Henrik Rödl und der Traum „vom nächsten Level“

Von Florian Schlecht

6:2-Punkte nach vier Spielen: Über den Saisonstart der TBB Trier lässt sich nicht meckern. Nun warten aber große Bundesliga-Kaliber. Den Auftakt macht das Heimspiel gegen die Eisbären Bremerhaven am Samstag (20 Uhr).

„Wir können und müssen noch besser werden“, fordert Henrik Rödl. Foto: Sebastian Schwarz

Henrik Rödl ist Profi genug, um nicht in übereilte Euphorie zu verfallen. Der Trainer der TBB Trier hat in vielen Jahren als Beteiligter die Wellenbewegungen des Sportgeschehens erlebt und ist kein Freund des stumpfen Schwarz-Weiß-Denkens. Er ist Realist und ordnet den Start seines Teams daher nüchtern ein. „Wir haben erst vier von 34 Spielen hinter uns, für ein Fazit ist es noch viel zu früh“, mahnt der Europameister von 1993 seine Spieler weiter zur harten Arbeit. 6:2-Punkte in der Basketball-Bundesliga hin, 6:2-Punkte in der Basketball-Bundesliga her – Rödl schaut nicht auf die Tabelle, sondern auf die nächsten Aufgaben. „Wir können und müssen besser werden“, sagt er und weist darauf hin, warum er eine Steigerung fordert. “ Jetzt kommen Gegner von einer anderen Qualität.“

Bereits am Samstag empfängt die TBB in der Arena die Eisbären Bremerhaven (20 Uhr), die ein heißer Playoff-Kandidat sind und die mit Philip Zwiener einen Leistungsträger aus nicht so vergangenen Trierer Zeiten im Kader haben. Danach messen sich Rödls Jungs mit Alba Berlin, das seinen Ruf als einer der heißesten Titelanwärter unterstrichen hat. Anschließend reist der TBB-Tross zum FC Bayern, der finanziell der Krösus der Bundesliga ist und mit Präsident Uli Hoeneß um einen ehrgeizigen Macher im Rücken weiß, der im Fußball vorgelebt hat, wie ein globales Spitzenteam aufzubauen ist. „Natürlich sind solche Spiele auch was Besonderes“, findet Rödl. „Da wird sich zeigen, ob wir einen noch höheren Level erreichen können.“

„Wir haben ein Team, das sich sehr gut motivieren kann“

In seinen Zeiten in Trier schwer in den Griff zu bekommen, nun bei Bremerhaven unter Vertrag: Philip Zwiener kehrt zurück.  Foto: Thewalt

Was dem Europameister von 1993 gefällt, ist der Eindruck, dass „wir ein Team haben, das sich sehr gut motivieren kann und fokussiert ist“. Keine schlechten Voraussetzungen, um auch Bremerhaven zu ärgern. Personell stehen dem Coach bis auf Dragan Dojcin alle Kräfte zur Verfügung. Doch auch der Kapitän, der lange um seine Rückkehr auf das Parkett kämpfte, scharrt lauter mit den Hufen. Zwar hat er wieder einen Rückschlag mit seiner Achillessehnenverletzung erlitten, „aber in der nächsten Woche sollte er wieder im Mannschaftstraining sein“, hofft Rödl.

Wie in den Spielen zuvor soll Dojcin mit Geschlossenheit, Aggressivität und Spielwitz ersetzt werden. Doch auch Bremerhaven hat sich just vor dem Auftritt in Trier stabilisiert. Nach eher verhaltenem Beginn mit drei Niederlagen in Folge (Bamberg, Würzburg, Ulm) gelangen zwei Siege gegen vermeintlich schwächere Teams (Gießen, Frankfurt) – und am Mittwoch ein 75:72-Paukenschlag bei Tabellenführer Oldenburg. Zwiener, den es vor Saisonbeginn von der Mosel in seine norddeutsche Heimat zog, behielt so im Duell der ehemaligen Trierer gegen Dru Joyce die Nase vorne. „Er war ein großer Teil unserer Mannschaft, wir haben nach wie vor ein gutes Verhältnis zueinander“, freut sich Rödl auf das Wiedersehen mit dem Fanliebling, der sich bei Korberfolgen in der Arena immer zu den „Nordisch by Nature“-Klängen der Hip-Hop-Band „Fettes Brot“ feiern ließ.

Der A-Nationalspieler ist aber nicht die einzige Verstärkung, die den enttäuschenden elften Platz des Vorjahres in Bremerhaven möglichst schnell vergessen machen soll. Coach Doug Spradley holte mit Point Guard Burrell und Center Morrisson zwei europaerfahrene Spieler dazu, die sich in der Bundesliga gleich mit guten Statistiken einfügten. Jacob Burtschi (Saragossa), lange erfolgreich in Hagen und Frankfurt, glänzt als Rebounder und aggressiver Balleroberer. Alex Harris kam als Topscorer aus Ludwigsburg mit den guten Referenzen von 12,5 Punkten im Schnitt. Seiner Nervenstärke bei Freiwürfen war auch der Erfolg im Nordderby in Oldenburg zu verdanken. „Eine Mannschaft, die nominell um die Playoffs spielen muss“, weiß Rödl, der am Samstag auch auf das Publikum in der Halle baut.

Denn die Zuschauerzahlen sind bislang ein Schönheitsfleck auf den Traumstart der Trierer Basketballer. 3041 Besucher waren gegen Braunschweig in der Arena, 3103 gegen Frankfurt – das war weit unterhalb der Erwartungen und der gezeigten sportlichen Leistungen des jungen Teams. Der Fanclub „Fastbreak“ warb über Facebook massiv dafür, dass gegen Bremerhaven mindestens 4000 Anhänger zum Spiel kommen. „Ich freue mich über die Unterstützung der Fans“, sagt Rödl nur und vertraut darauf, mit sportlichen Leistungen bald die verdienten Früchte des Erfolgs ernten zu können. „Wenn wir weiter so gut spielen, werden die Zahlen sicher steigen.“

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