Rheinlandliga: FSV Tarforst fertigt im Derby Mehring mit 4:1 ab

Aus Tarforst berichten
Daniel Maximini (Text) und Anna Lena Bauer (Fotos)

Tage wie dieser Sonntag, der 24. Oktober sind es, die das Prädikat optimaler Fußballtag verdienen. Viel Sonne (bei trotzdem niedrigen Temperaturen), kaum konkurrierende Spiele neben einem echten Regionalderby und das Bruderduell zweier durch ihre Spiele bei Eintracht Trier regional bekannter Persönlichkeiten. Die Rheinlandligapartie des FSV Trier-Tarforst gegen den SV Mehring bot für ca. 500 Zuschauer im Vorfeld alles, was es für einen schönen Fußballnachmittag benötigte.

Foto: Nach den vergebenen Chancen war das 1:0 sichtlich eine Erleichterung für Tarforst

Zur Orientierung, ebenfalls 500 Zuschauer sahen vor kurzem noch die Partie der Regionalligisten aus Homburg in ihrem Derby gegen die Zweitvertretung des 1. FC Kaiserslautern. Doch soviel sei vorweg genommen, wer gekommen war, um ein packendes Bruderduell der Gebrüder Stefan Fleck auf Tarforster Seite und Michael Fleck auf Mehringer Seite zu sehen, musste enttäuscht feststellen, dass sie in einer hochwertigen Partie zweier guter Mannschaften nicht mehr waren als Nebendarsteller.

Auf Tarforster Seite galt die größte Aufmerksamkeit wohl eher Torhüter Dominik Wintersig. Wegen Markus Schwinds Fingerbruch und der Rotsperre von Daniel Bauer war die etatmäßige Nr. 3 nun zwischen die Pfosten gerückt. Zudem spielte Bernhard Heitkötter von beginn an in der Startelf, Michael Wick saß dafür nur auf der Bank: beide Mannschaften mit der in der Rheinlandliga gängigen 4:4:2-Aufstellung, Tarforst in Rot, Mehring in den weißen Auswärtstrikots.

Beide Mannschaften versuchten in der Anfangsphase direkt Druck auszuüben, doch die Abwehrreihen arbeiteten sehr diszipliniert und neutralisierten sich größtenteils gegenseitig. Es dauerte lange bis zur ersten großen Chance, als ein Fallrückzieher von Tarforsts Kasel sich zum Pass auf Tobias Spruck entwickelt, dessen haltbarer Schuss Heiko Witt jedoch sicherheitshalber zur Ecke klärte. Bei jenem Eckball klärt der nervös wirkende Witt nicht sauber, ein Schuss von Heitkötter geht aber drüber.

Diese Nervösität hatte aber Witt nicht alleine gepachtet. Während Tarforst sehr konzentriert spielte, wirkten die Mehringer unter dem Druck eines echten Derbys ein wenig zu verkrampft. In dieser Phase des Spiels waren viele kleine Fouls zu zählen und die Partie unter der Leitung von Schiri Michael Müller aus Wellen und seinen Assistenten Christian Walter und Dominik Klein war eines Derbys würdig entsprechend hitzig.

Der Mehringer Coach Wolfgang Hoor brüllte seinen Mannen noch zu „Hier gibt es keine Angst“, doch es wirkte wirklich eher, als hätte Tarforst diesen Rat verinnerlicht, Mehring hielt sich immer mehr mit Diskussionen mit dem Schiedsrichter auf, was Müller letztendlich mit der gelben Karte für André Weinberg quittierte. Hoor machte klar: „André, die Energie will ich vorne haben.“ – er sollte nicht erhört werden.

Wirklich Grund mit dem Schicksal zu hadern hatte eher Mehrings Philipp Schuh. Erst blutet nach einem Zweikampf die Nase, dann geht ein strammer Schuss aus zwei Metern Entfernung in den Unterleib. Auch übersieht der etwas willkürlich pfeifende Schiedsrichter Müller kleine Nickligkeiten an ihm anscheinend besonders gerne.

Wirklich gefährliche Torchancen bleiben tatsächlich aus. Mehrings erste Chance nach einer halben Stunde, als Stefan Fleck seinen Bruder Michael foult. Den anschließenden Freistoß haut erst Stefan Wagner, dann Stephan Schwarz in die Mauer, erst der dritte Ball findet den Weg in den Strafraum, der Kopfball von Wagner geht aber knapp drüber.

Für Mehring ist das jedoch die Initialzündung zu mehr Druck. Gerade Fleck zieht es dabei immer in die Mitte, wo er erneut gefoult wird, diesesmal von David Rinnenburger, der dafür die Gelbe Karte erhält.

Kurz danach heißt es Ecke und es zeigt sich, dass auch Tarforst noch mitspielt, über Patrick Kasel wird ein schneller Konter über Links eingeleitet, dessen Flanke findet in der Mitte Sven Simon, dessen Schuss und Nachschuss kann jedoch von Witt hervorragend geklärt werden. Kurz danach wirkt Tarforst erneut wacher, nach einem langen Ball kann Torsten Schlag diesen nicht richtig stoppen und schon hat Kasel ihn abgelaufen und schießt aus 16 Metern drauf, der Ball streift knapp über das rechte Lattenkreuz.

Der nächste schnelle Angriff jedoch sitzt. Kasel verlängert in der 40. Minute einen Ball auf Krugmann, dieser schießt ansatzlos per Dropkick unhaltbar über den zur Salzsäule erstarrten Witt in den linken Winkel: 1:0, Marke Traumhaft. Das Tor machte Mehring nur noch nervöser, Thomas Werhan bekommt nach Foul an Kasel die Gelbe Karte. Die letzte Chance der ersten Halbzeit hat dann wieder Sven Simon, sein Schuss geht aber knapp rechts vorbei.

Die zweite Halbzeit findet dann bereits ohne Torsten Schlag statt, Hoor hat Christian Alt für den Abwehrmann eingewechselt. Und Mehring beginnt erneut druckvoll. Stefan Fleck bekommt Gelb wegen wiederholtem Foulspiel – bemerkenswert dabei, dass es gleichzeitig auch das erste Foul war, dass er nicht an seinem Bruder begangen hat. Mehring kann trotz der Überlegenheit aber keine zwingenden Chancen herausarbeiten. Die beste hat in dieser Phase noch Philipp Schuh, der einen Ball von Wagner noch im Fünfer annehmen kann, doch Wintersig klärt mit einem guten Reflex zur Ecke.

Somit wird das Spiel immer frustrierender für Mehring und Schiedsrichter Müller macht es den Mehringern dabei auch nicht einfacher. Nach einem Foul von Tarforst will Mehring den Freistoß schon ausführen, als Müller zur Überraschung aller anzeigt, dass der FSV diesen Freistoß erhält. Kasel schaltet schnell, spielt auf Sven Simon, während Mehring noch diskutiert und dieser läuft allein aufs Tor zu, verzieht seinen Schuss jedoch völlig. Kurz danach hadert Simon erneut mit der ihn offensichtlich verlassenden Glücksgöttin Fortuna. Kasel dribbelt von Rechts bis in den Fünfer, spielt auf besagten einschussbereiten Simon, welcher aber dann zusehen muss, wie Mehring doch noch in letzter Sekunde klärt.

Philipp Schus Tag wurde dann noch etwas schlechter, als er eine gelbe Karte wegen Meckerns erhielt. Und die folgende Szene sorgte auch nicht für Erheiterung, denn ein Freistoß von Stefan Wagner knallt an die Unterkante der Latte dann auf die Linie und von da in Wintersigs Hände. Mehring reklamiert heftigst, doch Müller entscheidet: Kein Tor! Eine weitere umstrittene Entscheidung.

Tarforst derweil beginnt mit Zeitspiel, Dominik Lay erhält dabei Gelb wegen Ballwegschlagen, während die steten Äußerungen von Fengler an der Seitenlinie in Richtung Schiedsrichter einige Mehringer Schlachtenbummler zur Weißglut bringen. Mehring versucht es mit mehr Offensive und bringt für Florian Lorenz Markus Kuhnen.

Kaum ist dieser im Spiel, rast auch schon der nächste Konter auf das Tor der Mehringer zu. Kasel treibt dabei den Ball nach vorne und schickt auf Links Tobias Spruck. Dieser ist auf und davon, tunnelt noch Witt und netzt so in der 66. Minute zum 2:0 ein. Nur zwei Minuten später eine Doublette des 2:0: Stefan Castello sagt sich „Was Kasel kann, kann ich schon lange“, setzt erneut auf Links diesesmal Sven Simon und dieser rast die selbe Strecke wie zuvor noch Spruck, mit dem selben Ergebnis: Tor. 68 Minuten waren gespielt und Mehring lag auf einmal 3:0 hinten. Diese Situation hatte Simon Krugmann bereits als Bankdrücker erlebt, er war kurz zuvor für Christian Dahm ausgewechselt worden.

Mehring wechselte nach dem Doppelschlag Stephan Schwarz aus und brachte Sebastian Willems, versuchte auch weiter offensiv zu spielen, doch Wintersig zog den Moselanern auch noch diesen Zahn, als er bei ein Schuss von Mario Kön aufs Kurze Eck sekundenschnell zu Boden sinkt und den Ball zur Ecke pariert. Die anschließende Ecke köpft – wie sollte es anders sein – Philipp Schuh knapp am rechten Pfosten vorbei.

Nun wechselt auch Tarforst, Dominik Lay verlässt das Spiel und Nils Spruck kommt zu weiteren Einsatzminuten. Am Spiel ändert das wenig, Mehring drängt und die Roten kontern. Diesmal über Rinnenburger, der fast noch vertendelt, dann aber auf eben jenen Nils Peter Spruck passt, dieser dribbelt bis in den Strafraum und schießt, Witt klärt in die Mitte, wo jedoch niemand höher springt als Kasel, dessen Kopfball segelt ins leere Tor: das 4:0 nach 84 Minuten.

Damit war die Messe gelesen, Ulf Möller kam noch zu einigen Einsatzminuten und ersetzte Stefan Castello, die Fenglertruppe nahm jedoch mehrere Gänge raus. So kommt Mehring doch noch einmal vors Tor, Andre Weinberg schießt aus 18 Metern drauf und trifft in den Winkel. Nicht mehr als ein Ehrentreffer, denn kurz danach pfeifft Müller eine klasse Rheinlandliga-Partie pünktlich ab.

Tarforst gewann am Ende wegen einer deutlich disziplinierteren Leistung mit 4:1, was auch ein sichtlich enttäuschter Wolfgang Hoor (immerhin gebürtiger Tarforster) neidlos anerkennen musste. Tarforst kann sich hingegen mit 26 Punkten weiterhin auf Rang vier der Tabelle sonnen und wird sich schon auf das nächste gut besuchte Heimspiel freuen, wenn in zwei Wochen dann Freitags um 20 Uhr Mosella Schweich zu Gast ist. Mehring hingegen bleibt Achter der Tabelle und wird zähneknirschend bemerkt haben, dass in diesem Derby heute einfach nichts zu holen war.

Stimmen zum Spiel:

Dirk Fengler:

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Wolfgang Hoor:

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Werner Gorges:

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Markus Schwind zum Thema Torhüter und Lattentreffer:

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STATISTIK

FSV Tarforst: Dominik Wintersig, Bernhard Heitkötter, David Rinnenburger, Stefan Fleck, Martin Gorges, Stefan Castello (Ulf Möller), Dominik Lay (Nils Spruck), Simon Krugmann (Christian Dahm), Tobias Spruck, Sven Simon, Patrik Kasel, – Ersatz: Carsten Bach, Michael Wick, Thorsten Oberhausen, Ramon Jahn. – Trainer: Dirk Fengler

SV Mehring: Heiko Witt, Philipp Schuh, Florian Lorenz (Markus Kuhnen), Torsten Schlag (Christian Alt), Thomas Werhan, Stephan Schwarz (Sebastian Willems), Stefan Wagner, Michael Fleck, Andre Weinberg, Domenik Kohl, Mario Kön. – Ersatz: Christian Mai, Donnis Kauhausen – Trainer: Wolfgang Hoor

Tore: 1:0 Krugmann (40.), 2:0 Tobias Spruck (66.), 3:0 Sven Simon (68.), 4:0 Patrik Kasel (82.), 4:1 Mario Kön (88.)

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Kommentare (2)

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  1. FSV-Fan sagt:

    Ich find das mit den Stimmen sehr gut. Mir gefällts, aber das ist ja alles Geschmacksache.

    Ausserdem: Weiter so FSV und weiter so 5vier.de! machen beide einen guten job bisher! 🙂

  2. SVE-Fan sagt:

    Glückwunsch an Tarforst aber der Redaktion möchte ich nahelegen, in Zukunft wieder zur Textform bei dem Stimmen zum Spiel zurückzufinden!

    Ansonsten: Super! Weiter so!
    Anm. d. Red.: Vielen Dank für das Lob! Mal sehen, was wir mit den Stimmen machen. Hat wie immer alles Vor- und Nachteile.

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