Doch kein Scheinriese – TBB unterliegt in Ludwigsburg

von Stephen Weber

Am 12. Spieltag der Beko-BBL trennten sich die Neckar Riesen Ludwigsburg und die TBB Trier mit 71:60 (33:29). Es war trotz eines starken Intermezzos im vierten Viertel der schwächste Auftritt der Moselstädter in der laufenden Saison. Der Ludwigsburger Ivan Elliot war an diesem Abend der überragende Akteur auf dem Parkett.

Der Energizer - TBB-Profi Nate Linhart im Porträt. Foto: Thewalt

War einer der besten Trierer an diesem Abend: Nate Linhart (Archiv-Foto: Thewalt)

„Energy“, lautete die knappe Antwort von Nate Linhart im TBB-Stream auf die Frage, was ihm und seinen Mitspielern an Samstagabend zum Sieg gefehlt hat. Denn die TBB präsentierte sich in Ludwigsburg ungewohnt kraftlos, mit zahnloser Bissigkeit und ließ in vielen Situationen jene Kaltschnäuzigkeit vermissen, die sie in den vergangenen Wochen so stark machte. „Da war heute in zu vielen Momenten zu wenig Intensität, was in so einem Spiel gegen so einen Gegner nicht akzeptabel ist“, übte sich Linhart im Interview im Livestream weiter in Selbstkritik.

Beide Vereine starteten mit zittrigen Beinen in die Partie. Die Ludwigsburger hatten bis zum Sprungball ihre zurückliegenden fünf Begegnungen allesamt verloren und standen dementsprechend vor heimischer Kulisse unter Erfolgsdruck. Aber auch Trier zeigte einige undichte Stellen im Nervenkostüm und ließ viele Chancen im Angriffsspiel liegen. So vergab etwa Barry Stewart im ersten Viertel drei unbedrängte Dreipunktewürfe. Ganz anders verlief derweil die Formkurve des Ludwigsburgers Ivan Elliot, der im ersten Viertel durch viele gelungene Aktionen den Unterschied ausmachte. Mit einer knappen 15:12-Führung der Gastgeber verabschiedeten sich beide Mannschaften nach zehn Minuten zur ersten Lage-Sondierung an die Seitenlinie.

Fragwürdige Schiedsrichterpfiffe

Aber auch nach der kurzen Verschnaufpause agierte Trier im Angriff zu hektisch und unbedacht – eine Tatsache, die ihren Trainer Henrik Rödl an der Seitenlinie des Häufigeren in Rage brachte. Ludwigsburg hingegen legte die Verunsicherung der vergangenen Wochen zusehends ab, fokussierte sich auf das Spiel und baute dadurch den Vorsprung peu á peu aus. So stand es vier Minuten nach Viertelbeginn zum Bedauern der mitgereisten Fans 14:23 aus Sicht der TBB. Lediglich Defensivspezialist Nate Linhart stemmte sich gegen die drohende Niederlage und war an fast allen nennenswerten Offensiv- als auch Defensivaktionen beteiligt. Ein besonders Schmankerl lieferte allerdings Andreas Seiferth, als er kurz der Halbzeitsirene Barry Stewart mit einem No-Look-Pass bediente, der anschließend einen Drei-Punkte-Wurf treffsicher in die Maschen verwandelte. Solchen mitreißenden Aktionen war es schlussendlich zu verdanken, dass es nur mit einem 29:33-Rückstand für Trier in die Katakomben ging. Die hiesige Trainerlegende Wolfgang Esser meinte im TBB-Livestream zu der Leistung seiner Farben: „Wir haben definitiv zu viele Würfe vergeben und nur halbherzig Druck aufgebaut. Die Defensive ist zwar gut, aber offensiv hätte da einfach mehr kommen müssen.“

TBB-Trainer Henrik Rödl. Foto: Sebastian Schwarz

Im Mittelpunkt des dritten Viertels standen dann die drei Schiedsrichter, die durch fragwürdige Entscheidungen immer wieder den Unmut von Henrik Rödl auf sich zogen. Selten wurde das beherzte Defensivspiel der Schwaben gegen die Trierer Angriffsformation geahndet, die dadurch erhebliche Probleme hatten, ihr Set-Play vernünftig durchzuspielen. Auf der anderen Seite erhielt die TBB viele kleinliche Pfiffe, so dass die Ludwigsburger zu einfachen Punkten eingeladen wurden. Einzig der inzwischen treffsichere Stewart hielt das Trierer Herz weiter am pumpen. Aber immer wieder setzte Ludwigsburg zur richtigen Zeit einen Dreier in den Ring der Moselstädter und demoralisierte auf diese Weise jegliche Aufbäumversuche. Mit einem 42:53-Zwischenergebnis beendete die TBB das dritte Viertel und ordnete sich für den finalen Kraftakt.

Das Wunder blieb aus

Es hätte alles so schön werden können. Das vierte Viertel begann und Trier zeigte plötzlich all das, was sie in den 30 Minuten zuvor vermissen ließen. Der kurzzeitige Rausch brachte sie fünf Minuten vor Spielende bis auf vier Punkte an die Hausherren heran (52:56). Doch es sollte nur ein kurzzeitiges Gastspiel in der Schlagdistanz bleiben, denn die Neckar-Riesen waren an diesem Abend einfach die bessere Mannschaft. Auch wegen Ivan Elliot, dem überragenden Akteur in ihren Reihen, der durch zwei schnelle Dreier hintereinander jegliche Hoffnungen auf einen Auswärtserfolg der Trierer zunichte machte. So hieß es nach der Schlusssirene 60:71 aus der Sicht der TBB, die nach drei erfolgreichen Partien mal wieder spürte, wie sich so eine Niederlage eigentlich anfühlt.

Nun wartet am kommenden Sonntag vor heimischem Publikum mit Bayreuth die nächste schaffbare Aufgabe auf die Mannschaft von Henrik Rödl. Eine Herausforderung, auf die Nate Linhart bereits einen Blick geworfen hat: „Wir haben jetzt wieder etwas gutzumachen. Bayreuth ist schlagbar und trotzdem werden wir gegen sie anders auftreten müssen als heute.“

Statistik

Punkte für Ludwigsburg: Elliott (19), Taylor (15), Jackson (9), Weaver (7), Staiger (6), Koch (6), Turek (5), Bernard (3), Weber (1)

Punkte für Trier: Stewart (17), Linhart (11), Seiferth (8), Harper (8), Chikoko (6), Howell (5), Mönninghoff (3), Bucknor (2)

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