Heimkehrer, Spaßpotenzial und Charmeure

Von Florian Schlecht

Am Samstag stellte Basketball-Bundesligist TBB Trier das neue Team der Öffentlichkeit vor. An der Porta Nigra gab es Autogramme, Dunks mit den Stars – und Träume von einer Rolle als Überraschungsmannschaft.

TBB Trier, Mannschaftsvorstellung

Eine Mannschaft mit Spaßpotenzial: Die TBB Trier geht mit Jugend und Elan in die neue Saison.

Jared Howell hob ein Kind vor der Porta Nigra so weit nach oben, dass es an den aufgebauten Körben vor dem Denkmal im Stile eines NBA-Stars zum Dunk ansetzen konnte. Henrik Rödl saß derweil mit Spielern aus seinem Kader auf einer Holzbank, eine Schirmmütze tief im Gesicht, Sonnenbrille auf der Nase und einen Riesenstapel Autogrammkarten vor ihm auf dem Tisch. „Warm ist es heute“, lachte der Trainer von Basketball-Bundesligist TBB Trier und erfüllte geduldig die Wünsche der Fans, die ihm T-Shirts und Schals zur Unterschrift entgegenstreckten. Auf dem Tisch standen eingepackte Sandwiches und Schokomilch, im Hintergrund blitzten die Kameras und klickten die Handys im Minutentakt. Die Vorstellung der neuen Mannschaft geriet am Samstag zu einem echten Event in der Innenstadt.

Und wenn das Wetter als Omen dienen kann, steht der TBB eine sonnige Saison bevor. „Das wäre schön“, lachte Sascha Beitzel aus dem Vorstand, der sich extra auf das Fahrrad geschwungen hatte, um die 30 Kilometer vom Salmtal in die City zu radeln. Die Gesichter des Teams haben sich verändert. Leistungsträger wie Maik Zirbes, Philip Zwiener und Dru Joyce gingen – dafür kamen neue Hoffnungsträger wie Mathis Mönninghoff, Vitalis Chikoko und Bastian Doreth, der noch bei der Nationalmannschaft weilt.

„Jetzt noch guter Basketball, dann ist die Welt in Ordnung“

TBB Trier, Mannschaftsvorstellung

In der Innenstadt erfüllten die TBB-Stars um Trainer Henrik Rödl einige Autogrammwünsche.

„Das sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, meinte Beitzel. „Erstens zeigt die Entwicklung ja, dass das Team um Henrik Rödl funktioniert und Spieler sich bei uns in Ruhe entwickeln können. Wenn andere Vereine die Jungs mit viel Geld wegkaufen, ist das natürlich unser Pech.“ Denkt er aber an die umgekrempelte Mannschaft, verfliegt die Wehmut in Windeseile. „Ich habe fast alle Spieler bei mir zum Essen eingeladen und habe zum Henrik gesagt: Wenn die jetzt noch guten Basketball spielen, ist die Welt in Ordnung.“ Das Beuteschema der TBB lag auf der Hand, um weiter mit Geschlossenheit und Herz glänzen zu können: „Wir gucken uns die Neuzugänge nicht nach der Statistik aus, sondern legen Wert auf den persönlichen Kontakt und ihre Bodenständigkeit.“

So erwartet Beitzel ein Team „mit Spaß-Potenzial“, wenn die Bundesliga wieder ihre Pforten öffnet. „Wir sind schlanker, schneller und größer als im letzten Jahr. Natürlich müssen wir damit rechnen, dass einige junge Spieler am Anfang etwas Lehrgeld zahlen.“ So wie in der Vergangenheit, wenn die Zeichen auf Neuanfang standen. Dafür hat die TBB mit dem neuen Spielmacher Jared Howell und dem gestandenen Kapitän Dragan Dojcin jedoch Kräfte in der Mannschaft, die für Sicherheit sorgen sollen. Nicht zu vergessen Nate Linhart, der als Balleroberer mit Heimkehrer Barry Stewart auch für einen aggressiven Stil steht. „Macht er dir den Titel als Steal-König der Liga streitig?“, fragte Moderator Chris Schmidt auf der Bühne. Linhart grinste frech. „Barry ist ein guter Defensivspieler. Aber ich bin auch okay“, sagte der US-Amerikaner, der nach den ersten Testspielen gegen Verviers Pepinster (96:77) und Oostende (74:83) der bisherige Top-Scorer der Vorbereitung ist.

„Wir können die Überraschungsmannschaft werden“

TBB Trier, Mannschaftsvorstellung

„Ich bin auch okay.“ Nate Linhart (links) im Gespräch mit Chris Schmidt.

Den meisten Jubel gab es, als Stewart zum Interview kam. „Ich will einer der Führungsspieler sein“, bekannte er nach seiner Rückkehr aus Gießen ehrgeizig. Auch Aufbauspieler Howell hat das Zeug, die Herzen an der Mosel zu erobern. „Trier ist die schönste Stadt, in der ich bislang gespielt habe“, umgarnte er die Fans gleich mit Charme und bekannte, mit seiner Frau schnell „die deutsche Küche kennenlernen zu wollen“.

Was die sportlichen Ziele angeht, hält sich der Basketball-Bundesligist bedeckter als bei den kulinarischen Plänen. Doch Andreas Seiferth gab zu, schon in Richtung der Playoff-Plätze zu schielen. „Das wäre viel schöner, als gegen den Abstieg zu spielen.“ Rödl hielt sich mit ähnlichen Hoffnungen zurück. Der Coach weiß noch um die harte Arbeit bis zum Saisonstart. „Vieles ist Stückwerk, weil wir uns noch nicht kennen. Aber wir arbeiten eifrig daran, die Rädchen zusammenzufügen, damit es schnell klickt.“

Denn in seinem neuen Aufgebot, das stellte der Europameister von 1993 in der Hitze vor der Porta Nigra heraus, schlummert etwas Besonderes. „Wir haben viel Potenzial, die Entwicklung wird Spaß machen. Wenn alles gut läuft, können wir vielleicht die Überraschungsmannschaft werden.“

+++++TBB in Kürze+++++

Testspiel in Saarlouis – Am Sonntag tritt die TBB Trier zum dritten Testspiel an. In Saarlouis trifft das Rödl-Team in der Halle am Stadtgarten auf den ProA-Ligisten USC Heidelberg (17.30 Uhr).

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