Ein Verantwortungsträger mit großen Schritten

Von Florian Schlecht

Andreas Seiferth genießt in Trier das Vertrauen von Henrik Rödl. Das zahlt der ruhige 2,09-Meter-Schrank  mit Leistung zurück. Am Sonntag empfängt er mit dem Basketball-Bundesligisten die Fraport Skyliners (17 Uhr).

Andreas Seiferth entwickelt sich langsam zum Leistungsträger in Trier. Foto: Sebastian Schwarz

Henrik Rödl konnte sich im Sommer getrost so vorkommen wie die Hauptfigur im Hollywood-Streifen „Und täglich grüßt das Murmeltier“, in dem sich ein Tag in einer Zeitspule ständig wiederholt. Wie im vergangenen Jahr entschied sich der Trainer der TBB Trier im Juli dafür, auf der Center-Position erneut auf die Jugend zu setzen und auf geballte Erfahrung zu verzichten. Natürlich gab es zweifelnde Fragen, ob sich der Mut des Europameisters von 1993 ähnlich auszeichnen würde wie in der abgelaufenen Saison, als Maik Zirbes sich zum Riesen unter den Körben aufschwang und nach starken Leistungen als bester Nachwuchsspieler der Basketball-Bundesliga zu Meister Bamberg wechselte. „Andreas Seiferth“, wusste Rödl noch wenige Tage vor dem Länderspiel der Nationalmannschaft in Trier im September, „muss in große Fußstapfen treten“. Doch der Coach setzte auch ein Lächeln auf bei den Worten. „Er kann große Schritte machen. Das hat er bewiesen.“

Nach den ersten beiden Bundesligaspielen kann sich Rödl in seiner Wahl bereits bestätigt fühlen. Denn Andreas Seiferth hat sich innerhalb kürzester Zeit freigeschwommen, seinen Aufwärtstrend als Stellvertreter von Zirbes aus den letzten Monaten bestätigt und einen großen Schritt zum Leistungsträger gemacht. Beim Auftaktsieg in Tübingen (77:66) landete der 2,09-Meter-Schrank elf Punkte und acht Rebounds, bei der bitteren Heimpleite gegen Braunschweig (70:72) ließ er 17 Zähler folgen. Ein Einstand nach Maß. Auch im Heimspiel gegen die Fraport Skyliners am Sonntag (17 Uhr) genießt Seiferth die Unterstützung. „Ich bin froh, dass es so gut läuft, bekomme aber auch das Vertrauen des Trainers, der mich in schwächeren Phasen nicht sofort auf die Bank setzt“, meint der ruhige Center, den mit 13 Jahren das Basketball-Fieber packte, als ihn sein Vater zum Probetraining beim BBC Berlin überreden konnte.

„Einige Leute kannte ich nur aus dem Fernsehen“

In der Defensive ist Seiferth schwer zu überwinden. Foto: Sebastian Schwarz

Der 23-Jährige fährt bislang gut damit, sich nicht unnötig unter Druck zu setzen. „Ich mache mir keine Vorgaben, ob ich 19 oder 20 Punkte pro Spiel machen möchte. In erster Linie will ich gut in der Defense spielen und Rebounds holen. Alles Weitere ergibt sich dann.“ Der Aufschwung von Seiferth ist auch mit einem aufregenden Sommer zu erklären. Als er im Lehrgang bei der A2-Nationalmannschaft in Kiebaum weilte, kam ein überraschender Anruf von Svetislav Pesic, der ihn in seinen neuformierten Elitekader beförderte. „Das hat mich stolz gemacht“, ließ er den geplanten Urlaub gerne platzen.

Im A-Team spielte Seiferth sich in den erweiterten Kader für die Europameisterschaft 2013, feierte gegen Österreich sein Debüt, trainierte mit Stars wie Jan-Henrik Jagla und Heiko Schaffartzik. Die Wochen haben ihn geprägt. „Der Wettbewerb mit den anderen Spielern hat mich weitergebracht, viele von den Leuten kannte ich ja nur aus dem Fernsehen. Und der Bundestrainer bringt viel Erfahrung ein, achtet auf die kleinen Dinge.“ Pesic hat Seiferth weiter im Blickfeld. „Er hat mir mitgeteilt, woran ich noch arbeiten muss und dass er mich weiter auf dem Zettel hat.“ Das Versprechen motiviert ihn.

Der Ehrgeiz des Centers, der mit seiner Athletik auch auf den Flügel ausweichen kann, wurde durch die Worte weiter entfacht. „Auf die verantwortungsvollere Rolle in Trier habe ich ein Jahr hingearbeitet“, nimmt er die neuen Aufgaben gerne an. Mit dem Saisonauftakt ist er zufrieden, auch wenn ihn die Niederlage gegen Braunschweig verärgerte. Vom neuen Gesicht der TBB ist Seiferth, der an der Fern-Uni Hagen BWL studiert („Die Motivation dafür ist nicht immer leicht“), aber überzeugt. „Ich bin mir sicher, dass wir noch einige überraschen werden.“ Vielleicht schon die Fraport Skyliners am Sonntag…

+++TBB vor dem Heimspiel gegen die Skyliners+++

Rödl will ersten Heimsieg – Am Sonntag (17 Uhr) erwartet die TBB Trier die Fraport Skyliners in der Arena. Trainer Henrik Rödl wünscht sich den ersten Heimsieg der Saison. „Wir hatten viel Zeit zur Analyse und haben an vielen Problemen aus dem Braunschweig-Spiel gearbeitet. Ich bin sicher, dass wir am Sonntag gerade in diesen Situationen besser sein werden.”

Sparkurs in Frankfurt – Die Börse, die Europäische Zentralbank, Unternehmen von Welt: Frankfurt ist ein führender Standort in Sachen Wirtschaft. Beim Basketball-Bundesligisten der Fraport Skyliners kommt davon aber nur wenig an. Die Hessen müssen seit dem Wechsel des Hauptsponsors sparen. Von dem Team, das im Vorjahr nur haarscharf die Playoffs verpasste, ist fast nichts mehr übrig. Erst ganz knapp vor Saisonbeginn konnte Frankfurt einen kompletten Kader vermelden. Der Star ist Zachery Peacock, der seine Mannschaft bei der jüngsten Heimniederlage gegen den Mitteldeutschen BC mit 24 Punkten lange im Rennen hielt.

Spiel gegen Alba Berlin vorverlegt – Das Heimspiel der TBB Trier gegen ALBA Berlin wurde auf Samstag, den 3. November (20 Uhr), vorverlegt. Bereits gekaufte Karten behalten laut Mitteilung der TBB ihre Gültigkeit oder werden an der Vorverkaufsstelle rückerstattet, an der sie gekauft wurden.

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Kommentare (1)

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  1. Gut aufgepasst sagt:

    Heiko Schaffartzik nicht Holger 🙂

    Anmerkung der Redaktion: Das stimmt natürlich! Vielen Dank für den Hinweis, der Fehler wurde korrigiert. (fs)

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