Reichlich Stoff für die (Basketball-)Geschichtsbücher

Von Florian Schlecht

Eine Achterbahnfahrt der Gefühle, Disqualifikationen und eine ausverkaufte Halle. Obwohl die TBB Trier mit 80:88 die Sensation gegen Alba Berlin verpasste, bot das Spiel Stoff für die (Basketball-)Geschichtsbücher. Das lag auch an einigen ungewöhnlichen Schlüsselszenen.

Geplatzter Traum: Mit 80:88 unterlag die TBB Trier Alba Berlin. Foto: Sebastian Schwarz

Henrik Rödl wusste die Bilder zu beschreiben, die er sah, als er die Mannschaftskabine nach dem Drama betrat. „Klar, dass da nun enttäuschte Gesichter sitzen“, sagte der Trainer der TBB Trier nach der bitteren 80:88-Heimniederlage gegen Alba Berlin in der Verlängerung. Die Gesichtszüge waren verkniffen, der Blick ging für einige Sekunden in die Leere. Der Europameister von 1993 und seine Spieler wussten, dass sie eine Sensation dicht verpasst und vielleicht sogar ein Stück hergeschenkt hatten. Es war ein Tag, an dem lange Zeit alles auf eine Überraschung hinauslief. Einer, der Stoff für die Geschichtsbücher bot. Mit allen emotionalen Achterbahnfahrten, Ausrastern, Aufregern und Wendepunkten, die ein Krimi-Autor sich nicht besser hätte ausmalen können.

Im letzten Viertel schien das Drehbuch bereits auf ein Happy-End für Trier zugeschrieben zu sein. Mit zehn Punkten führte die TBB im letzten Viertel, 63:53 leuchtete es in roten Zahlen von der Anzeigetafel. Die Spieler von der Bank sprangen da schon enthusiastisch auf das Parkett. Die 5917 Zuschauer in der ausverkauften Arena hielt es derweil nicht mehr auf den Sitzen, sie klatschten, rissen die Arme zur Welle hoch, die durch das Rund schwappte. Trier, das in der Basketball-Bundesliga immer erfolgreicher die bodenständig-erfolgreiche SC-Freiburg-Rolle prägt, feierte ein echtes Fest.

Howell und die Fünf-Sekunden-Regel

Dann folgte der Alptraum der letzten Minuten, in denen Berlin über Kraftpaket Deon Thompson aufdrehte – und die TBB plötzlich Zitterhändchen und vermeidbare Fehler offenbarte. Kurz vor dem Ende hatte Jarrett Howell einen Einwurf, bei dem er den Ball so lange in der Hand hielt, dass die Schiedsrichter ihm die Fünf-Sekunden-Regel abpfiffen. Ärgerlich. Mit drei Punkten führte das Heimteam zu dem Zeitpunkt, stand kurz vor der Vollendung einer grandiosen Vorstellung.

„Die Szene muss ich mir im Video nochmal ansehen“, meinte Rödl. Howell war über den Pfiff der Referees verwundert. „Ich hatte das Gefühl, dass die fünf Sekunden sehr schnell runtergezählt wurden, in meinem Kopf war ich erst bei drei Sekunden“, sagte der Aufbauspieler mit trauriger Stimme. „Wir haben den Sieg verpasst. In der Schlussphase standen wir so oft an der Freiwurflinie. Ist einer mehr drin, feiern wir.“

Obradovic disqualifiziert, Schaffartzik sauer

Für Andreas Seiferth erfüllte sich der Wunsch von einem Sieg nicht. Foto: Sebastian Schwarz

Doch auch eine andere Szene mit dem US-Amerikaner erhitzte die Gemüter. Kurz vor der Halbzeit geriet er mit Heiko Schaffartzik zusammen, beide kämpften um den Ball, der Nationalspieler bremste Howell regelwidrig und wurde dafür im Gegenzug rustikal zu Boden befördert. Dort blieb der Berliner einige Sekunden benommen liegen. Der Nationalspieler war nach dem Ende des Spiels immer noch erbost, wollte „Absicht“ bei Howell nicht ausschließen, sprach von einer „Gerade, die mich niedergestreckt hat“. Die Folge: „Die Nase ist schief und geschwollen. Ob sie gebrochen ist, wird mir der Arzt sagen.“ Der Trierer wehrte sich heftig gegen den Vorwurf. „Er hat versucht, mir den Ball aus der Hand zu reißen. Ich habe die Arme hochgerissen, damit ich nicht falle und ihn dabei unglücklich getroffen. Es tut mir leid, aber absichtlich war das nicht“, beteuerte der Spielmacher. „Ich will niemanden verletzen, das sage ich auch gerne noch mal ihm und dem Trainer von Alba Berlin.“

Sasa Obradovic war da aber schon mit anderen Problemen beschäftigt. Weil der Coach der Albatrosse nach dem Zusammenprall wie Rumpelstilzchen auf das Parkett sprang, kassierte er ein technisches Foul. Ein weiteres musste die Berliner Bank für ihre Beschwerden einstecken. Und auch das Meckern von Mithat Demirel blieb nicht ohne Auswirkung. Die Folge: Der Trainer und der Sportdirektor wurden disqualifiziert und durften nicht an die Seitenlinie zurückkehren. Obradovic, der Fuchs, lobte so seine Mannschaft für eine Aufholjagd, die er nach einem Hallenverweis angeblich nicht gesehen hatte. In Wirklichkeit stand der Serbe aber an den Ausgängen und verfolgte das Spiel weiter mit. „Wir haben große Charakterstärke bewiesen“, fand Schaffartzik angesichts der Umstände.

„Ich bete dafür, dass die Zuschauer wiederkommen“

Ein Lob hatte der Nationalspieler auch für Trier parat. „Sie haben super gespielt. Wenn sie so weiterspielen, können sie die Playoffs schaffen.“ Obradovic fand ebenfalls Gefallen an der Arbeit seines Kumpels Rödl. „Es ist eine Philosophie zu erkennen, die beim Publikum offenbar ankommt.“

Tatsächlich war die ausverkaufte Halle nach zuletzt enttäuschenden Besucherzahlen eine Belohnung für den starken Saisonstart. Die Augen von Howell glänzten wie die eines kleinen Kindes vor dem Weihnachtsbaum, als er auf die Atmosphäre angesprochen wurde. „Ich liebe es“, genoss der 28-Jährige die Stimmung und sprach einen Wunsch für die kommenden Heimspiele aus. „Ich bete dafür, dass die Leute wiederkommen. Wir haben ein ganz besonderes Team, spielen einen besonderen Basketball und können mit der Unterstützung noch stärker spielen.“ Der Krimi gegen Alba Berlin bot da einen echten Vorgeschmack. Auch wenn das Happy-End ausblieb.

+++TBB in Kürze+++

Nun geht’s zu den Bayern – Am kommenden Wochenende tritt die TBB Trier beim FC Bayern an (Samstag, 10. November, 19 Uhr). Das nächste Heimspiel ist am Sonntag, 18. November (17 Uhr) gegen Gießen.

Fans werben bei Sport1 für TV-Livespiel – Nach über 730 Tagen ohne TV-Livespiel mit Beteiligung der TBB Trier wollen die Fans die Fahrt nach München nutzen, um bei Sport1 vorbeizufahren und für ihren Verein zu werben. Alle Informationen zur Aktion findet ihr hier.

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