Sommerliche Trägheit auf dem Arbeitsmarkt

11.445 Menschen in der Region Trier arbeitslos - Quote steigt auf 4,1 Prozent

Im Juli steigt die Arbeitslosigkeit. Dieser saisonübliche Trend macht auch in diesem Jahr keine Ausnahme. Ursachen für den Anstieg sind das Schuljahres- und Ausbildungsende sowie Arbeitsverträge, die zum Monats-, Quartals- und Halbjahresende auslaufen. Hinzukommt, dass während der Schulferien auch in Betrieben – in Chefetagen und Personalbüros – Urlaubszeit herrscht und deshalb weniger Einstellungen getätigt werden.

Bei Meldungen über Arbeitsmarkt als ARTIKELBILD verwenden11.445 Menschen sind aktuell in der Region Trier arbeitslos. Das sind im Vergleich zum Juni 859 Personen mehr. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist zu über 36 Prozent auf eine erhöhte Jugendarbeitslosigkeit zurückzuführen. Allein im Juli haben sich 415 junge Frauen und Männer nach einer Berufsausbildung arbeitslos gemeldet. „Es gibt immer wieder junge Menschen, die nach der Ausbildung nicht übernommen werden und einige Wochen überbrücken müssen, bis sie eine neue Arbeitsstelle oder ein Studium antreten“, erläutert Heribert Wilhelmi, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Trier. Gleichzeitig zeigt er sich optimistisch: „Da in vielen Branchen unserer Region der Fachkräftebedarf hoch ist, gehe ich davon aus, dass fast alle Ausbildungsabsolventen eine neue Stelle finden und Betriebe ihrerseits die Chance nutzen, junge Fachkräfte mit aktuellem Know-How einzustellen und im Unternehmen weiterzuentwickeln.“

Einen genauen Blick in die einzelnen Branchen des regionalen Arbeitsmarktes zeigt, dass im Juli insbesondere Frauen und Männer aus dem Verarbeitenden Gewerbe, dem Handel, dem Gesundheits- und Sozialwesen, der Zeitarbeit und dem Sektor Erziehung und Unterricht arbeitslos geworden sind. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Ein Einflussfaktor ist jedoch die Tatsache, dass in manchen Berufen die direkte Übernahmeperspektive nach der Ausbildung größer ist als in anderen. „Einige Arbeitgeber, vor allem im technischen Bereich, sprechen bereits zu Ausbildungsbeginn eine Übernahmegarantie bei guten Leistungen aus. Im kaufmännischen Bereich und im Handel hängen die Chancen, nach der Ausbildung übernommen zu werden, vielfach von der Entwicklung des konkreten Einstellungspotenzials im Ausbildungsbetrieb ab. Frisch gebackene Absolventen konkurrieren dann mit berufserfahrenen Fachkräften“, so Wilhelmi.

Ausbildungsmarkt

Auf dem regionalen Ausbildungsmarkt ist Endspurt angesagt: Anfang August und September starten die meisten Ausbildungsverhältnisse. Und obwohl die Zeit immer knapper wird, sind Ausbildungsbetriebe und Jugendliche noch auf der Suche. Aktuell stehen 904 unbesetzte Ausbildungsplätze 721 Ausbildungssuchenden gegenüber. „Wir tun derzeit alles, um Bewerber und Betriebe zusammenzubringen und hinterfragen, ob bereits alle Alternativen ausgeschöpft wurden“, so der Behördenleiter.

Heribert Wilhelmi ist sich dennoch sicher, dass gerade in den letzten Wochen nochmal unheimlich viel Bewegung am Ausbildungsmarkt herrscht. „Wir wissen, dass auf der einen Seite etliche Betriebe mitten in der Endauswahl stecken und nach den Sommerferien den Bewerbern ihre Entscheidung mitteilen. Auf der anderen Seite gibt es Jugendliche, die zwar ihren Ausbildungsplatz in der Tasche haben, sich aber bis zum Schluss alle Optionen offen halten.“ Betrieben und Bewerber empfiehlt der Chef der Arbeitsagentur, möglichst schnell Entscheidungen zu treffen. „Jetzt gilt es, sowohl für Unternehmen als auch für Jugendliche, alles in trockene Tücher zu bringen“, denn die Frustration und der Arbeitsaufwand seien enorm, wenn Arbeitgeber feststellten, dass sich der Wunschkandidat oder die Wunschkandidatin für einen anderen Ausbildungsbetrieb entschieden hat oder Jugendliche bemerkten, dass der sicher geglaubte Ausbildungsplatz an einen anderen Bewerber vergeben wurde.

Die Daten im Einzelnen

  • Bestand an Arbeitslosen und Bewegungsdaten: Im Juli sind 859 Menschen mehr arbeitslos als einen Monat zuvor. In der Region Trier suchen aktuell 11.445 Frauen und Männer einen neuen Job. Im Juli 2012 waren mit 10.452 Personen 829 Menschen weniger von Arbeitslosigkeit betroffen. Von 3.474 Menschen, die neu oder erneut arbeitslos wurden, haben sich 31 Prozent direkt nach einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung arbeitslos gemeldet – das heißt, sie haben in den letzten vier Wochen ihren Job verloren. Darüber hinaus meldeten sich Menschen arbeitslos, die zuvor selbständig waren, eine Aus- oder Weiterbildung absolvierten, zuvor einfach nicht erwerbstätig waren (Stille Reserve) oder auf Grund von Krankheit im Vormonat nicht zur Gruppe der Arbeitslosen zählten. Dem gegenüber stehen 2.623 Männer und Frauen, die im Juli ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten. Das sind 316 Menschen weniger als im Juni und 134 weniger als im Juli 2012.
  • Arbeitslosenquote: Die Arbeitslosenquote kletterte im Juli von 3,8 Prozent auf 4,1 Prozent. Wie im letzten Jahr hat sich die Quote von Juni auf Juli um 0,3 Prozentpunkte erhöht. Im Juli 2012 lag die Arbeitslosenquote bei 3,9 Prozent, also 0,2 Prozentpunkte niedriger als heute.
  • Stellenangebote: Dem gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und der Jobcenter wurden im Juli 1.041 neue Arbeitsstellen gemeldet, 178 mehr als im Juni 2013 und fünf Stellenangebote mehr als im Juli 2012. Der hohe Neuzugang an Stellenangeboten in den letzten vier Wochen ändert nur wenig an der gesamten Stellensituation im Vergleich zum Vorjahr: Aktuell stehen den Jobsuchenden der Region 2.488 offene Arbeitsplätze zur Verfügung. Das sind 11 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
  • Personengruppen – jugendliche und ältere Arbeitslose, Frauen und Männer: Die vielen Ausbildungsabsolventen schlagen sich in den Arbeitslosenzahlen der jüngeren Erwachsenen zwischen 15 und 25 Jahren nieder. In diesem Monat ist die Zahl der Arbeitslosen in der Personengruppe der Jüngeren um rund 36 Prozent auf 1.740 Frauen und Männer angestiegen. „Der saisonübliche Zuwachs der Jugendarbeitslosigkeit hat sich in diesem Jahr in den Juli verlagert“, erklärt Heribert Wilhelmi, Chef der Trierer Arbeitsagentur. „Während sich im letzten Jahr bereits im Juni zahlreiche junge Fachkräfte nach der Ausbildung arbeitslos meldeten, ist dieser Effekt in diesem Jahr ausgeblieben. Dafür machen sich die Ausbildungsabsolventen nun im vollen Maße in der Juli-Statistik bemerkbar.“ Die Arbeitslosenquote der Jüngeren ist innerhalb eines Monats von 3,3 Prozent auf 4,5 Prozent gestiegen und liegt damit sogar über der allgemeinen Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent. In der Altersgruppe der über 50-Jährigen sind derzeit 3.522 Männer und Frauen ohne Job. Das sind 68 Personen mehr als im Juni 2013 und 341 mehr als im Juli 2012. Die Arbeitslosigkeit der Älteren ist somit im Sommer im saisonüblichen Maße angestiegen. 52,5 Prozent der Arbeitslosen sind Männer, 47,8 Prozent Frauen. Der Anteil der Männer an allen Arbeitslosen ist im Vergleich zum Vormonat erneut gefallen.

Blick in die Region

  • Stadt Trier: In der Stadt Trier ist die Arbeitslosenquote im Juli um 0,4 Prozentpunkte auf 5,9 Prozent nach oben geklettert. 3.240 Menschen sind derzeit arbeitslos. Das sind 181 Personen mehr als im Vormonat und 158 mehr als im Vorjahresmonat. Auch im Stadtgebiet hat in den vergangenen vier Wochen insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit mit 22,4 Prozent stark zugenommen.
  • Landkreis Trier-Saarburg: Im Landkreis Trier-Saarburg waren im Juli 2.849 Menschen arbeitslos, dies sind 212 Personen mehr als ein Monat zuvor. Im Vergleich zum Juli 2012 ist die Zahl um 214 Männer und Frauen gestiegen. Im Vergleich zum Vormonat hat die Arbeitslosigkeit bei den Jüngeren um 41,2 Prozent, bei den Älteren um 0,3 Prozent, bei den Frauen um 8,8 Prozent und bei den Männern um 7,4 Prozent zugenommen. Bei den Ausländern hat sich die Arbeitslosigkeit auf Niveau des Vormonats gehalten. Die Arbeitslosenquote im Trierer Land liegt aktuell bei 3,7 Prozent. Das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als im Juni 2013 und im Juli 2012.

 

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