Dicht an der Sensation vorbei – 80:88 gegen Alba Berlin

Von Florian Schlecht

Sie boten einen riesigen Kampf, waren schon auf der Siegerstraße und standen am Ende mit leeren Händen da: Die TBB Trier unterlag Alba Berlin in einem hitzigen Spiel in der Verlängerung.

Andreas Seiferth war bitter enttäuscht nach der Niederlage. Foto: Sebastian Schwarz

Es wäre beinahe das Sahnehäubchen eines grandiosen Saisonstarts, es war in jedem Fall aber eine Bestätigung für eine ganz spannende Mannschaft, die da an der Mosel heranwächst. Die TBB Trier stand dicht davor, erstmals seit 2004 wieder ein Spiel gegen Alba Berlin zu gewinnen, am Ende war die 80:88-Niederlage in der Verlängerung vor 5914 Zuschauern in der ausverkauften Arena umso bitterer. Mit zehn Punkten hatte Trier im letzten Viertel schon geführt, Gästetrainer Sasa Obradovic war da schon wegen Meckerns von der Bank verwiesen. Aber einfache Fehler und coole Berliner machten der Sensation einen Strich durch die Rechnung. „Alba hat im Stile einer Klasse-Mannschaft in der Verlängerung verdient gewonnen“, meinte Trainer Henrik Rödl. „Davor hatten wir das Spiel im Griff. Wir haben eine extrem engagierte Leistung gezeigt.“ Die Fans munterten ihre enttäuschten Helden auf. „Wir sind stolz auf unser Team“, sangen sie.

Die TBB Trier ging mit dem Selbstvertrauen von vier Siegen aus fünf Spielen in das Spiel gegen den großen Favoriten aus der Hauptstadt. Die Fans honorierten den Saisonstart, indem sie die Halle unmittelbar nach dem Einlaufen der Mannschaften mit Papiertafeln in ein grün-weißes Meer färbten. 5914 Zuschauer sorgten für ein volles Haus und eine außergewöhnliche Atmosphäre. Bereits eine Stunde vor Beginn des Spitzenspiels bildeten sich lange Staus auf den Straßen. Alba Berlin reiste dagegen nur zwei Tage nach der 62:67-Europapokalpleite in Spanien mit reichlich Druck an die Mosel. Die vergangenen beiden Bundesligaspiele in Ludwigsburg und daheim gegen Ulm gingen bereits verloren, zu wenig für die Ansprüche des einstigen Serienmeisters. „In Malaga kann ich keinen Sieg von meiner Mannschaft einfordern, in Trier aber sehr wohl“, sagte Trainer Sasa Obradovic.

Obradovic wie Rumpelstilzchen

5914 Zuschauer besuchten das Spitzenspiel in der Arena. Foto: Sebastian Schwarz

Doch die neue Stärke der TBB spürte auch Alba von Beginn an, als Nate Linhart nach wenigen Sekunden erfolgreich einen Wurf ins Aus abblockte. „Not in my house“, drückte der eindringliche Blick des US-Amerikaners aus, der mit der rustikalen Aktion ein erstes Zeichen setzte. Und die bissige Linie zog sich durch den weiteren Abend. Früh führte das Heimteam 7:3, dank Brian Harper, der wie in der Vorwoche gegen die Eisbären Bremerhaven einen glänzenden Tag erwischte und am Ende auf 21 Punkte kam. Zwar reagierte Berlin schnell, war vor allem über den flinken DaShaun Wood gefährlich und lag mit 8:9 vorne. Aber dann bewies sich erneut die starke Bank der TBB um Jermaine Bucknor und Joshiku Saibou, die sich schnell mit Punkten einfügten. Bis zur Viertelpause glichen die Gäste auf 19:19 aus, auf mehr als drei Zähler zogen sie im weiteren Verlauf aber nicht davon, weil die Trierer Moral nie brach.

Harper gelang mit einem Dreier zum 35:33 wieder die Antwort kurz vor der Halbzeit, ehe ein Wendepunkt des Spiels folgte, den es auch selten zu sehen gibt. Als Jared Howell den Nationalspieler Heiko Schaffartzik umrannte und der sich am Boden wälzte, kochten die Emotionen über. Obradovic sprang wie Rumpelstilzchen auf das Parkett, wedelte mit dem Daumen, schimpfte. Für den Alba-Coach bedeutete das ein technisches Foul, ebenso für die Bank und auf dem Weg in die Kabinen noch für den meckernden Mithat Demirel. Der Sportdirektor und Obradovic durften danach nicht mehr auf ihren Platz zurückkehren und mussten das Spiel von der Seite aus anschauen.

Trier führt 63:53 – dann dreht Berlin auf

Die Hektik spielte eher Trier in die Karten, das nun gegen konfuse Albatrosse aufdrehte, bei jedem Rebound unter dem Korb um weitere Zentimeter zu wachsen schien und sich bei Wurfversuchen treffsicher präsentierte. Als Barry Stewart zum 47:39 traf, ging erstmals die Welle durch die Arena. Weiterhin war das Spitzenspiel aber ein Wechselbad der Gefühle, ein Duell auf Messers Schneide. Alba kam durch Schaffartzik noch auf 51:50 heran, ehe Howell eiskalt zum 56:50 vorlegte. Stewart schraubte die Trierer Führung bis auf zehn Punkte hoch, die Spieler lagen sich da schon glücklich in den Armen. Zu früh. Denn Alba steckte jedoch nicht auf, zeigte seine Klasse, kam von 63:53 wieder auf 63:60 heran. In der letzten Minute war es dann ein Nervenspiel an der Freiwurflinie. Seiferth behielt die Ruhe, traf 36,5 Sekunden vor dem Ende zum 70:66. Stewart erhöhte kurz darauf auf 71:66. Ein unnötiger Ballverlust von Howell, der beim Einwurf die Fünf-Sekunden-Uhr verschlief, und zwei Fehlversuche von Bastian Doreth brachten den wankenden Riesen aus Berlin aber wieder zurück ins Spiel. Deon Thompson glich aus, Mathis Mönninghoff vergab im Gegenzug mit der Schlusssirene den möglichen Sieg.

Den Elan der Aufholjagd nahm Alba mit in die Verlängerung, in der Wood und Thompson schnell auf 72:76 erhöhten. Die TBB war nun hektisch bei Freiwürfen, auch ein Doreth-Dreier beruhigte die Lage nicht mehr. Es fehlten nur Kleinigkeiten zum großen Coup.

Punkte für die TBB: Harper (21), Stewart (13), Seiferth (12), Bucknor (8), Linhart (6), Howell, Chikoko (je 5), Doreth (4), Saibou, Mönninghoff (je 3).

Punkte für Alba: Thompson (18), Wood (16), Djedovic (13), Morley (12), Schaffartzik (10), Idbihi (9), Miralles (6), Avdalovic (4).

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