Schauspieler Ulrich Matthes las aus Dantes „Göttlicher Komödie“

Die Macht der Stimme und die Kraft des Textes

Es war ein faszinierender Abend, der am Mittwoch etwa 300 Zuhörern in der Promotionsaula des Trierer Priesterseminars bereitet wurde – dreifach faszinierend. Als da waren die Faszination einer Stimme, die Faszination eines „starken und schwierigen“ (Matthes) Textes und die Faszination der Musik. Auf Einladung der Universität Trier las der Berliner Theater- und Filmschauspieler Ulrich Matthes aus Dantes „Göttlicher Komödie“ in der Übersetzung des Trierer Romanisten Prof. Dr. Hartmut Köhler.

Die außergewöhnliche Lesung war der Initiative von Universitätspräsident Professor Michael Jäckel zu verdanken, der Matthes und die „Macht seiner Stimme“ zuvor schon einmal in dieser „Rolle“ erlebt hatte. „Eine irre gute Übersetzung. Sehr direkt. Sehr musikalisch.“

Dass Ulrich Matthes die Übersetzungskunst des im Dezember 2012 verstorbenen Hartmut Köhler zu schätzen weiß, war hörbar und sichtbar. Zum lang anhaltenden Applaus reckte er das Manuskript wie eine Trophäe in die Höhe. Drei der insgesamt 100 „Gesänge“ der Göttlichen Komödie trug Matthes dem Trierer Publikum vor. „Einen solch wunderbaren Text muss man vorher wie eine Partitur durcharbeiten“, erklärte er anschließend im Gespräch. „Beim Schauspiel beziehe ich auch Energie von den Schauspielkollegen. In einer Lesung ist man mit dem Text alleine, eine hohe Form der Konzentration.“

Er habe sich sehr gefreut, gerade diesen Text in der Direktheit der Übersetzung lesen zu dürfen, fügte Matthes an. Die literarische und historische Einordnung von Dantes Werk nahm zuvor Prof. Katharina Münchberg in einer thematischen Einführung vor. Das Werk gebe ethische Orientierung und metaphysische Sicherheit, so Münchberg. So wie Dantes „Commedia“ als eines der bedeutendsten Werke der Weltliteratur gilt, hat sich Hartmut Köhlers Übersetzung den Ruf eines Meisterwerks erworben. Als solches bezeichnete es Dr. Laura Campanale, Stiftungslektorin an der Universität Trier, in Vertretung des italienischen Generalkonsuls. Köhlers philologische Kunst habe darin bestanden, romanischen Texten ein deutsches Gewand anzulegen, formulierte sein langjähriger Kollege, Romanistik-Professor Johannes Kramer, der eine Gedenkschrift zu dessen Ehren vorstellte. „Er bleibt uns mit seinen Übersetzungen in Erinnerung, umso mehr, wenn sie so wie heute gelesen werden“, ergänzte Prof. Ulrich Port, Dekan des Fachbereichs II.

Inspirierend wirkte Dantes Werk nicht nur auf die Zuhörer in der Promotionsaula. Schon der ungarische Komponist Franz Liszt ließ sich davon einnehmen und schrieb eine „Dante-Sinfonie“. In ausdrucksvollen und dynamischen musikalischen Zwischenspielen trug der frühere Generalmusikdirektor am Theater Trier, István Dénes, Auszüge am Flügel vor. Womit an diesem bemerkenswerten Abend nach Stimme und Wort auch die Musik in den Dreiklang der Faszination einstimmte.

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