TBB gewinnt Wahnsinnspartie gegen Ludwigsburg

Unter den Augen von Bundestrainer Frank Menz gewinnt die TBB 78:77 in einem Herzschlagfinale gegen die favorisierten MHP RIESEN Ludwigsburg. Vitalis Chikoko und Andi Seiferth glänzen als Matchwinner.

Foto: Thewalt

Michael Stockton machte für die Gäste aus Ludwigsburg als Starting Point Guard von Beginn Dampf. Die unterschätzte den unscheinbaren 1,85-Meter Mann auch nach dem klassischen Stockton-Schema und schenkte dem Sohn von NBA-Legende John Stockton allzu freie Wurfoptionen. Der Trierer Angriff geriet derweil zur Qual: Gäste-Coach John Patrick ließ seine Mannschaft Ganzfeldpresse spielen und setzte die TBB massiv unter Druck, sodass bereits kostbare Sekunden von der Schussuhr abgelaufen waren, bevor Hughes, Anderson oder Chikoko den Ball in die gegnerische Hälfte zu bringen vermochten.

Ludwigsburg in der Anfangsphase überlegen

Trierer Topscorer mit 20 Punkten: Andi Seiferth. Foto: Thewalt

Trierer Topscorer mit 20 Punkten: Andi Seiferth. Foto: Thewalt

Ludwigsburg zog rasch davon, beim Stand von 4:12 nahm Henrik Rödl folgerichtig die erste Auszeit. Trotzdem wollte gegen die effektiven Gäste bis zur Viertelpause nicht recht viel gelingen; mit 13:24 ging es in den zweiten Spielabschnitt. Das begann aus Trierer Sicht nicht wesentlich besser: Zuerst ließen sich Mathis Mönninghoff und Warren Ward zweimal ohne Not den Ball abjagen, weil Keaton Grant mental wacher war als alle Trierer zusammengenommen. Anschließend erhöhte Ludwigsburg auf 13:26. Frei nach dem Motto „über den Kampf ins Spiel“ fand die TBB nun allerdings Halt in der eigenen Defensive. Die erreichte alsbald das exzellente Niveau der Partie gegen Braunschweig und stoppte den Ludwigsburger Punkteregen. Besser noch: Trotz der Flaute im ersten Durchgang penetrierte die TBB unablässig, zog Foul um Foul und kassierte die fälligen Bonusfreiwürfe mit ordentlicher Quote. John Patrick konnte nicht gefallen, was er sah, denn das Spiel kippte deutlich zu Gunsten Triers – mit lautstarker Unterstützung der 3317 Zuschauer.

Auftritt: Vitalis Chikoko!

Knorpelschaden? Welcher Knorpelschaden? Der angeblich verletzungsgehemmte Vitalis Chikoko lief ab dem zweiten Viertel komplett heiß. Die „Hand aus Simbabwe“ stopfte, reboundete und blockte den Ludwigsburgern das Leder um die Ohren, als ginge es gegen die zweite Garde einer Jugendmannschaft. Der Power Forward hielt sich endlich wieder mehr in Korbnähe auf und zeigte dort sein ganzes Repertoire. Dank seiner und Andi Seiferths Offensivausbeute (insgesamt 37 Punkte) konnte die Ludwigsburger Dominanz gebrochen werden.

Vitalis Chikoko, TBB Trier

Matchwinner Chikoko: 17 Punkte, 6 Rebounds und ein halbes Dutzend Blocks (BBL-Statistik fehlerhaft). Foto: Thewalt

Ganz so einfach ließen sich die MHP Riesen die Butter natürlich nicht vom Brot nehmen. Im dritten Viertel schenkten sich beide Teams nichts und agierten durchweg auf Augenhöhe. Ludwigsburg holte sich die Führung wieder zurück. Dann der psychologisch kritische Punkt im Viertel: Keaton Grant zieht über die Baseline mit Macht zum Korb und stopft gegen Seiferth, der viel zu früh sein viertes persönliches Foul kassiert. Eine herbe Schwächung des Trierer Offensivspiels. Würde die Lage nun wieder zu Gunsten der Gäste kippen? Chikoko beantwortete diese Frage umgehend mit einem rotzfrechen Coast-to-Coast-Korbleger.

Überhaupt brachte der Vierer den Ball erstaunlich oft und attackierte die überrumpelten Ludwigsburger teils direkt aus dem Spielvortrag. Auch Mathis Mönninghoff schien sein Selbstbewusstsein gerade rechtzeitig – lies: unter den kritischen Augen des Bundestrainers – wiedergefunden zu haben: Der 21-Jährige traf den Dreier zur 56:53-Führung für Trier. Am Ende machte der Youngster mit 9 Punkten nach längerer Zeit wieder ein richtig gutes Spiel.

TBB behält die Oberhand im Herzschlagfinale

Im Schlussviertel schlug zunächst die Stunde von Keaton Grant. Der Ludwigsburger Topscorer machte Trier das Leben schwer und konnte mehrmals hintereinander auch mit Fouls nicht gestoppt werden. Einmal mehr ließ man Stockton unbehelligt werfen, was bei dessen Quoten eigentlich eine Straftat darstellt; und zu allem Überluss schien sich auch noch der so wichtige Chikoko verletzt zu haben. Bei 3:22 Minuten Restspielzeit lagen die Gäste plötzlich wieder mit 69:74 vorne.

Schrecksekunde im Schlussviertel: Chikoko wird behandelt, kann aber weiterspielen. Foto: Thewalt

Schrecksekunde im Schlussviertel: Chikoko wird behandelt, kann aber weiterspielen. Foto: Thewalt

Nein, es lag nicht nur am eng verteidigenden Trevon Hughes oder seinem wichtigen Dreier zum 72:74-Anschluss, dass die TBB am Ende gewann. Auch nicht an Jermaine Anderson, der sich bei seinen Drives schmerzfrei in die Zone warf, oder am verbissenen Andi Seiferth, der um jeden Zentimeter kämpfte und den 77:77-Ausgleich herstellte. Will man überhaupt einen Akteur herausheben, müsste es wohl Vitalis Chikoko sein. Denn die wichtigsten seiner 17 Punkte machte der eher wacklige Freiwerfer an der Linie: Seinen Treffer zum 78:77 konnten die Gäste nicht mehr kontern. Zuvor hatte sich der 23-Jährige den überlebenswichtigen Defensivrebound geschnappt.

„Eigentlich spricht heute keine Statistik für uns“, wunderte sich Headcoach Henrik Rödl nach der Partie. „Ich glaube, es liegt einfach daran, dass sich das Team voll reingehängt hat. Dann passieren gute Dinge. Das Glück war auf unserer Seite“, so der vorläufige Erklärungsversuch. Gäste-Coach John Patrick unterstrich: „Sie haben nie aufgegeben und verdient gewonnen“, monierte aber auch, dass der Spielbelag in der Arena gefährlich rutschig gewesen sei. Unterm Strich stürzte die TBB am Freitagabend jedenfalls einen Playoffaspiranten und distanzierte sich weiter deutlich vom Abstiegskampf.

+++++ DBB gibt Länderspielaustragung in Trier bekannt +++++

Schon vor der Partie gaben Bundestrainer Menz, DBB Sportdirektor Peter Radegast und Arena-Geschäftsführer Wolfgang Esser bekannt, dass die Nationalmannschaft am 17. August nach Trier zurückkehren wird. Nach dem Qualifikationsspiel gegen Bulgarien wird das Team in der diesjährigen EM-Qualifikation gegen Luxemburg antreten. Gute Chancen auf eine Teilnahme hat Andi Seiferth, der sich schon jetzt auf die Begegnung freut: „Nationalmannschaftsspiele haben immer ein besonderes Flair“. Für den Center wäre es das erste Länderspiel vor Trierer Publikum. Auch Mathis Mönninghoff zählt zum erweiterten Kader. Wie viele TBB-Profis letztlich auflaufen werden, ließ der Bundestrainer offen: „Derzeit ist der Kader noch riesengroß, weil ich möglichst viele Spieler beobachten will. Wir müssen den Sommer nutzen um uns einzuspielen und Hierarchien zu entwickeln“. Seltenheitswert hat die Partie schon jetzt: Deutschland und Luxemburg trafen zuletzt vor über 50 Jahren aufeinander.

Statistik

TBB Trier: Seiferth (20), Chikoko (17), Anderson (12), Mönninghoff (9), Hughes (8), Samenas (4), Ward (5), Schmidt (3), Petric (0)

MHP RIESEN Ludwigsburg: Grant (22), Harris (16), Stockton (12), Waleskowski (9), McGhee, Flomo (je 4), Karl, Huff (je 3), Tomaszek, Koch (je 2), Stojic (0)

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