67.500 Kilometer auf der Autobahn und eine bequeme Couch

Sie berichten live von Auswärtsspielen und stellen Neuzugänge der TBB Trier in den Wohnzimmern von Fans vor. Ein fünfköpfiges Team betreibt mit viel Hingabe den Livestream. Seit 2007 ist auch Hallensprecher Chris Schmidt bei jedem Spiel dabei.

Live vom Sofa in die Wohnzimmer: Chris Schmidt (rechts) stellt Neuzugang Jone Pedro Lopes vor.

Heiko Kreienkamp ist leicht aufgeregt. Er zieht das heiße Blech mit Gebäck aus dem Ofen, dann stellt er eine Platte mit Spießen aus Käse und Weintrauben auf den Tisch. „Ist genügend Bier kalt gestellt?“, fragt sich der Fan der TBB Trier, öffnet den Kühlschrank und atmet erleichtert auf. Perfektes Timing. An der Tür klingelt es genau in dem Moment. Betreuer „Aggy“ Mock hat die Treppen ins zweite Stockwerk mit Jone Pedro Lopes gemeistert, dem Neuzugang des Basketball-Bundesligisten, der plötzlich mit seinen 2,08 Metern in der Küche von Kreienkamp steht. „Das ist schon geil, wenn die Spieler in meiner Bude sind“, freut sich der Student der Wirtschaftsinformatik, denn seine vier Wände sind an diesem Tag der Ort, an dem der Öffentlichkeit die Verpflichtung des Centers präsentiert wird. Hallensprecher Chris Schmidt und Mitbetreiber David Vilter übertragen in dieser Sommerpause jeden Neuzugang über Audio und Video über die Internetplattform basketball-stream.de, auf der Inhalte zur Bundesliga gebündelt und weiterentwickelt werden sollen.

Es ist eine Menge Arbeit. Um 18.35 Uhr trudelt Schmidt in der Wohnung ein, nachdem er sich durch die Staus von Luxemburg bis nach Trier gekämpft hat. 25 Minuten später soll er auf Sendung gehen. Gemeinsam mit Vilter baut er im Arbeitszimmer von Kreienkamp die Ausrüstung mit der Kamera auf, ein wahrer Kabelsalat flutet den Raum, an dessen Wand eine Ukulele und eine Dartscheibe hängen. „Ein süßer Tisch“, grinst der Moderator dem Gastgeber entgegen, stellt seinen Laptop auf und testet das Mikrofon. Hinter das Sofa hängt er einen TBB-Schal und einen großen Kopf von Maskottchen „Aggy“. Die ungewohnte Darstellung der Neuzugänge, live aus den Wohnzimmern, macht Schmidt Spaß. „Für uns war das eine logischer Schritt, um den Service für die Fans weiter zu steigern“, sagt der 30-Jährige. „Ich glaube, so etwas gibt es im Profisport nirgendwo. Da sind wir Vorreiter.“

Skypen mit Henrik Rödl, Liveschalte nach Slowenien

Ein Meister am Mikro: Auch Henrik Rödl kommt in dem Livestream regelmäßig zu Ort. Auch wenn er Urlaub in North Carolina macht. Foto: Thewalt

Bereits seit fünf Jahren gibt es den Livestream, der zu jedem Auswärtsspiel der TBB kostenlos angeboten wird. Garniert wird die Berichterstattung aus den Basketball-Hallen des Landes regelmäßig mit Interviews, Hintergründen zu den Gegnern, Atmosphäre und Experten als Co-Moderatoren. Die Vorstellung der zukünftigen Verstärkungen der Trierer ist für Schmidt da längst Routine. Als die Show beginnt, stellt er locker Pedro Lopes vor, quatscht mit ihm über dessen Auftritt bei der Streetball-WM unter dem Eiffelturm von Paris, dann lässt er sich via Skype mit Coach Henrik Rödl verbinden, der sich gerade im Urlaub in North Carolina erholt, ehe er anschließend noch zu Co-Trainer Thomas Päch schaltet.

Der schaut sich in Slowenien das Viertelfinale der U20-EM zwischen Deutschland und Spanien an, was auch das Tonverständnis des Livestreams auf die Probe stellt. „Wie schätzt du denn unseren neuen Mann ein?“, fragt Schmidt. „Die deutsche Mannschaft ist tief besetzt, ich weiß nicht, ob sie ins Halbfinale gehört“, antwortet Päch. Gelächter im Wohnzimmer.

Die Fans nehmen das Angebot gerne an. Über 7900 Klicks gab es bei den sechs Streams zu Spielervorstellungen. Und auch ansonsten ist das Projekt längst das lieb gewonnene Baby des fünfköpfigen Teams. Chris Schmidt, David Vilter, Anne Dubberke und Heiko Schmitz mit Ehefrau Kerstin fahren zu jedem Auswärtsspiel der TBB Trier, um den Fans knisternde Live-Atmosphäre aus der Bundesliga zu vermitteln.

Am 14. Oktober 2007 ging das Projekt an den Start, mit einem Auswärtsspiel in Ludwigsburg. „Ein Sieg für die TBB“, erinnert sich Schmidt, der bereits einiges erlebt hat, von einer Pokalpleite in Chemnitz bis hin zum jüngsten Klassenerhalt in Ulm, wo auf den letzten Drücker ein Internetkabel aufgetrieben wurde. „Über 13.500 Kilometer“, erinnert sich Heiko Schmitz, „waren wir alleine in der vergangenen Saison unterwegs auf den Autobahnen“. Hochgerechnet auf fünf Spielzeiten sind das 67.500 Kilometer. „Dabei arbeiten vier Leute bei uns ehrenamtlich“, meint Schmidt und deutet auf die technischen Geräte um ihn herum. „Das Equipment von 10.000 Euro stellen wir aus eigenen Kosten zur Verfügung.“

Der Verein unterstützt das Team nach Kräften, stellt die Spieler für die Besuche in den Wohnzimmern ab, lässt Mikrofone während der Timeout-Pausen zu, Trainer Rödl lässt sich trotz Ferien zuschalten. Schmidt selber gibt das Vertrauen mit Herzblut zurück. Wenn er bei Spielen moderiert, brüllt und jubelt, dann erinnert er oft an TV-Heißsporn Frank Buschmann.

Backen und Putzen für die TBB

Die Fans sind von dem Livestream-Service begeistert. Foto: Thewalt

Bei einem Heimspiel der TBB Trier sorgte er einmal für ein Novum, als er als Hallensprecher ein technisches Foul für die Mannschaft zog. „Zum ausrastenden Chris würden auch ganz gut Videos von den Spielen passen“, lacht Vilter, der zukünftig auch in der Bundesliga von mehr Bildmaterial von TBB-Begegnungen träumt. Das ist der große Wunsch, den das Team hat, Live-Übertragungen via Internet von den Basketballern aus Trier, die auf Sport1 im letzten Jahr nie zu sehen waren. „Doch ob das möglich ist, entscheidet der nächste Fernsehvertrag“, hält Schmidt mit großen Zielen noch hinter dem Berg.

Bei den Fans würde eine solche Möglichkeit wohl Begeisterungsstürme auslösen. „In den Fachforen werden wir über den grünen Klee gelobt“, freut sich der Moderator. Gastgeber Kreienkamp, der seit zweieinhalb Jahren auch einen Internetblog zur TBB Trier schreibt, ist jedenfalls schon angetan von der Show in seinem Wohnzimmer. „Da habt ihr echt nochmal eins drauf gesetzt“, lobt er die Macher. Die Aufräumarbeiten in seiner Bude, das Backen und die sorgfältige Zubereitung der vielen Spieße zum Naschen, all das war da nur halb so wild. Er lacht. „So konnte ich hier wenigstens mal klar Schiff machen.“

+++++TBB in Kürze+++++

Sponsoren und Verstärkung gesucht – Das Livestream-Team der TBB sucht für die neue Saison noch Verstärkung für die Auswärtsspiele. Auch Sponsoren werden gesucht, die das Angebot mit den Übertragungen aus der Basketball-Bundesliga weiter unterstützen. „Es ist unser Wunsch, dass für die Fans alles kostenfrei bleibt“, betont Schmidt. Interessenten können eine E-Mail an die Adresse vertrieb@basketball-stream.de schreiben.

Nächste Verstärkung am 27. Juli – Auch am Freitag, 27. Juli, stellt der Livestream wieder einen Neuzugang für die TBB Trier vor. Um 19 Uhr startet die Sendung. Hier geht es zum Stream.

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