Rezension: Briefe an Julia

Wahre Liebe hat kein Verfallsdatum. Auch wenn man mal 50 Jahre auf ihre Erfüllung warten muss. Diese Lektion lernt die junge, aufstrebende Journalistin Sophie, als sie während ihrer vorgezogenen Flitterwochen einen Liebesbrief aus dem Jahr 1957 findet.

Es gibt in Verona einen alten Brauch: unglücklich Verliebte aus aller Herren Länder strömen an jene Mauer, an der einst Romeo seiner Julia sehnsuchtsvolle Liebesschwüre entgegengebrachte, um ihre eigenen Liebesbriefe in die Mauerritzen zu stecken und auf eine glückbringende Antwort Julias zu hoffen. Und sofern auf ihren Briefe ein Absender steht, erhalten sie diese auch in handfesten Tipps und Ratschlägen von den „Sekretärinnen Julias“.

Liebestipps von Julia

In dem Film Briefe an Julialernt die Journalistin Sophie (Amanda Seyfried) auf ihrer vorgezogenen Hochzeitsreise mit ihrem Verlobten, dem ehrgeizigen Koch Victor (Gael Garcia Bernal) diese Sekretärinnen kennen und findet den 50 Jahre alten Brief der Britin Claire, die sich 1957 Hals über Kopf in den gefühlvollen Lorenzo verliebt hat, ihn jedoch in seiner atemberaubend schönen italienischen Heimat zurücklassen musste. Sophie beschließt ihr zu antworten und erhält keine Woche später Besuch von der feinen alten Dame (Vanessa Redgrave) und ihrem reichlich uncharmatem Enkel Charlie (Christopher Egan). Claire hat den festen Entschluss gefasst ihre große Liebe wieder zu finden, was ihrem rauhbeinigen Enkel gar nicht schmecken will; Sophie, die in der herzzerreißenden Geschichte eine große Story sieht, dafür aber umso mehr. Da ihr Verlobter sowieso lieber in den Weingütern seiner Lieferanten herum fährt, als sich mit seiner baldigen Braut zu beschäftigen, schlägt Sophie den Beiden vor ihnen bei der Suche nach Claires großer Liebe zu helfen.

Liebessuche nach 50 Jahren

Wir hätten es nicht mit einer Romanze zu tun, wenn Sophie dabei nicht selbst ihre große Liebe finden würde. Regisseur Gary Winick hat mit „Briefe an Julia“ einen Liebesfilm geschaffen, der mit seiner atemberaubend schönen Landschaft nicht nur ein Fest für die Augen, sondern mit seiner zuckersüßen Romantik auch ein Fest fürs Herz ist. Wer mal wieder mit einem warmen Gefühl um die Herzgegend aus dem Kino taumeln möchte, ist hier an der richtigen Adresse. Die vorhersehbare Geschichte verübt, Gott sei Dank, keine Überraschungsattentate auf das romantische Gemüt und man kann sich in aller Ruhe die rosarote Brille auf die trocken gebliebenen Augen setzen.

Ein Fest fürs Auge und fürs Herz

Leider wirken die Dialoge meist etwas hölzern und so als würden sie nicht zu den Figuren gehören, was vor allem zu Beginn des Films einige Einstiegsschwierigkeiten in die Handlung bietet. Insofern ist es nur allzu gut, dass die Story nicht viele Wendungen durchlebt und man schon weiß, wie der Film ausgeht, noch bevor man die Popcorntüte überhaupt gekauft hat.

Zudem hat man leider bis zum Schluss das Gefühl die Personen gar nicht richtig kennen gelernt zu haben, was sehr schade ist, da alle, sogar der vernachlässigende Bräutigam, durchaus sympathische Zeitgenossen sind.

Hölzerne Dialoge

Doch gerade diese Sympathie, die man für die Figuren empfindet, sowie die wärmende  Herzlichkeit und die grandiosen Landschaftsaufnahmen sind es, die diesen Film im Gedächtnis bleiben lassen. Zwar nicht detailliert, dafür aber farbenfroh. Also aufgepasst, all ihr hoffnungslosen Romantiker, schnell ins Kino gestürmt und nach Verona unter den Balkon von Julia geträumt. Oder, den weiblichen Anteil im Kino im Hinterkopf habend, unter den von Romeo.

„Briefe an Julia“ läuft derzeit im Cinemaxx Trier.

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