SV Mehring: Vereinsheim nach 2:1-Sieg gekapert, Klassenerhalt geschafft

Von Florian Schlecht (Text und Fotos)

Im vergangenen Jahr feierte der SV Mehring den Aufstieg in die Oberliga – und nun in der Premierensaison den Klassenerhalt: Nach dem 2:1 gegen den FK Pirmasens ließ die Mannschaft ihren Gefühlen freien Lauf.

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Ein Sketch zum Klassenerhalt: Die Spieler feierten im Vereinsheim.

Das Vereinsheim war nach den letzten Worten von Spielertrainer Dino Toppmöller bei der Pressekonferenz schnell gekapert. „Ich bitte alle Spieler, kurz rein zu kommen“, sagte Achmed Boussi durch das Mikrofon. Und ganz brav folgten die Kollegen seinen Worten. Danach folgte ein Sketch des Angreifers mit Michael Fleck, der die Zuhörer erheiterte. Boussi sprach einige Sätze auf Arabisch – und flüsterte seinem Kumpel ins Ohr, was er übersetzen sollte. Es war ein Lob auf die Leistungen von Trainerstab und Mannschaft des SV Mehring in den vergangenen Wochen, die am letzten Spieltag in der Fußball-Oberliga ihren krönenden Abschluss fanden.

Der 2:1-Sieg gegen den FK Pirmasens bescherte den Ausnahmezustand auf der Lay. Der Klassenerhalt konnte aus eigener Kraft gesichert werden, auch wenn am Ende sogar eine Niederlage gereicht hätte. Wirges verlor mit 1:3 gegen Neunkirchen und muss so den bitteren Gang in die Rheinlandliga antreten. Die Spieler feierten diesen Erfolg dennoch ausgiebig nach einem Kraftakt, vor dem der Hut gezogen werden muss. Von den letzten elf Spielen gewann Mehring neun. „Das ist der Wert eines Spitzenteams“, staunte Dino Toppmöller. „Vor der Saison galten wir im Prinzip als erster Absteiger. Als wir zwei, drei schlechte Spiele nach der Winterpause hatten, wurden wir abgeschrieben. Nach dem 0:3 in Pfeddersheim waren wir quasi tot, haben uns aber selber wiederbelebt. Diese Saison körperlich und mental so zu meistern, rechne ich der Mannschaft hoch an.“

Boussi trifft zum 1:0, Pirmasens gleicht in Unterzahl aus

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Arm in Arm: Sekunden vor dem Abpfiff waren die Spieler an der Bank versammelt.

Wie stark diese Gemeinschaft aus Mehring zusammengewachsen ist, zeigte sich wenige Sekunden vor dem Abpfiff. Arm in Arm standen die Spieler an der Bank, bereit, jeden Moment auf den Platz zu stürmen und ihre Kollegen zu herzen. Als dann Schluss war, sprinteten sie los, vor den Fans wurde getanzt, nach der spaßigen Vorführung im Vereinsheim wurde später noch der Trainer von seinen Mannen in die Lüfte geworfen.

620 Zuschauer waren zu dem großen Saisonfinale gekommen, vor dem Stadion waren viele Parkplätze noch in Seitenstraßen blockiert. Ausnahmezustand im Dorf. Mehring hatte die Nichtabstiegsparty selber in der Hand. Und das demonstrierten die Platzherren auch in der Anfangsphase, als sie mit Aggressivität dem zunächst erschreckend harmlosen FK Pirmasens zusetzten. Nach zehn Minuten durfte erstmals gejubelt werden. Sebastian Ting lupfte technisch gekonnt durch die Lücke zwischen zwei Gegenspielern, Achmed Boussi lauerte goldrichtig und traf per Flachschuss zum 1:0.

Nur wenig später folgte die nächste Schlüsselszene, als der Angreifer erneut auf dem Weg zum Tor war und Gästekeeper Rene Schreiner vor dem Strafraum mit beiden Händen abwehrte. Die Konsequenz: Rote Karte für den Schlussmann. Schon zwei Wochen zuvor gegen den SV Roßbach/Verscheid war ein gegnerischer Torwart vom Platz geflogen. Nutzte Mehring damals jedoch schnell die Konfusion des Gegners, um das Ergebnis hochzuschrauben, fehlte es diesmal an der nötigen Konsequenz. Boussi scheiterte frei vor dem neuen Keeper Frank Steigelmann (21.), eine Flanke von Christoph Eifel prallte vom Innenpfosten wieder heraus (23.). Danach fing sich Pirmasens und näherte sich dem Tor an. Ein Schuss von Patrick Freyer strich knapp vorbei (37.), bei einem weiteren Versuch des Offensivspielers war Philipp Basquit schnell zur Stelle (41.).

Auf Worte folgen Taten

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Dino Toppmöller und das Motto im Abstiegskampf. Das Plakat hatten Spieler und Trainer entworfen.

Im zweiten Durchgang wollte die Heimelf über Konter zur Vorentscheidung kommen. Die Taktik ging beinahe auf, als Dino Toppmöller und Achmed Boussi nach einem Ballgewinn alleine auf das Tor zustürmten. Der Spielertrainer legte uneigennützig quer, der Angreifer verwandelte, doch das Schiedsrichtergespann entschied auf Abseits (56.). Das veranlasste „Toppi“ zu Protesten. Denn so gab es statt Erleichterung noch Hektik: Sebastian Schad traf nach einer Flanke per Kopf zum 1:1 (60.) – und Mehring war wieder unter Zugzwang.

Doch die letzten Wochen haben die Mannschaft offenbar weiter gefestigt. Dino Toppmöller zeigte im Vereinsheim ein Plakat vor, das die Spieler und er zusammen entworfen haben. „When you’re a winner, you come back. Not matter what happened the day before.“ Auf Deutsch: „Wenn du ein Gewinner bist, kommst du zurück. Egal, was am Tag zuvor geschehen ist.“ In Taten: Sebastian Ting traf aus 16 Metern schnörkellos zum 2:1, das alle Spieler gemeinsam an der Eckfahne ausgelassen zelebrierten (74.). Etwas Zittern war noch angesagt, als erneut Schad in der Nachspielzeit die dicke Chance zum 2:2 vergab. Dann war aber Schluss. Das Wunder war vollbracht. Der SV Mehring bleibt nach einer riesigen Aufholjagd in der Fußball-Oberliga.

Statistik

SV Mehring – FK Pirmasens 2:1 (1:0)

Mehring: Basquit – Weinberg, Kohl, Ageman, Eifel – Kön, Ting – Kohlei (87. Lorenz), Monzel (77. T. Toppmöller) – Boussi, Fleck (48. D. Toppmöller).

Tore: 1:0 Boussi (10.), 1:1 Schad (60.), 2:1 Ting (74.).

Rote Karte: Rene Schreiner (16., Handspiel außerhalb des Strafraums).

Die Bilder zum Spiel:

 

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Kommentare (1)

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  1. karl-peter sagt:

    Mehring bleibt in der Oberliga.Kann man mal sehen was ein Trainer ausmacht.Super Serie nach dem Trainerwechsel.Da hat der Dino Toppmöller aus einer völlig verunsicherten Mannschaft, eine in sich stabil wirkende starke Truppe geformt.Glückwunsch an Toppi und Mehring.

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