SC Verl: Ein Königreich für einen Torjäger – Trainer Bertels im Gespräch

Die Vergleiche mit dem unbeugsamen gallischen Dorf aus den Asterix-Comics wurden beim SC Verl schon oft gezogen. Auch in diesem Jahr wollen die sparsamen Ostwestfalen wieder mit Mentalität und Kampfgeist punkten. Am Freitag treten sie bei Eintracht Trier an (19 Uhr).

Raimund Bertels hat schon mit Christian Knappmann zusammengearbeitet. Unter der Regie des Trainers des SC Verl übernahm der wuchtige Stürmer die Rolle des unumstrittenen Knipsers in vorderster Front, auch in Wuppertal geht Knappmann nun mit Inbrunst seinem Hobby nach, möglichst viele Tore zu schießen. Dann wollte Bertels vor der Saison Marcus Fischer aus Elversberg verpflichten. „Aber das Gespräch war schnell beendet“, erzählt der Coach und lächelt. Fischer lästerte laut „Westfalen-Blatt“, so viel habe er “schon zu Jugendzeiten” verdient wie ihm angeboten wurde, unterschrieb bei den Sportfreunden Lotte und ist in der Torjägerliste nun einer der ersten Knappmann-Jäger. Die Geschichte verdeutlicht die Problematik in Verl, aber auch die Beharrlichkeit, mit der die Ostwestfalen unbeirrt seit Jahren ihre Bahnen in der Regionalliga ziehen. „Wir haben die Politik, keine Schulden zu machen und leisten nur, was wirklich möglich ist“, sagt Bertels.

“Trier und Lotte spielen die Meisterschaft unter sich aus”

So kann sich der Trainer vor dem Auswärtsspiel bei Eintracht Trier am Freitag weiterhin mit dem Prinzip der Sparsamkeit in Verl identifizieren, wo er früher schon als Spieler zu den Leistungsträgern gehörte und auch mit kleinen Mitteln große Erfolge feierte. Doch ein Torjäger wäre Bertels momentan ein Königreich wert. So sieht er sein Team an der Mosel als krassen Außenseiter. „Eintracht Trier und die Sportfreunde Lotte werden meiner Meinung nach die Meisterschaft unter sich ausspielen. Wir brauchen einen außergewöhnlichen Tag, um in Trier etwas einzufahren. Die Eintracht hat individuell eine der besten Regionalliga-Mannschaften zusammen.“

Der Start verlief in Verl hingegen nicht nach Wunsch. Ursprünglich wollte die Mannschaft in der Spitzengruppe der Regionalliga mitmischen, mit zehn Punkten aus den ersten zehn Spielen hinkt der Verein seinen Wünschen aber hinterher. „Es wäre doch lächerlich gewesen, wenn wir den Klassenerhalt als Ziel ausgerufen hätten, wo in diesem Jahr doch keiner absteigen kann“, bekennt sich Bertels ehrlich zu seinem Ehrgeiz. Mittlerweile werden die Ansprüche aber neu formuliert: „Realistisch ist ein Platz im Mittelfeld.“

“Geschlossenheit ist das A und O”

Als größte Schwäche sieht das Urgestein aus Verl die Chancenverwertung, ein echter Stoßstürmer fehlt bislang. Neuzugänge wie Dennis Buschenig (Westfalia Rhynern) und Marco Schneider (Lotte) brauchen noch Zeit. „Wir haben viele Leute aus unterklassigen Ligen und der Jugend geholt. Bei uns gibt es nicht die finanziellen Möglichkeiten wie bei anderen Vereinen.“ Zu den Spitzenmannschaften fehlt so einiges, das zeigte sich beim jüngsten 1:3 gegen Lotte. „Wir müssen immer an die Leistungsgrenze gehen, um zu gewinnen, 80 Prozent werden uns nie reichen”, sagt Bertels. “Und Trier darf nicht seinen besten Tag gegen uns erwischen.“

Den Vergleich mit dem unbeugsamen gallischen Dorf aus den Asterix-Geschichten haben die Verler so schon oft gehört. Doch scheuen müssen die kampfstarken Ostwestfalen die Rolle nicht. Auch in dieser Saison ärgerten sie Koblenz (1:0) und Aufstiegsfavorit Wuppertal (2:1) mit ihren Siegen in der Fremde, der Zaubertrank an der Poststraße ist die starke Mentalität der Mannschaft. „Die Geschlossenheit ist das A und O“, betont Bertels. „Würde das nicht stimmen, dann hätten wir ein Problem. Bei Vertragsgesprächen sitzen immer zwei, drei Leute vom Verein dabei, die sich danach beraten, ob  die Spieler auch charakterlich zu uns passen und sich mit der Aufgabe identifizieren.“

Unterstützt wird Verl vom vermögenden Beckhoff-Clan, doch die Position in der Regionalliga scheint den Investoren trotz magerer Zuschauerzahlen auszureichen. „Es wird immer schwerer, oben anzuklopfen“, sieht Bertels wachsende Abstände durch bessere Nachwuchsarbeit und reichere Konkurrenz. „Durch die Leistungszentren bei den Bundesliga-Klubs rücken 18-Jährige schon als absolute Vollprofis in die Reserven”, sagt er einerseits. Dazu kommen die vermögenden Traditionsvereine. “Selbst, wenn hier ein Sponsor X 200.000 Euro mehr pro Jahr zahlen würde, ist das eine Summe, über die Vereine wie Wuppertal nur müde lächeln können.“ So vertraut Verl weiter seiner Politik ohne Schulden – und sehnt sich nach einem Torjäger in den eigenen Reihen.

+++++Eintracht in Kürze+++++

„Superschuss“ in der Halbzeit – Fans von Eintracht Trier können in der Halbzeitpause der Heimspiele wieder ihre Treffsicherheit unter Beweis stellen. Mit dem Heimspiel gegen den SC Verl am Freitag können drei Anhänger in der Halbzeitpause wieder zum „Superschuss“ antreten. Dort gilt es, den Ball direkt im Tor zu versenken, ohne dass er vorher den Boden berührt hat. Sobald der Erste getroffen hat, gibt es 50 Euro. Gelingt keinem der Superschuss, wandert das Geld in den Jackpot. Bewerben können sich alle Fans und Freunde der Eintracht, als Dreierteams auch gerne Fanklubs, Freizeitmannschaften oder Fußballvereine aus der Region. Anmeldung per E-Mail unter superschuss@eintracht-trier.com.

Umkämpft: In der letzten Saison gewann die Eintracht das Heimspiel gegen Verl mit 1:0.

Einsatz von Andreas Saur unwahrscheinlich – Andreas Saur droht an alter Wirkungsstätte wegen einer Leistenzerrung auszufallen. Der Innenverteidiger des SC Verl spielte in der Oberliga-Saison 2006/07 für Eintracht Trier, Roland Seitz hatte ihn damals an die Mosel gelotst, 32 Partien leistete Saur ab. „Er ist noch nicht wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen, ein Einsatz ist unwahrscheinlich“, so SCV-Trainer Raimund Bertels. Dennoch gilt die Defensive auch ohne den Ex-Trierer als Prunkstück, vor allem dank Torwart Milos Mandic und Abwehrchef Guerino Capretti. Zuletzt gewann Verl im Westfalenpokal 3:1 bei der SpVgg. Erkenschwick, zuvor gab es in der Liga eine 1:3-Heimpleite gegen Lotte.

+++++Gewinnspiel+++++

5vier.de verlost u. a. VIP-Eintrittskarten (inklusive Chauffeur-Dienst) für das kommende Heimspiel von Eintracht Trier. Am Freitag, 14. Oktober 2011, trifft der SVE um 19 Uhr auf den SC Verl. Sie können vorher Stehplatz-, Sitzplatz- und VIP-Karten für die Begegnung gewinnen. Hier geht es zum Link.

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Kommentare (2)

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  1. Guido sagt:

    Es hilft nichts, nur ein Sieg bringt uns weiter.
    Und insgeheim hoffe ich, dass die Gladbacher zwote gg. Lotte gewinnt, so dass dann 3 Mannschaften punktgleich oben stehen…

  2. sve-torsten sagt:

    Der Verler Coach macht einen sehr symapthischen Eindruck.
    Ich finde es gut, was der SCV seit Jahren auf die Beine stellt. Ich mag den Club.
    Dennoch zählt am Freitag nur ein Dreier. Wird aber sehr schwer – die Verler waren schon immer unbequem. Sie spielen diszipliniert und taktisch klug.

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