Tarforst heilt sich selbst: Spätes Tor sorgt für Punkt gegen Kyllburg

von Daniel Maximini

Es dürfte für die Elf von Coach Dirk Fengler keine einfache Woche gewesen sein. Beim letzten Spiel in Dörbach setzte es ein heftiges 1:6, ein Ergebnis, das in der Regel seine Spuren hinterlässt. Zudem meinte es auch Äskulap nicht gerade gut mit den Roten. Neben Torwart Schwind, welcher sich in Dörbach den Mittelfinger der rechten Hand brach, fehlten David Rinnenburger wegen muskulären Problemen, Philipp Benz ereilte das gewohnte Schicksal von Kunstrasenplatznutzern (2facher Bänderriss), Thorsten Oberhausen fehlte wegen einem Zeckenbiss, Jan Eric Gottschalk fehlte mit einer Zerrung und Neuzugang Stefan Fleck – seit drei Wochen im Kader der Roten – stand nach einer Grippe noch unter dem Einfluss von Antibiotika und erhielt daher ein Spielverbot.

Und vereinzelt sorgte auch die Ansetzung des Schiedsrichtergespanns für sorgenvolle Mienen im wieder mit ca. 200 Zuschern bei strahlendem Sonnenschein gefüllten Sportplatz Tarforst. Es pfiff zwar mit Manuel Biesemann aus Wadern-Wadrill ein sogar Regionalligaerfahrener Mann, die beiden Assistenten des Mannes vom Tus Longuich, Julian Stamm und Christoph Schneider galten jedoch noch als absolute Greenhorns und würden sich bei ihrem ersten Regionalligaspiel erst noch beweisen müssen.

Immerhin kam zum Anpfiff die Sonne hervor und erfreute die Zuschauer mit bestem Wetter. In dieser Anfangsphase zeigte Tarforst auch gleich, dass sie die Schlappe in Dörbach vergessen machen wollten und spielten mutig nach vorne. Rückkehrer Stefan Castello spielte dabei zunächst auf Kasel, der aus spitzem Winkel dennoch gefährlich abschließen kann. David Hillesheim von der SG Kyllburg klärt in die Mitte, wo Sven Simons Schuss aber noch geblockt werden kann. Kurz danach kommt erneut Kasel von links und findet in der Mitte den völlig frei stehenden Sven Simon. Dieser spielt gegen die Laufrichtung des schon halb am Boden liegenden Hillesheim, trifft den Ball jedoch nicht richtig, sodass der Ball doch in die Hände des Keepers der SG Kyllburg kullert. Eine Riesenchance, der der FSV noch lange nachtrauern würde.

Denn so druckvoll Tarforst begann, nach etwa 15 Minuten war dieser Elan wie verflogen. Kyllburg kam besser ins Spiel – oder besser gesagt – Tarforst wurde aus unerklärlichen Gründen einfach langsamer. Prompt kommen die Eifeler zu ersten Chancen. Der starke Thomas Klein prüft Daniel Bauer im Tor der Trierer ein erstes mal, dieser klärt im Nachfassen. Kurz danach rettet er nach einem Schuss von Jerome Kolling schon sicherer. Coach Fengler fordert mehr Leben in seinem Team, doch seine Jungs können das Signal nicht umsetzen. Erste Spuren der Dörbachschlappe sind zu sehen, denn wer den Auftritt der Tarforster mit den der letzten Heimspiele vergleicht, bemerkt schnell eine etwas eigenartige Körpersprache.

So werden Tarforsts Angriffe auch immer seltener. Kasel verlängert mit der Hacke auf Krugmann, dieser läuft auf das Tor der Kyllburger zu, den Schuss in die kurze Ecke kann Hillesheim aber zur Ecke klären. Auch mit einem Kasel-Schuss nach Pass von Simon hat Hillesheim wenig Probleme. Auf der Gegenseite riskiert Christian Esch einen Schuss aus 30 Metern, der nur hauchdünn am Pfosten von Bauer vorbei zieht.

So plätscherte das Spiel ein wenig vor sich hin. Die wenig gelungenen Aktionen enden dann auch hin und wieder heiß diskutierten Schiedsrichterentscheidungen, die vor allem den zahlreichen und lautstark vertretenden Kyllburger Schlachtenbummlern wenig gefielen. Bei einer fragwürdigen Abseitsentscheidung entpuppte sich gar scheinbar die halbe Zuschauerschar als Unterstützer der SG und sorgte für eine „moselstadionwürdige“ Atmosphäre. Kurz nach dieser Entscheidung kassierte Christian Esch die gelbe Karte wegen Meckerns.

Dirk Fengler

Sekunden vor der Halbzeit dann doch noch ein Schocker: Kyllburg spielt den Ball wegen einer Verletzung ins Seitenaus, der Schiedsrichter entscheidet auf Schiriball, den Tarforst auf Höhe der Mittellinie den Kyllburgern überlässt. Diese spielen den Ball jedoch weder nach hinten oder den Tarforstern zurück, sondern nach vorne auf Thomas Klein, welcher seinen Gegner umspielen kann und den herauseilenden Bauer überlupfen kann. Der Ball fällt Milimeter neben das Tor. Das wäre fast das 1:0 für Kyllburg gewesen – so pfiff Biesemann zur Halbzeit.

In dieser ging es im provisiorischen Container, der den Spielern als Umkleide dient, vor allem bei Dirk Fengler heiß her. Der wütende Coach war noch durch die recht schallsichere Wand schimpfen zu hören, eben jene Wände zeugten durch ihr Wackeln auch davon, dass sie bei dieser Rede irgendetwas abbekommen haben mussten. An Tarforsts Spielweise änderte sich nach Anpfiff aber dennoch wenig.

Vor allem als sich Sven Simon durch den Strafraum tankt und in die Mitte passt, wo Patrik Kasel das Kunststück vollbringt, aus drei Metern per Kopf das leere Tor zu verfehlen, reißt bei den Roten der Faden gänzlich. Immer mehr Fehler und Fehlpässe leisten sich die Tarforster, immer größer scheint auch die Angst vor einem Gegentreffer zu werden. Und während sich das Gefühl breit machte, dass im Falle eines Kyllburger Treffers Tarforst mit dieser Leistung wohl nie wieder ins Spiel zurück finden würde, fiel eben jenes auch schon. Ein Ball von Links geschlagen ist eine halbe Ewigkeit in der Luft und dennoch kann ihn Thomas Klein völlig frei annehmen und ins rechte untere Eck schießen. Nach 57 Minuten hieß es somit 0:1.

Den Tarforster Spielern stehen die Bilder der Dörbachpartie nun erneut vor Augen, sofort rennen sie in einen Konter der Kyllburger, den Schuss von Christian Esch kann Bauer dabei noch klären, jedoch genau vor die Füße von Michael Mayer-Nosbüsch. Dieser steht frei, lässt Bauer noch mit einer Körpertäuschung aussteigen und muss nur noch einnetzen. Irgendwie blockt ihn jedoch in letzter Sekunde ein Abwehrspieler und der Ball kullert in Richtung rechtes Eck, wo Tobias Spruck mit Hilfe des Pfostens die Situation gerade noch so zur Ecke klären kann.

Tarforst versucht dennoch zum Ausgleich zu kommen. Mehr als ein Kopfball von Kasel nach Zuspiel von Krugmann springt dabei jedoch nicht heraus, mit diesem hat Hillesheim erneut keine Probleme. Fengler wechselt daraufhin, Nils Peter Spruck verlässt das Feld für Tobias Merfeld, kurz danach ist schluß für Dominik Ley, Ramon Jahn darf sein Glück versuchen. Doch es bleibt beim alten Bild, Tarforst macht Fehler über Fehler, Kyllburg kontert. Kurz nachdem Kyllburgs Trainer Wolfgang Neumann Joscha Haubricht für Christian Esch einwechselt hat, rennt schon Pierre Valerius auf Bauer zu, dessen Fußabwehr verhindert jedoch schlimmeres. Kurz danach steht auch Thomas Klein wieder frei vor dem Tor, hämmert den Ball aber statt ins Tor aus dem Stadiongelände. Für ihn die letzte Aktion, Frank Leinen wurde für ihn eingewechselt.

Auf der Gegenseite kassiert Bernhard Heitkötter die Gelbe Karte, weil er seinen Gegenüber in einen Bauzaun geschubst hatte. Und auch der letzte Wechsel brachte kein neuen Impulse, Sven Castello kam für Michael Wick, doch immernoch wirkten Tarforsts Bemühungen für mehr Tempo und Torgefahr geradezu hilflos. Martin Georges erhielt zudem Gelb für ein Foul. Kyllburg hingegen haderte eher mit dem Schiedsrichter, welcher öfters etwas unverständlich pfiff. Spätestens die gelbe Karte an Mayer-Nosbüsch für „Aufstützen“ ließ die Eifeler schon fast auf die Barrikaden gehen. Zumindest der Wechsel von Manuel Peters für Pierre Valerius lief jedoch zu Kyllburgs Zufriedenheit ab.

Kurz danach fast doch noch der Ausgleich für Tarforst, im Strafraumgetümmel kommen Sven Castello und Tobias Merfeld gleichzeitig an den Ball, doch eine höhere Macht bringt Hillesheim zu einem sensationellen Reflex und so kratzt der Kyllburger Keeper die Kugel noch von der Linie.

Die Tarforster rauften sich nur noch die Haare und kaum einer gab zu diesem Zeitpunkt noch einen Pfifferling auf die junge Truppe aus Trier. In der 89. Minute kam Tarforst letztendlich noch einmal in den Strafraum, Gorges köpft den Ball Richtung langes Eck… und auf der Linie steht auf einmal Sven Simon völlig frei und köpft den Ball in die Maschen. Aus dem Nichts das nie für möglich gehaltene 1:1. Gerade Simon feierte überschwänglich und konnte die gelbe Karte für Trikotausziehen lachend verschmerzen.

Auf einmal scheint Dörbach, scheinen die Verletzungssorgen, scheinen die furchtbaren 89 vorherigen Minuten schlagartig vergessen. Die Krise wie weggeblasen. Tatsächlich kommt Simon Krugmann noch einmal zum Kopfball, Hillesheim verhindert jedoch erneut schlimmeres. Der Frust bei Kyllburg saß jedoch tief, während die Trainerbank dem armen Schiedsrichterassistent lautstark die Meinung sagte, kam es auf dem Platz noch zu einer Rudelbildung, bei der letztendlich Tobias Spruck und David Reinhard die gelbe Karte kassierten. Biesemann pfiff letztendlich ab und auch eine erneute Rudelbildung konnte schnell gelöst werden.

Zumindest Dirk Fengler schien sich über den späten Ausgleich kaum freuen zu können. Wie ein brodelnder Vulkan saß er noch minutenlang auf der Trainerbank und kaum ein Spieler traute sich in seine Nähe. Fengler resumierte nach dem Spiel, dass seine Mannschaft die ersten 15 bis 20 Minuten noch ordentlich gespielt hätte, danach aber nichts mehr zusammen gelaufen wäre. Er kritisierte vor allem die vielen unnötigen Fehlpässe, auch diagnostizierte er fehlendes Herz. Auch wenn viele Stammkräfte fehlen würde, erwarte er vom Team etwas mehr. „Auch wenn das keine Ausrede ist, aber wenn drei Leute gefehlt haben aus der Stammformation, auch wenn wir da auf dem Zahnfleisch gehen, erwarte ich, dass man sich mehr reinhaut, mehr Präsenz zeigt.“

Dennoch sah er die Punkteteilung als verdient an. „Der Punktgewinn hilft uns weiter um wieder die Sicherheit zu bekommen, jetzt haben wir ein Auswärtsspiel, da können wir ohne Druck hin fahren.“ zeigt Fengler sich beruhigt vor der Partie in Lahnstein.

Torschütze Sven Simon hofft derweil gegen Lahnstein endlich wieder drei Punkte einzufahren. Auf die Frage, ob dieses Tor der schönste Kopfball seiner Karriere sei, konstatierte er, dass jedes Tor wichtig für den Klassenerhalt wäre. Und auch Vorstandsvorsitzender Görgen machte noch einmal klar, wie stolz das Team schon auf die bisher erreichten 14 Punkte sein könne. Mit einem Punkt könne man zufrieden sein und guter Dinge für die Partie gegen den Tabellensechzehnten aus Lahnstein. Bis dahin bleibt der FSV Tarforst Tabellenfünfter der Rheinlandliga.

Dirk Fengler im Gespräch nach dem Spiel:

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Sven Simon im Gespräch nach dem Spiel:

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Spielfacts:

Aufstellung SG Kyllburg/Badem/Gindorf

Stammelf: David Hillesheim, Jan Schmitt, Christian Esch (Joscha Haubricht), Alexander Berscheid (c), Timo Heinz, Michael Mayer Nosbüsch, Thomas Klein (Frank Leinen), Sebastian Berg, David Reinhard, Jerome Kolling, Pierre Valerius (Manuel Peters), – Ersatz, Markus Plei, Christoph Gerten. Trainer: Wolfgang Neumann, Thomas Löw

Aufstellung FSV Trier-Tarforst

Stammelf: Daniel Bauer, Michael Wick (Sven Castello), Bernhard Heitkötter, Martin Gorges, Stefan Castello (c), Dominik Lay (Ramon Jahn), Sven Simon, Simon Krugmann, Patrik Kasel, Nils Peter Spruck (Tobias Merfeld), Tobias Spruck – Ersatz, Dominik Wintersig, Ulf Möller, Armin Walter Trainer: Dirk Fengler

Schiedsrichter: Manuel Biesemann (Wadern-Wadrill), Assistenz: Julian Stamm, Christoph Schneider

Tore: 0:1 (57′) Thomas Klein, 1:1 (89′) Sven Simon

Fotos: (Archiv),  Anna Lena Bauer

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