Rheinland-Liga: Koblenz II siegt auf der Mehringer Lay

Aus Mehring berichtet
Andreas Gniffke (Text und Fotos)

Das hatte sich der SV Mehring sicherlich anders vorgestellt. Im zweiten Spitzenspiel innerhalb einer Woche unterlag die Mannschaft von Wolfgang Hoor dem Aufsteiger aus Koblenz mit 0:2.

Foto: Koblenz obenauf, Mehring geschlagen – Verdienter Sieg des Aufsteigers im Topspiel

„Auswärts siegen ist schön!“ – Noch lange nach Spielschluss hallte das Lied durch den Kabinentrakt des Mehringer Sportplatzes, nur gelegentlich unterbrochen durch das Schängellied, die Koblenzer Hymne schlechthin. Die unbändige Freude der Schützlinge von Trainer Colin Bell war verständlich. Zum ersten Mal in der noch jungen Rheinlandligasaison traf der Aufsteiger auf ein Spitzenteam. Und siegte nicht einmal unverdient. Innerhalb der Liga ist die Mannschaft von Rhein und Mosel ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Also machten sich auch Hans Schneider (Mosella Schweich) und Robert Jung (FSV Salmrohr) auf den Weg nach Mehring, um den zukünftigen Gegner einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Und was sie in den ersten Minuten des Spiels zu sehen bekamen, dürfte sie stark beeindruckt haben. Koblenz ergriff sogleich die Initiative und setzte Mehring von Beginn an unter Druck. Der Gastgeber schien noch nicht so richtig wach, bereits in der fünften Minute hatte Jan Hawel, der bullige Mittelstürmer der Koblenzer, die erste gute Gelegenheit im Anschluss an eine Ecke. Die Gäste besaßen vor allem durch Hawel die deutliche Lufthoheit, in der zehnten Minute setzte er sich erneut im Luftkampf durch und legte den Ball ab zu Marvin Vogel, der aber am Mehringer Torwart Heiko Witt scheiterte. Die Gastgeber waren stark ersatzgeschwächt in die Partie gegangen. Andy Weber und Christian Mai verletzten sich im hart geführten Spiel in Salmrohr, Weber dabei schwer. Außerdem fehlte der zuletzt starke Michael Fleck wegen einer Erkrankung. Trainer Hoor machte jedoch bereits im Stadionheft klar, dass er die Ausfälle keinesfalls als Entschuldigung gelten lassen würde. Nach der ersten starken Drangphase der Gäste fand Mehring vor allem über den quirligen Andre Weinberg auf der linken Seite besser ins Spiel und hatte nun auch erste Torgelegenheiten. Die beste davon hatte Weinberg selbst in der 18. Minute, als er die Koblenzer Defensive düpierte, aus kurzer Distanz abzog, der Koblenzer Schlussmann Jan Kramer den von einem Verteidiger gefährlich abgefälschten Ball aber bravourös parierte. Mehring war in der Folge vor allem durch Standardsituationen brandgefährlich, insgesamt verflachte das Spiel aber zusehends. Koblenz versuchte es vor allem mit langen Bällen auf Hawel in der Spitze, was aber in dieser Phase nur wenig Gefahr erzeugte. In der 39. Minute hatte Mehring großes Glück, als kein Koblenzer einen Aussetzer von Torwart Witt nutzen konnte, der den Ball unbedrängt einem Koblenzer in den Fuß spielte. Das Glück war für den Gastgeber nach dieser Szene scheinbar aufgebraucht. Kurz vor der Pause brachte Sebastian Hahn einen Freistoß aus gut 50 Metern direkt vor das Tor des SV Mehring. Aus dem Getümmel prallte der Ball wohl von einem Mehringer Abwehrspieler gegen den rechten Pfosten und von dort an den Rücken des bemitleidenswerten Witt, der dem über die Linie trudelnden Ball vergeblich hinterherhechtete. Mit diesem Paukenschlag ging es wenig später in die Pause.

Foto: Mehrings Torwart Heiko Witt. Großes Pech beim Gegentreffer, aber insgesamt sehr unsicher.

Nach dem Seitenwechsel überließ Koblenz dem Gastgeber das Geschehen und verlegte sich auf Konter, vornehmlich mittels des im Heimatland ihres Trainers Colin Bell überwunden geglaubten Kick and Rush. Mehring fand zunächst jedoch kein Mittel gegen die dicht gestaffelte Abwehr, erkämpfte sich aber im Laufe der zweiten Hälfte eine deutliche Überlegenheit. In der 66. Minute dann der größte Aufreger des Spiels: Durch einen schönen Spielzug über die rechte Seite wurde Philipp Schuh freigespielt, der in den Strafraum eindringen konnte und zu Fall kam. Schiedsrichter Raphael Fewinger aus Idenheim war sich auch nach dem Spiel sicher, dass diesem Sturz keine Regelwidrigkeit zugrunde lag, was die Mehringer Spieler und auch Trainer Hoor völlig anders sahen: „Das war ein klarer Elfmeter. Es gab einen Kontakt und Schuh ist niemand, der einfach so abhebt.“ Aus der Perspektive des neutralen Beobachters war die Entscheidung des Schiedsrichters durchaus vertretbar, Philipp Schuh wurde zwar leicht berührt, sank aber erheblich später zu Boden. Mehring spielte in der Folge mit Wut im Bauch und kam zu zahlreichen guten Torgelegenheiten. Die Beste hatte Markus Kuhnen in der 73. Minute, als er nach einer Ecke freistehend zum Kopfball kam, das Tor jedoch klar verfehlte. Colin Bell setzte nun ganz auf Erfahrung und versuchte seiner jungen Mannschaft (Durchschnittsalter der Startelf 21,5 Jahre) durch die Einwechslung des Routiniers Sascha Breitbach die nötige Stabilität zu geben. Ausgerechnet Breitbach sorgte zwei Minuten nach seiner Einwechslung für die Entscheidung, als er den Ball nach einem Freistoß trocken im langen Eck versenkte. Mehring hatte zwar noch Chancen, schwächte sich aber durch die gelb-rote Karte des Kapitäns Thomas Werhan weiter. Somit blieb es beim 2:0 Auswärtssieg der Koblenzer, die nun zumindest für eine Nacht die Tabellenspitze übernommen haben. Nach dem Unentschieden in der Vorwoche gegen Salmrohr und der heutigen Niederlage hat Mehring erst einmal den Anschluss an die Tabellenspitze verloren. „Wir gehören sowieso nicht zu den Aufstiegsfavoriten, so Hoor nach dem Spiel, von daher werfen uns die verlorenen Punkte aus den Spitzenspielen nicht um.“

STIMMEN

Wolfgang Hoor (Trainer SV Mehring):

„In der ersten Halbzeit war Koblenz die klar bessere Mannschaft. Wenn man so viel Druck macht, fällt halt irgendwann ein Tor, auch wenn es natürlich für uns sehr unglücklich war. In der zweiten Hälfte lief es bei uns wesentlich besser und wir hatten genügend Torchancen. Da hätten wir auch den nicht immer sicheren Torwart der Koblenzer mehr unter Druck setzen müssen. Leider haben wir auch keinen richtigen Torjäger, zu allem Überfluss ist uns ja auch noch Michael Fleck krank geworden. Wenn wir den Ausgleich gemacht hätten, wäre ganz sicher auch noch mehr drin gewesen. Man muss aber auch sagen, dass Koblenz der bislang stärkste Gegner war, auf den wir getroffen sind.“

Thomas Werhan (Kapitän SV Mehring):

„Wir waren heute einfach nicht gut genug. Scheinbar konnten wir die zahlreichen Ausfälle doch nicht so gut kompensieren wie gedacht.“

STATISTIK

SV Mehring:

Witt, Schuh, Werhan, Emmerich (ab 64. Schlag), Kohl, Alt (ab 76. Lorenz), Kön, Schwarz (ab 83. Willems), Weinberg, Wagner, Kuhnen

TuS Koblenz II:

Kramer, Lang, Lauer (ab 90. Brzenk), Hahn, Mund, Schmidt, Tan, Vogel (ab 80. Breitbach), Bauer, Klappert (ab. 87. Göcer), Hawel

TORE:

0:1 Witt (Eigentor, 45.)

0:2 Breitbach (82.)

BESONDERE VORKOMMNISSE:

Gelb-Rote Karte: Werhan (Mehring, 85., wiederholtes Foulspiel)

SCHIEDSRICHTER: Raphael Fewinger (Idenheim)

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