster ordentlich zugeschlagen hat. So verpflichtete der Kölner Club die ehemaligen Bundesligaprofis Albert Streit und Marcus Brzenka und holte weitere Spieler aus der zweiten Bundesliga. Das klare Ziel Relegation ist bei der Viktoria noch nicht abgeschrieben, trotz bereits elf Punkten Rückstand auf den Tabellenführer und Rivalen Fortuna Köln. Auch die Vereine aus dem Tabellenmittelfeld haben sich vereinzelt verstärkt (Essen, Oberhausen), während der Zweite aus Lotte trotz der guten Platzierung den Trainer austauschte.

Die Aktivitäten der beiden Emporkömmlinge aus Lotte und Köln zeigen, dass die Fortuna auf dem ersten Platz keineswegs nachlassen darf, sollte sie die Relegation erreichen wollen. Es wird eine sehr spannende Rückrunde in der Regionalliga West, zwischen viel Tradition und neuen Namen an der Schwelle zum Profifussball.

 

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