„Wie ein Finale in Berlin“ – Trier trifft auf Krettnach

Von Florian Schlecht

Im Achtelfinale des Rheinlandpokals empfängt Eintracht Trier am Mittwoch den SV Krettnach (19.30 Uhr). Beide Vereine einigten sich darauf, im Moselstadion zu spielen. Die Trainer sind darüber nicht traurig.

Eine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte: Erwin Berg freut sich auf das Spiel bei Eintracht Trier.

Erwin Berg genießt in diesen Tagen die Interviews, er nimmt sich Zeit für alle Fragen, ist geduldig und sprüht vor Elan. „Wann steht der SV Krettnach schon einmal so im Rampenlicht?“, fragt der Trainer des Bezirksligisten vor dem Rheinlandpokal-Achtelfinale bei Eintracht Trier, das am Mittwoch um 19.30 Uhr in der Heimat des Regionalligisten angepfiffen wird. Berg fühlt sich beinahe „an ein DFB-Pokal-Finale“ erinnert. „Für uns ist ein Spiel im Moselstadion das, was für einen Bundesligisten ein Spiel im Olympiastadion in Berlin ist.“ Daher spürt der Übungsleiter seit einigen Wochen das Kribbeln, die Nervosität und Hektik, wenn er seine Spieler beim Training erlebt. Die Ergebnisse im Liga-Alltag sind zuletzt mit zwei Niederlagen in Folge ausgelieben. „Seit der Pokaltermin feststand, waren die Spieler nicht mehr mit dem Kopf bei der Sache. Ich will da keinen an die Wand stellen, ich finde es sogar menschlich, dass sich vor so einem Spiel keiner verletzten will. Wenn die Bayern die Champions-League vor der Nase haben, passiert ihnen das auch.“

Mit der Verlegung des Achtelfinals nach Trier war Berg einverstanden. Auf dem Hauptplatz in Krettnach fehlt ein Flutlicht, das Trainingsgelände wäre zu klein für den Zuschauerandrang gewesen, die Austragung an einem neutralen Ort wie in Tawern vor zwei Jahren hätte enorme Anstrengungen bedeutet. „Für die meisten meiner Jungs ist es das erste Mal, dass sie auf dem Gelände des Moselstadions auf Platz 1 auflaufen dürfen. Das ist was Besonderes.“

„Es liegt an den Jungs, ob sie die Situation annehmen“

Roland Seitz hofft nicht auf eine Zitterpartie. Foto: Anna Lena Grasmück

Auch Roland Seitz ist nicht unglücklich über die Tatsache, ein echtes Heimspiel in der vierten Runde zu haben. „Vom Kopf her ist es einfacher, im eigenen Stadion zu spielen. Hier wissen wir um die guten Gegebenheiten.“ Der Trainer von Eintracht Trier hat seiner Mannschaft nach dem 1:0-Sieg gegen Pfullendorf einen freien Montag gewährt. Mit der frischen Energie will der Regionalligist nun ins Viertelfinale einziehen, auch wenn Seitz vor Krettnach warnt, das nach Wittlich (5:0) und Konz (6:0) der dritte Bezirksliga-Gegner im Wettbewerb ist. „Sie haben einige gute Spieler in ihren Reihen, die schon höherklassige Erfahrung gesammelt haben. Ich denke, dass sie richtig Bock auf den Pokal haben.“

Eine Zitterpartie will sich Seitz möglichst ersparen. „Je früher wir das Spiel entscheiden können, desto eher haben wir Ruhe. Es liegt an den Jungs, ob sie die Situation annehmen und ihre Hausaufgaben erledigen.“ Geht es nach den jüngsten Auftritten in der Liga, dürfte der Fußballlehrer dabei die Ruhe selbst sein. „Ich kann nur den Hut davor ziehen, was die Jungs geleistet haben. Jetzt hoffe ich, dass sie in den letzten drei Spielen in diesem Jahr ihren Job machen, damit wir glücklich in die Winterpause gehen können.“ Wie kräftig Seitz das Rotationskarussell im Pokal dreht und auf Spieler aus der zweiten Reihe setzt, lässt er offen. „Das hängt davon ab, wer mir zur Verfügung steht.“ Sicher ist für den Oberpfälzer nur, dass Andreas Lengsfeld im Tor für Stephan Loboué beginnen soll.

„Ich mache mich nicht lächerlich“

Bei Krettnach drohen hingegen Kevin Flesch und Manuel Berg auszufallen. „Natürlich verschwinden die Schmerzen vor so einem Spiel mal schnell über Nacht, aber die Gesundheit geht vor“, zeigt der Trainer Mitgefühl. Von einer Sensation zu sprechen, das will er sich nicht entlocken lassen. „Ich mache mich jetzt nicht lächerlich und sage, dass wir gewinnen wollen. Dafür ist der Unterschied zu groß. Trier kann mit den Talenten aus der Jugend alleine 40 Spieler aufstellen, die in der Lage sind, uns zu schlagen.“ Berg setzt sich bescheidende Ziele: „Ein gutes Ergebnis und ein schönes Event.“

Für den Trainer ist das Pokal-Achtelfinale auch mit Erinnerungen verbunden. Für Eintracht Trier spielte er von 1976 bis 1981, kam auf zwei Einsätze in der 2. Bundesliga. Seine Ablösung als Übungsleiter der zweiten Mannschaft durch Reinhold Breu im Jahr 2007 war eine herbe Enttäuschung für ihn. Doch der Ärger ist lange verraucht. „Das ist unglücklich gelaufen. Aber Schwamm drüber, die Sache ist vergessen.“

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