Ein blaues Weihnachtswunder bei der 58:73-Pleite in Ulm

Von Florian Schlecht

Chancenlos in die dritte Niederlage in Folge: Der TBB Trier wurde in Ulm eine Lehrstunde erteilt. Mit 47:21 führte das klar überlegene Heimteam bereits zur Pause. Am Samstag erwartet das Rödl-Team nun den Mitteldeutschen BC (20 Uhr).

Chancenlos in Ulm: Die TBB Trier kassierte die dritte Niederlage in Folge. Foto: Thewalt

Die Ulmer Spieler sangen ihrem Publikum ein Weihnachtslied, die Trierer Akteure schlichen enttäuscht in die Kabine. Mit großen Erwartungen war die TBB zum Fest ins Schwabenland gereist und wollte beweisen, mit den besten Teams mehr als nur mithalten zu können. Doch aus dem erhofften Basketball-Wunder wurde ein blaues Wunder in der Basketball-Bundesliga. Der Überraschungsmannschaft der Saison wurde bei der 58:73-Niederlage eine regelrechte Lehrstunde vom deutschen Vizemeister erteilt. Mit 21:47 lag das Team von Henrik Rödl bereits zur Halbzeit vor 6.000 Zuschauern in Rückstand. Der Trainer fand ehrliche Worte: „Das war eine der schlechtesten Leistungen, die wir bisher abgeliefert haben, vor allem in der ersten Halbzeit war das alles andere als gut.“

Der Start war frech, danach holperte der TBB-Motor und fiel phasenweise komplett aus. Machte die Mannschaft zu Beginn gleich Druck und führte auch dank eines glänzenden Jarrett Howell mit 10:7, erhöhte Ulm danach das Tempo und die Konzentration in der Verteidigung. Allan Ray brachte das Spitzenteam beim 11:10 erstmals in Front. Die Führung schenkte das Heimteam nicht mehr her. Zu gierig war es, sich am zweiten Weihnachtstag noch ein verspätetes Geschenk in Form eines Sieges zu machen.

Der TBB wurden dagegen die Grenzen aufgezeigt. Wie in der ersten Halbzeit gegen die Artland Dragons wirkte die Mannschaft nach dem ersten Rückschlag des Spiels konsterniert, fand nicht mehr zu ihrer unbekümmerten und frischen Spielweise zurück. In den Rebounds verloren sie mit 30:51. Der Zug zum Korb fehlte komplett. Ein Indiz dafür: Erst im zweiten Viertel verbuchte Trier die ersten Freiwürfe. War das Team dann mal in der Zone, demonstrierte Ulm, wer der Herr im Haus ist. Gleich vier Blocks gelangen dem aufdrehenden Heimteam im ersten Durchgang. Trier erwischte hingegen auch den Distanzwürfen einen rabenschwarzen Tag, kam bei den Dreiern nur auf eine magere Erfolgsquote von 22 Prozent. Erst der zehnte Versuche rauschte rein – Howell traf zum 30:15.

„Wir müssen unser Selbstvertrauen wieder finden“

In Ulm blieben Bastian Doreth und die TBB glücklos. Foto: Thewalt

Der Aufbauspieler war einer der wenigen TBB-Profis, der keinen gebrauchten Tag erwischte. Mit 16 Punkten war der US-Amerikaner am Ende der beste Werfer des Spiels. Doch die Gegenwehr war vergeblich. Bis dahin lief Ulm schon auf Hochtouren mit einem zwischenzeitlichen 23:2-Lauf, der bis zur Pause kontinuierlich ausgebaut wurde. Ausschlaggebend dafür war ein starkes Kollektiv, das auch den unauffälligen Auftritt von Nationalspieler Per Günther auffangen konnte. Keine Blöße gab sich dagegen Star-Center John Bryant, der mit 14 Zählern und neun Rebounds am Ende wieder mal die Effektivität in Person war.

Die TBB kam aber nicht demoralisiert aus der Kabine, sondern betrieb Schadensbegrenzung. Barry Stewart antwortete gleich mit zwei Dreiern, nachdem er bis dahin wirkungslos geblieben war – auch, weil er früh drei Fouls auf dem Konto hatte. Zwar gewannen die Trierer die letzten beiden Viertel mit 17:16 und 20:10, mehr als Ergebniskosmetik war das aber nicht. Der Sieg der Ulmer, das in der Schlussphase noch rotierte und mit Till-Joscha Jönke einen Jugendspieler einwechselte, war zu keinem Zeitpunkt mehr gefährdet. Dennoch sagte Rödl: „Diese zweite Halbzeit muss jetzt unser Ansatz für den Rest der Woche sein. Wir müssen unseren Rhythmus und unser Selbstvertrauen wieder finden. Man merkt, dass die Mannschaft durch die vielen Spiele in der letzten Zeit physisch angegriffen ist.“

Dazu gestand der Coach, dass die drei Niederlagen in Folge nun am Selbstvertrauen gekratzt haben. Die Chance, um den Negativlauf zu stoppen, hat seine Mannschaft aber noch vor dem Jahreswechsel. Am Samstag, den 29. Januar (20 Uhr) erwartet Trier den Mitteldeutschen BC in der Arena. Dort sei wieder ein Sieg fällig, fand Howell im Livestream-Interview mit basketball-stream.de. Rödl stimmte da zu: „Das Spiel wird sehr wichtig für uns.“

Statistik

Punkte für Trier: Howell (16), Linhart (11), Stewart (8), Harper (7), Doreth, Mönninghoff (je 5), Seiferth, Chikoko, Bucknor (je 2).

Punkte für Ulm: Bryant (14), Ray (12), Theis, Watts (je 10), Nankivil (8), Betz, Günther (je 5), Esterkamp, Jeter, Schwethelm (je 3).

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