Mit 120 Fans erst zu Sport1 – und dann zum FC Bayern

Von Florian Schlecht

Doppelte Spannung für die Fans der TBB Trier: Nachdem sie Video-Statements für ein TV-Livespiel ihres Vereins gesammelt haben, sind sie am Samstag in die Sendezentrale von Sport1 eingeladen. Der Fernsehkanal aus München fand die Aktion „kreativ“. Am Abend tritt der Basketball-Bundesligist von der Mosel dann beim FC Bayern an (19 Uhr).

Der Einsatz der TBB-Fans für ihren Verein kam bei Sport1 in München gut an. Fotos (3): Thewalt

Für die Fans der TBB Trier gehört das Auswärtsspiel beim FC Bayern zu den Höhepunkten des Basketball-Jahres. München, Weißbier, die volle Halle mit Nationalspieler Bastian Schweinsteiger und Uli Hoeneß auf den Rängen. Kein Wunder, dass sich 120 Anhänger von der Mosel auf den weiten Weg machen. Doch nicht nur der Reiz, den Bayern sportlich vielleicht die Lederhosen ausziehen (Samstag, 19 Uhr), sorgt diesmal für Spannung. Am Nachmittag sind die Fans nämlich bei Sport1 eingeladen, um für ein TV-Livespiel mit Beteiligung ihrer Mannschaft vorzusprechen. Seit 741 Tagen waren die Trierer nicht mehr im Fernsehen zu sehen, was für Verärgerung sorgte.

In einer gemeinsamen Initiative von basketball-stream.de und dem Fanclub „Fastbreak Trier“ wurde die Anhängerschaft dazu animiert, in Videobeiträgen zu sagen, warum die TBB wieder über die Bildschirme in Deutschland flimmern sollte (wir berichteten). „Wir können in München eine DVD mit 30, 40 Statements übergeben“, freut sich Chris Schmidt über eine riesige Resonanz. „Es hätten sogar mehr Beiträge sein können. Aber gegen Alba Berlin haben wir auch noch das Spiel mitgeschnitten und waren in die Hallenshow eingebunden.“

Die Stimmen für Trier gingen weit über die Stadtgrenzen hinaus. „Es haben sich auch Fans aus Frankfurt, Berlin und München beteiligt“, freut sich Schmidt, der zu den Mitbetreibern von basketball-stream.de gehört und dessen Arbeitskollege David Vilter die Idee zur Aktion hatte. Schmidt recherchierte, wie häufig die Bundesligisten in den vergangenen zwei Jahren live gezeigt wurden. Die Playoffs berechnete er nicht ein. Das Ergebnis: Die TBB lief nur einmal beim Heimsieg gegen Bonn am 30. Oktober 2010. Schlechter erging es nur Tübingen, das nie zu sehen war. Vereine wie Gießen und Hagen (je drei Partien) liefen häufiger über die Bildschirme. Frankfurt brachte es gar auf zwölf Partien im TV. Spitzenreiter ist der FC Bayern (19) – auch wenn der erst seit der Saison 2011/12 im Oberhaus spielt.

Lob von Sport1 – aber keine Versprechungen

Mit 120 Fans fährt die TBB zum FC Bayern.

In München wurden die Fernsehmacher schon aufmerksam auf die Initiative – und luden die Fans gleich in die Sendezentrale ein. Sport1-Sprecher Michael Röhrig findet die Aktion der Trierer „kreativ, auch wenn sie sich kritisch mit unserer Spielauswahl auseinandersetzt“, wie er auf 5vier-Nachfrage bestätigt. „Prinzipiell finden wir es besser, wenn uns das Zuschauer-Feedback – in diesem Fall die Stimmen der TBB-Fans für ein TV-Livespiel ihres Vereins – direkt erreicht. Wir sitzen doch alle in einem Boot und wollen den Basketball in Deutschland pushen.“

Röhrig weiß darum, dass bei den Übertragungen Teams zu kurz kommen können. „Wir zeigen in dieser Saison mindestens 40 Spiele live im Free-TV. Da gibt es manchmal Härtefälle, bei denen der eine oder andere Klub nicht gezeigt wird, obwohl die Begegnung durchaus sehr attraktiv wäre.“

Die Auswahlkriterien für ein Livespiel, das von der Liga und Sport1 gemeinsam festgelegt wird, sollen den Anhängern aus Trier im Gespräch erläutert werden. Röhrig nennt besonders drei Gründe. Einerseits die sportliche Attraktivität. „Wenn der Zweite auf den Dritten trifft, ist das sportlich meist interessanter, als wenn der Spitzenreiter gegen den 16. spielt.“ Das Risiko, dass eine Entscheidung dort mitunter schon im dritten Viertel fällt, sei größer. Die Zuschauer würden dann tendenziell eher wegschalten. Die sportliche Spannung wirkt sich so auch auf die Reichweite und die Werbeeinnahmen aus. Dazu kommt die Popularität, die sich in den häufigen Übertragungen der Bayern ausdrückt. „Sie sind zwar nicht Tabellenführer, aber das Interesse an ihnen ist durch die Anziehungskraft der Marke FC Bayern bundesweit hoch“, sagt Röhrig. Das belegten auch die Quoten. „Die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass dort auch mal ein Fußballfan einschaltet, der mit Basketball vielleicht nichts am Hut hat.“ Ebenso spielen die Bedingungen vor Ort für die TV-Produktion und die Atmosphäre in der Halle eine wichtige Rolle.

Den Weg, den die TBB geht, hat der Sprecher aber wahrgenommen. „Aus meiner Sicht spricht es schon für das Basketball-Programm, wenn der Most Improved Player zweimal in Folge aus Trier kommt und ein Maik Zirbes nun auch in Bamberg eine gute Figur abgibt. Dort wurde anscheinend viel richtig gemacht.“ Das Konzept, auf Nachwuchs zu setzen, findet Röhrig für die Berichterstattung gelungen. „Grundsätzlich geht es ja langfristig darum, im deutschen Basketball noch mehr Gesichter aufzubauen, die auch den Wiedererkennungswert der Liga weiter steigern. Natürlich lieben die Zuschauer spektakuläre ausländische Spieler, aber auch deutsche Talente stehen hoch im Kurs.“

Ein Versprechen für ein Livespiel will er aber aufgrund der Initiative nicht abgeben. „Der Auswahlprozess wird deshalb natürlich nicht über den Haufen geworfen.“ Das weiß auch Chris Schmidt. „Wir sind nicht mit dem Glauben in die Aktion gegangen, dass Sport1 gleich ein Spiel aus Trier überträgt“, meint der Hallensprecher. Ein erster Erfolg ist die Gesprächsbereitschaft in München aber.

Rödl: „Vielleicht gelingt uns die Überraschung“

Gelingt eine Sensation wie in der letzten Saison?

Den Auftritt der TBB in München wird es jedoch nicht im Fernsehen geben. Als Favorit geht der FC Bayern ins Spiel, der schon vor Saisonbeginn mit der Entlassung des langjährigen Nationaltrainers Dirk Bauermann für einen Paukenschlag sorgte. Der bisherige Assistent Yannis Christopoulos schwingt nun das Zepter, der Start ist nach 8:6-Punkten eher durchwachsen. Anders als bei Trier, wo Trainer Rödl vor zu großer Euphorie warnt. “Bayern wird voll motiviert sein, sehr gut vorbereitet und mit dem Willen zu Hause zu gewinnen. Aber wir haben in Trier eine Mannschaft, die konkurrenzfähig ist, das haben wir gezeigt. Dementsprechend fahren wir nach München und spielen dort das beste Spiel, das wir spielen können. Vielleicht gelingt uns die Überraschung. Die Mannschaft hat aber gerade auswärts bisher gute Nerven gehabt – wir werden alles probieren.”

+++TBB in Kürze+++

Rückkehr von Bastian Doreth – Bastian Doreth ist für ein Jahr an die TBB Trier ausgeliehen – vom FC Bayern. 5vier sprach mit dem Nationalspieler über die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. Hier geht es zum Bericht.

Livestream aus München – Nicht im Fernsehen, dafür aber in der emotionalen Liveberichterstattung von Chris Schmidt auf basketball-stream.de läuft das Spiel der TBB in München. Bereits um 18.30 Uhr geht er auf Sendung.

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