„Jugendspieler aus Luxemburg dürfen wechseln“ – UPDATE

Einige Jahre arbeiteten Eintracht Trier und der Luxemburger Fußballverband im Nachwuchsbereich zusammen. Doch weil die neun Spieler aus dem Nachbarland nur einmal in der Woche mit den Jugendmannschaften des SVE trainieren dürfen, sieht Nachwuchskoordinator Michael Ziegler keine Perspektive mehr. Das Abkommen, das 2008 getroffen wurde, steht vor dem Aus. „Die Talente aus Luxemburg werden uns wohl verlassen“, bedauerte er gegenüber 5vier.de. Reinhold Breu vom luxemburgischen Fußballverband bestätigte das am Dienstagabend. „Das war nicht unser Bestreben, die Jungs wären gerne geblieben. Aber es gibt bei uns ein ganzheitliches Konzept, das wir nicht ohne Weiteres lockern können.“

A Jugend Eintracht Trier TuS Koblenz

Die fünf Jugendnationalspieler aus Luxemburg werden die A-Jugend von Eintracht Trier wohl verlassen. Archivfoto: Thorsten Ströher

Vor einigen Tagen berichtete die Tageszeitung „Luxemburger Wort“ über einen Zwist um Jugendspieler zwischen dem Luxemburgischen Fußballverband (FLF) und Eintracht Trier. Hintergrund ist, dass beide Seiten seit einigen Jahren eng zusammenarbeiten und neun Jugend-Nationalspieler aus dem Nachbarland für Nachwuchsmannschaften der Moselstädter spielen, um in den Regionalligen stärker gefördert zu werden. Nun steht das gemeinsame Projekt vor dem Aus, weil die Talente aus Luxemburg nur einmal in der Woche mit den Jugendmannschaften der Eintracht trainieren dürfen. „Das ist aus unserer Sicht zu wenig“, klagt Michael Ziegler, der Nachwuchskoordinator von Eintracht Trier.

Die restlichen Tage arbeiten die Junioren mit Trainern des Luxemburger Verbandes in der Fußballschule in Monnerich. Der vorgeschlagene Kompromiss der Trierer, die Spieler auch am Donnerstag für das Mannschaftstraining abzustellen, sei abgelehnt worden. Eine Lösung in dem Konflikt sieht Ziegler nicht mehr, wie er gegenüber 5vier.de bestätigte. Den Nachwuchskräften wurde die Freigabe erteilt. „Wir haben die Spieler und Eltern informiert, wo der Weg wahrscheinlich hinführt. Ich gehe davon aus, dass alle von den Jungs aus Luxemburg zu anderen Vereinen wechseln werden.“

„Für die Spieler tut es mir am meisten leid“

Archiv-Foto: Rainer Steffen

Ziegler hatte bis zuletzt auf eine Einigung gehofft. „Für die Spieler tut es mir ja am meisten leid.“ Aber nach den Erfahrungen der vergangenen Monate sieht er keine andere Möglichkeit. „Wer sich im Mannschaftssport auskennt, der weiß, dass ein Training mit der Mannschaft in der Woche zu wenig ist.“ Nur am Freitag standen die acht Talente den Jugendtrainern aus Trier zur Verfügung. „Leider hat sich der FLF keinen Millimeter bewegt, es war ihm egal“, so Ziegler. Der Vorschlag der Eintracht scheiterte. Dieser sah vor, die Spieler einen zweiten Tag von der Luxemburger Fußballschule für die Arbeit mit der Mannschaft freizustellen, um sich für Einsätze in der Regionalliga anzubieten und taktische Übungen einzustudieren. Vom Luxemburger Verband haben Reinhold Breu und René Kremer an den Gesprächen teilgenommen.

Reinhold Breu: „Konzept können wir nicht ohne Weiteres lockern“

Reinhold Breu: „Wir haben an der Luxemburger Fußballschule ein ganzheitliches Konzept.“

Ein Telefonat mit Breu gelang 5vier am Dienstagabend. Dort bedauerte der technische Direktor den neuen Stand. „Schade, dass die Jungs nicht bei der Eintracht bleiben dürfen und somit gezwungen sind, sich einen neuen Verein zu suchen. Das war nicht unser Bestreben, die Jungs wären gerne geblieben.“ Breu betonte, dass ein Konsens nach den Wünschen der Trierer nicht so einfach möglich gewesen sei.  „Wir haben an der Luxemburger Fußballschule ein ganzheitliches Konzept unter professionellen Rahmenbedingungen, bei denen die Jungs top ausgebildet werden, auch in den Unterricht gehen und Nachhilfe von ausgebildeten Lehrern bekommen. Das können wir nicht ohne Weiteres lockern.“ Ausnahmen gebe es bei Amateurvereinen grundsätzlich nicht, „sondern nur bei Profivereinen wie dem FC Metz, Alemannia Aachen oder dem SC Freiburg mit einem Leistungszentrum“, wo die Spieler nicht an die Fußballschule in Monnerich abgestellt werden müssen. Breu war von 2008 bis 2011 auch Nachwuchskoordinator von Eintracht Trier. „Die Übereinkunft zwischen beiden Seiten gibt es seit drei Jahren, damals haben wir es unter den jetzigen Bedingungen akzeptiert und es gab für alle Parteien nur Vorteile. Warum ausgerechnet jetzt die Situation ein Problem ist, ist uns unverständlich. Wir bedauern dies sehr.“ Breu spricht aber letztlich von einer „fairen Lösung“ und meint: „Eintracht Trier hat seine Zusage eingehalten und den Spielern die Freigabe erteilt. Die Jungs sind nun auf der Suche nach einem neuen Verein. Das ist alles ordentlich geregelt worden.“ Laut dem technischen Direktor verlassen neun Auswahlspieler den Verein. Zwei Kinder aus den 2000er-Jahrgängen blieben bei der Eintracht, ebenso Pit Hess, der einen Vertrag bei der Oberliga-Reserve hat.

Michael Ziegler bedauert die Entwicklung. „Wir wissen, dass die Spieler in der Luxemburger Fußballschule professionell aufgehoben sind. Es ist halt die Philosophie, die größten Talente des Landes in Monnerich zu trainieren. Aber auch bei uns wird gute Trainingsarbeit geleistet.“ Irgendwann war für den Nachwuchsleiter der Punkt erreicht, an dem er Position beziehen musste. „Es gab Spieler, die von August bis November nur bis zu sieben Einheiten mit der Mannschaft absolvieren konnten. Dazu waren sie körperlich oft platt im Training, weil es neben den Einheiten in der Fußballschule nicht selten Auswahlspiele gab.“

„Gute Fußballer“ – und schwer zu ersetzen

Vor allem Herbert Herres kann von den Problemen berichten. Der U19-Trainer der Eintracht hat fünf Talente aus Luxemburg in seinen Reihen. „Wenn Spieler von vier Einheiten in der Woche nur einmal mit der Mannschaft arbeiten, reicht das nicht aus“, meint er. „Irgendwann fragen sich auch die anderen, die immer da sind, warum sie sich die Mühe überhaupt noch machen sollen. Wir spielen halt in der Regionalliga, da muss ein erheblicher Aufwand geleistet werden.“ Herres wäre ein Kompromiss mit dem Luxemburger Verband am liebsten gewesen. „Die Jungs sind bei der Sache die Leidtragenden, das sind alles gute Fußballer, sie fühlen sich hier wohl.“

Sportlich sind die Abgänge für die Nachwuchsteams von Eintracht Trier auch nicht leicht zu verschmerzen. Die Talente aus Luxemburg sollten das Niveau der Jugendteams anheben. „Falls fünf Leute weggehen, ist das schon fast eine halbe Mannschaft“, weiß Herres, der im Sommer vorsichtshalber schon auf einen größeren Kader setzte. Auch Ziegler bedauert, dass ein Kompromiss nicht zustande kam. „Das ist für mich einfach unverständlich.“

+++UPDATE, 20. Dezember, 21.29 Uhr+++

5vier gelang es am Dienstagabend noch, ein Gespräch mit Reinhold Breu vom Luxemburger Fußballverband zu führen. Die Aussagen des technischen Direktors zu der beendeten Zusammenarbeit zwischen dem FLF und Eintracht Trier sind in den Artikel eingearbeitet worden.

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Kommentare (2)

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  1. ProLux sagt:

    Anmerkung der Redaktion: Wir konnten am Dienstagabend noch mit Reinhold Breu sprechen. Der Artikel wurde aktualisiert.

  2. Paul Dülfer sagt:

    Paul Dülfer
    Ex Schreiber der Williams Klartext Kolumne von der Eintracht Trier Info Seite

    Ja Leute eigentlich wollte ich nichts mehr in Sachen Eintracht Trier Jugendarbeit schreiben.
    Die Nachricht das der Fußballverband Luxemburg seine Nachwuchskicker aus den Jugendmannschaften vom SV Eintracht Trier 05 zurück in die “ Heimat “ holt hat mich zum nachdenken und deshalb auch zum Schreiben gebracht.
    Seien wir mal ehrlich und objektiv in dieser Sache, dann gestehen wir uns ein, das es nur eine Frage der Zeit war wann der FLF, seine Talente aus den Reihen der Eintracht zurück zieht.
    Das Ergebnis durfte doch schon mit dem Wechsel von Reinhold Breu vom SVE nach Luxemburg seinen Anfang genommen haben.
    Jeder der Verantwortlichen beim SVE musste eigentlich wissen, das so was passiert. Wenn Breu nach Luxemburg geht, nimmt er die Spieler, die er selber zum SVE geholt hat, früher oder später auch dort wieder weg nimmt.
    Warum muss ein Verband in seinem Leistungszentrum soviel
    trainieren ? Ein Grund man traut dem SVE die Ausbildung der Jugendspieler nicht zu oder man schafft eine Situation, wie sie sich derzeit darstellt.
    Ich denke man sollte nicht die Jugendspieler aus Luxemburg
    bedauern, sondern die Jungs die beim SVE bleiben.
    Reisende soll man nicht aufhalten heißt es und ich bin mir ziemlich sicher das die betroffenen Spieler aus Luxemburg schon lange diesen Weg, das Ziel kannten.
    Also kein langes lamentieren und klagen die Arme hoch, die Region hat sicher noch ein paar mindest genau so talentierte Kicker, die gerne in die Presche springen und für unseren SVE spielen
    Williams pd

    Anmerkung der Redaktion: Vielen Dank für den Kommentar! Allerdings steht in dem Artikel bei uns und auch im „Luxemburger Wort“, dass die Eintracht mit der Situation nicht mehr zufrieden war und den Spielern nach dem gescheiterten Kompromiss die Freigabe erteilt hat. „Der vorgeschlagene Kompromiss der Trierer, die Spieler auch am Donnerstag für das Mannschaftstraining abzustellen, sei abgelehnt worden. Eine Lösung in dem Konflikt sieht Ziegler nicht mehr, wie er gegenüber 5vier.de bestätigte. Den Nachwuchskräften wurde die Freigabe erteilt. „Wir haben die Spieler und Eltern informiert, wo der Weg wahrscheinlich hinführt. Ich gehe davon aus, dass alle von den Jungs aus Luxemburg zu anderen Vereinen wechseln werden.” (fs)

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