Erfüllt sich in Ulm der Traum vom „Final Four“?

Von Florian Schlecht

Alles oder nichts. Im Viertelfinale des Basketball-Pokals kämpft die TBB Trier in Ulm um eine Sensation – und den Einzug in die Finalrunde (Mittwoch, 19.30 Uhr). Aus der jüngsten Niederlage in der Bundesliga haben die Trierer ihre Lehren gezogen. „Wir müssen das Spiel knapp halten“, fordert Center Andreas Seiferth.

Ein Einzug ins „Final Four“ wäre einen Tanz wert. Gelingt der TBB die Sensation? Foto: Thewalt

Erst am Sonntag lief das erste TV-Spiel der TBB Trier seit 827 Tagen im Fernsehen. Was die 100.000 Zuschauer vor der Flimmerkiste auf Sport1 sahen, war eine Aufholjagd der allersten Güteklasse. Mit bis zu 20 Punkten lag die TBB gegen Vizemeister Ulm zwischenzeitlich im Hintertreffen. Dann brachte sie das Polster zum Schrumpfen. Zu mehr als der 82:86-Niederlage reicht es zwar nicht mehr. Aber der Rausch in der Schlussphase kann mit Verzögerung noch ganz wichtig werden. Denn schon am Mittwoch kämpft die TBB beim Wiedersehen in Ulm (19.30 Uhr) um ihr nächstes Fernsehspiel. Im Viertelfinale des Basketball-Pokals muss eine Sensation im Schwabenland her, damit sich das Team von Henrik Rödl für das „Final Four“ in Berlin am 23./24. März qualifiziert.

Alleine die Aussicht, seit 2004 erstmals bei diesem sportlichen Event teilnehmen zu können, schärft die Motivation. „Es wäre was Besonderes, dabei zu sein“, sagte Andreas Seiferth am Abend aus dem Mannschaftshotel in Ehingen. 23 Kilometer von den Stadtmauern Ulms war der TBB-Tross schon einen Tag vor dem „Alles-oder-nichts-Spiel“ einquartiert. Eine Überraschung, keine Frage, die ist nötig – die beiden Ligaspiele gegen den Europapokal-Teilnehmer gingen verloren. „Das dritte Spiel müssen wir schon aus persönlichen Gründen gewinnen“, scherzt der Center, auf den mit 2,11-Meter-Giganten John Bryant erneut ein hartes Kräftemessen unter dem Korb wartet. „Es ist nicht der leichteste Weg, es in Ulm zu schaffen. Aber am Sonntag wäre sogar ein Sieg möglich gewesen, wenn wir nicht ein paar Bälle verloren hätten.“ Die Lehren und den späten Schwung nimmt Trier mit ins Schwabenland.

Olympiasieger Richard Schmidt (Mitte) zog die Lose für das Viertelfinale.

„Vielleicht wird Ulm nervös“

Darauf hofft auch Chris Schmidt, der gesundheitlich angeschlagen nach Ulm fahren will. Ab 19 Uhr moderiert er mit Unterstützung am Mikrofon den Livestream vom Pokalkracher. Tee und homöopathische Kügelchen sollen obendrein dabei helfen, dass die krächzende Stimme hält. „Ich würde es mir nie verzeihen, wenn wir die große Überraschung schaffen, und ich wäre nicht dabei“, lacht der Hallensprecher, der ebenfalls mit einer harten Aufgabe rechnet. „Ulm ist ganz klar der Favorit. Aber vielleicht hilft der letzte Eindruck von der Aufholjagd, dass die Jungs mit Selbstvertrauen ins Spiel gehen.“ Wobei der deutsche Vizemeister daheim eine echte Macht ist. Zwar setzte es in der Liga bereits drei Heimniederlagen (Ludwigsburg, Bonn, Bamberg), was zeigt, dass Ulm nicht unbezwingbar ist.  Doch im Europapokal erlebte Galatasary Istanbul hier vor einer Woche ein blaues 70:91-Wunder.

Mit 6.000 Zuschauern wird die Halle in Ulm wie nahezu immer restlos ausverkauft sein. Die Rückkehr von Nationalspieler Per Günther (Sprunggelenkverletzung) ist fraglich, angesichts der Bedeutung des Spiels aber wahrscheinlich. Der Respekt vor Trier ist jedoch gewachsen, wie Coach Thorsten Leibenath betont. Das Ganzfeld- und Dreiviertelpressing der TBB schmeckte seinen Jungs nicht. „Wir müssen uns und den Ball besser bewegen. Dazu müssen wir sowohl mental als auch physisch frisch sein. Und: Wir müssen eine hohe Handlungsschnelligkeit an den Tag legen – also als Team schnelle und eindeutige Lösungen finden“, fordert er auf der Ulmer Homepage.

Auf Trierer Seite sieht Seiferth ebenfalls Ansätze zur Verbesserung. „Wir müssen das Spiel knapp halten, dürfen uns nicht auf 15, 20 Punkte zurückwerfen lassen“, will die TBB möglichst lange ihre Chance wahren. Und dann nach den Sternen greifen. „Vielleicht wird Ulm ja nervös, wenn sie kurz vor Schluss nur knapp führen oder zurückliegen.“ Wenn dazu alle Spieler ihre beste Form erwischen und eigene freie Würfe besser treffen, ist vielleicht die große Sensation möglich. Denn ein „Final Four“ ist immer ein Erlebnis. Davon wird auch Henrik Rödl dem Team berichten können, der den Pokal viermal als Spieler und einmal als Trainer von Alba Berlin gewann. Mit der ein oder anderen Anekdote aus der eigenen Zeit kann der Coach sein Team sicher noch kurz vor dem Spiel einheizen. Um sich den Traum von der Reise in die Hauptstadt zu erfüllen.

+++TBB in Kürze+++

Livestream aus Ulm – Das Pokalspiel aus Ulm überträgt basketball-stream.de ab 19 Uhr. Zu dem Livestream kommt ihr auch über den Button auf der rechten Seitenleiste von 5vier.de.

100.000 Zuschauer sahen TV-Spiel – Das Spiel gegen Ulm am Sonntag sahen im Schnitt 100.000 Zuschauer vor dem Fernseher. „Das ist leicht unter unseren Erwartungen“, sagt Sport1-Sprecher Michael Röhrig. Im Durchschnitt hat der Privatsender ansonsten 130.000 Zuschauer bei den Basketball-Bundesligaspielen. Als Konkurrenz zur TBB lief unter anderem Wintersport, aber auch das Fußball-Spitzenspiel zwischen Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund.

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