Religionsfreiheit endet, wo andere Religionen diffamiert werden

Gestern haben Vertreter von Juden, Bahai sowie katholischer und evangelischer Kirche in der Evangelischen Studierendengemeinde über Religionsfreiheit diskutiert. Präses Schneider forderte gesellschaftliche Verantwortung, Bischof Ackermann benannte die Grenzen von Religionsfreiheit.

Sprachen über die Grenzen der Religionsfreiheit: Präses Nikolaus Schneider, Superintendent Christoph Pistorius und Bischof Dr. Stephan Ackermann (von links nach rechts, Foto: Bistum Trier).

Präses Nikolaus Schneider forderte die islamische Gemeinschaft in Deutschland zu größerer gesellschaftlichen Verantwortung auf. „Ich wünsche mir durchaus muslimische Kindergärten – die dann aber allen offen stehen“, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die Muslime in Deutschland seien herausgefordert, einen europäischen und akademischen Islam auszubilden, der sich dem Grundgesetz verpflichtet fühle. „Die Basis unserer Verfassung ist nicht verhandelbar“, sagte der Präses Schneider.

Der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann betonte, dass es auch Grenzen der Religionsfreiheit gebe. „Dort wo Religionsfreiheit dazu in Anspruch genommen wird, um andere Religionen zu diffamieren, ist die Grenze der Religionsfreiheit erreicht“, sagte Bischof Ackermann. Er nannte das Beispiel der Debatte um die Mohammed-Karikaturen, bei der versucht worden sei, die Meinungsfreiheit gegen die Religionsfreiheit auszuspielen. Die Gesellschaft brauche Überzeugungen und Werte, die aber nicht verordnet werden könnten. „Die Religionen sind hier wichtige Ressourcen“, sagte der Bischof weiter. Er sei für einen „lebendigen und fairen Wettstreit der Religionen.“

Der jüdische Rabbiner Gérald Rosenfeld aus dem französischen Thionville mahnte Sensibilität in der Sprache an. Respekt vor dem Nächsten sei mehr als Toleranz. Rosenfeld wies darauf hin, dass das Judentum auch in Deutschland in seiner Religionsfreiheit bedroht sei. Es gebe keine jüdische Gemeinde ohne Sicherheitsschleusen. Positiv sei, dass wieder jüdische Rabbiner in Deutschland ausgebildet würden und es einen jüdisch-christlichen Dialog gebe. „Da wird eine wichtige Arbeit geleistet“, sagte er.

Professor Ingo Hofmann, Vertreter der Bahai machte darauf aufmerksam, dass die Religionsfreiheit vor allem im Bahai-Ursprungsland Iran bedroht sei. Daher betone seine Religion die individuelle Religionsfreiheit sehr. Dazu gehöre auch, dass man seine Religion ungehindert kundtun dürfe. „Mein Gegenüber muss es aushalten, dass meine Sicht auf die Wahrheit nicht die seine ist“, sagte Hofmann. Religionsfreiheit solle ein identitätsstiftendes Merkmal in Europa sein und über kulturellen Identitäten stehen.

Professor Walter-Andreas Euler sagte, dass Religion und Kultur eng miteinander verbunden seien. „In weiten Teilen der Welt ist beides sogar praktisch untrennbar und ununterscheidbar miteinander verknüpft“, sagte der katholische Theologe aus Trier. Die Moderne habe ein Religionsverständnis hervorgebracht, nach dem sich Religion auf ein Segment der Lebenswirklichkeit beziehe, das von anderen Gesellschaftsbereichen wie Politik, Rechtswesen, Wirtschaft, Kunst oder Wissenschaft klar getrennt sei. Der Wissenschaftler betonte: „Nur auf der Basis eines solchen Religionsverständnisses ist es möglich, dass Menschen mit verschiedenen religiösen Bekenntnissen friedlich und gleichberechtigt miteinander in einem Staat zusammenleben können.“ Zugleich hätten die Gläubigen eine „moralische Pflicht“, die wahre Religion zu suchen und aus ihr zu leben, sagte der Theologe. Die bezeichnete Spannung gelte es auszuhalten, sagte Euler weiter.

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Kommentare (1)

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  1. Lars sagt:

    Schade, dass bei diesem Treffen nicht auch ein Vertreter des Islam anwesend war, das hätte dem Ganzen etwas mehr Authentizität verliehen. So bleibt die Meinung derjenigen, die als problematisch diskutiert werden, leider im Dunkeln.

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