Als der „König aus Trier“ 1000 Löcher in den Bauch fragte

Von Florian Schlecht

Am Montag wird der 23. Bitburger-Silvesterlauf in Trier ausgetragen. 5vier erinnert sich mit dem 1. Vorsitzenden Berthold Mertes an bisherige Kuriositäten und Geschichten des deutschen Sao Paulo.

Sabrina Mockenhaupt gehört zu den Publikumslieblingen des Silvesterlaufs, der reich an Geschichten ist. Foto: Silvesterlauf Trier

Ein Star zur Premiere und ein Trainingspartner als Sieger

1990 war die Premiere des Silvesterlaufs. Entstanden war die Idee genau ein Jahr zuvor, am 31. Dezember 1989. Die Gründerväter waren Christoph Güntzer und Berthold Mertes. „Wir waren beim Lauf in Koblenz und wollten selber ein stimmungsvolles Ereignis an Silvester auf die Beine stellen. Sao Paulo war unser Vorbild, obwohl noch keiner bei der Veranstaltung war. Und in den Monaten danach haben wir an der Idee gearbeitet und geguckt, welche Strecke möglich ist.“ An die Geburtsstunde des Events in Trier erinnert sich Mertes nur noch „in schwarz-weiß“, wie er lacht. „Es war noch nicht so bunt wie heute.“ Am Montag locken nun Sambatänzerinnen, 1000 Kilogramm Konfetti und 2000 Trillerpfeifen. Sportlich setzten sich die Veranstalter aber schon früh hohe Maßstäbe, indem sie Spitzensportler anwarben. Der Star zum Start war Werner Schildhauer, der 1983 Vizeweltmeister über 10.000 Meter und langjähriger Vorzeigeläufer in der ehemaligen DDR war. „Das war schon eine große Nummer in der Szene“, sagt Mertes. „Die Mauereröffnung lag kurz zurück. Und so hatten wir die Chance, ihn zu verpflichten.“ Das sorgte in den Medien für Interesse, die Nachrichtenagenturen berichteten auf Anhieb von den Ergebnissen an der Mosel.

Und die Meldungen bargen eine Überraschung: Denn Schildhauer brachte seinen Trainingspartner Olaf Dorow gleich mit nach Trier – und ausgerechnet der gewann die erste Ausgabe mit der James-Bond-Startnummer 007. Beruflich liegt der Schwerpunkt bei Dorow mittlerweile eher bei Marko Arnautovic, Clemens Fritz und Thomas Schaaf. Er ist Sportjournalist beim Weser Kurier – und schreibt über Werder Bremen.

Der „König von Trier“, Warteschlangen und Fragen zur Porta Nigra

Arne Gabius beorderte Haile Gebrselassie 2009 auf die richtige Laufstrecke zurück.

Als Höhepunkt in der Geschichte des Silvesterlaufs bezeichnet Mertes nach wie vor das Jubiläum 2009. Zur 20. Ausgabe gab sich der äthiopische Spitzenläufer Haile Gebrselassie in Trier die Ehre. Ein leichtes Unterfangen war es nicht, den weltweit populären Topathleten zu gewinnen, erinnert sich der Veranstalter. „Dazu muss man Leute kennen, die mit den Stars arbeiten. Man braucht Vertrauen und auch ein bisschen Kleingeld. Da steckte schon ein finanzieller Aufwand unserer langjährigen Partner dahinter.“ Die Mühe lohnte sich aber. Mehr noch: Nachrichtenagenturen aus China und Australien berichteten von dem Event. Bei der Autogrammstunde von Gebrselassie warteten Menschen in einer meterlangen Schlange darauf, dem Läufer die Hand geben zu können oder eine Unterschrift auf ein T-Shirt zu bekommen. Beim Lauf standen 20.000 Zuschauer an der Strecke. „Wir waren besonders von der Persönlichkeit von Haile Gebrselassie beeindruckt. Er ist bodenständig geblieben, obwohl er das Aushängeschild schlechthin war.“

Der mehrfache Olympiasieger hatte die Moselmetropole auch schnell ins Herz geschlossen und staunte über die alten Römerbauten. „Er hat uns bestimmt 1000 Löcher in den Bauch gefragt zur Porta Nigra und Trier“, strahlt Mertes. Der einzige Fauxpas des Tages: Während des Laufs machte Gebrselassie hinter einem Führungsfahrzeug einen Schlenker in die falsche Richtung. Arne Gabius, der am Montag wieder starten wird, beorderte den mehrfachen Weltrekordler wild gestikulierend auf die richtige Strecke zurück. Gebrselassie gewann – und verabschiedete sich als „König von Trier“. Den Streckenrekord knackte der Äthiopier aber nicht: Den hält bei den Männern über acht Kilometer der Kenianer Isaac Kariuki mit 22:21 Minuten. Bei den Frauen liegt Lornah Kiplagat über fünf Kilometer mit 15:15 Minuten in der Bestenliste vorne.

Der erste Schnee und beschwerliche Anreisen

Moses Kipsiro sah bei der Landung in Luxemburg das erste Mal Schnee. Foto: Silvesterlauf Trier

Von einem Wetter-Chaos blieben die Veranstalter meistens verschont. Schnee und Eis konnten den Silvesterlauf nie bremsen. „Es ist immer alles gut gegangen, die städtischen Streudienste standen immer Gewehr bei Fuß“, sagt Mertes. Diese leisteten gute Arbeit. „Ein Wunder, dass heute gelaufen werden kann“, wunderte sich der damalige Oberbürgermeister Helmut Schröer 1995 nach fiesem Eisregen. Ein Jahr später musste die Strecke von Schnee geräumt werden. Thorsten Naumann lief bei Minusgraden schneller heiß als die Athleten aus Afrika und fuhr den letzten deutschen Sieg im Asse-Lauf ein. Moses Kipsiro störte das Winter-Wetter dagegen nicht. Mit seinem Triumph 2005 startete er seinen Titel-Hattrick. Dabei sah der damals 19-Jährige bei seiner Landung am Luxemburger Flughafen erstmals in seinem Leben Schnee. „Da war er bei weitem nicht der einzige Athlet, dem das vor dem Silvesterlauf in Trier so ging“, schmunzelt Mertes.

Auch in diesem Jahr freut sich der Veranstalter wieder auf ein internationales Event. 2000 Teilnehmer aus 20 Nationen starten an der Mosel. Mit die weiteste Anreise dürfte erneut Kipsiro aus Uganda haben. Die beschwerlichste Anfahrt hat traditionell Jaroslaw Cichocki, der mit einer Fahrgemeinschaft aus Polen die über 2000 Kilometer seit Jahren mit dem Auto fährt. Wenn das nicht Liebe zum Silvesterlauf ist.

+++Silvesterlauf in Kürze+++

1.800 Starter – doch Nachmeldungen sind möglich: Die Online-Meldephase für den Silvesterlauf ist abgeschlossen. Knapp 1.800 Athleten nutzten die Möglichkeit, sich über ein Meldeformular vorab für die 23. Auflage des deutschen “Sao Paulo” zu registrieren. Aber noch ist nicht aller Tage Abend: Wer am 31. Dezember 2012 in Trier die Laufschuhe schnüren möchte, der kann sich noch nachmelden – und zwar am 30.12. zwischen 16 und 19 Uhr sowie am Silvestertag ab 10 Uhr bei der Startnummernausgabe in der Sporthalle des Max-Planck-Gymnasiums in der Sichelstraße. Auch für die bereits gemeldeten Sportler gilt: Die Ausgabe schließt eine Stunde vor dem jeweiligen Lauf. Die Veranstalter bitten darum, dass alle Teilnehmer ihre Unterlagen rechtzeitig abholen.

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