Theater: Terror im Amts- und Landgericht

Premiere des Stücks von Ferdinand von Schirach

Einen passenderen Spielort als den Verhandlungssaal eines Gerichts kann es für das Theaterstück Terror des bekannten Strafverteidigers und Autors Ferdinand von Schirach nicht geben.

Laura Koch, Kampfpilotin der Luftwaffe, hat einen Airbus A320 der Lufthansa abgeschossen. Die Maschine wurde von einem Terroristen entführt, der damit drohte, diese in die vollbesetzte Allianz-Arena in München stürzen zu lassen. Die 70.000 Menschen in der Allianz-Arena bleiben unverletzt, jedoch sind alle 164 Menschen, die sich an Bord des Lufthansa Fluges befanden, tot. Laura Koch handelte gegen den Befehl ihres Vorgesetzen, der keinen Abschuss genehmigte, um die Menschen in der Allianz Arena vor dem sicheren Tod zu bewahren.

Terror dreht sich um den Prozess vor Gericht, in dem Laura Koch (Tanja Finnemann) sich für ihre Tat verantworten muss. Denn der Abschuss eines entführten Flugzeuges war zu dem Tatzeitpunkt weder von den Vorgesetzten der Kampfpilotin noch vom Bundesverfassungsgericht genehmigt. Letztes kippte ein Gesetz, dass unter dem Eindruck des 11. September den Abschuss von entführten Passagiermaschinen erlaubte, falls diese zu einer größeren Bedrohung werden sollten.

Das Theaterstück erfreut sich zur Zeit großer Beliebtheit in Deutschland und wurde in Trier durch die Bürgertheater-Sparte 0.1 aufgeführt. Die Umsetzung, die unter Regie von Karl Sibelius und Krisztina Horváth erfolgte, ist unglaublich realistisch. Das fängt mit dem Spielort an. Terror wird in Trier in einem echten Gerichtssaal umgesetzt. Fast sämtliche Rituale, die eigentlich zu einem Theaterstück gehörten, entfallen: Vor dem Stück wartet das Publikum wie bei einer echten Verhandlung im Amts- und Landesgericht. Getränke gibt es aus dem Automaten. Es gibt keinen Gong, kurz vor Beginn der Vorstellung werden die Zuschauer einfach den in den Saal hineingelassen. Die grellen Neonlichter in dem Saal werden nicht gedimmt. Die Schauspieler kommen einfach herein.

Das Publikum muss bei Terror einen aktiven Part übernehmen. So werden alle Zuschauer nach einer kurzen Erläuterung durch den Richter (Heinz-Georg Meyer) als Schöffen eingeschworen: Die Entscheidung ob die Pilotin, die kurz zuvor durch eine Wachfrau (Claudia Rödig) hineingebracht wurde, schuldig ist. Staatsanwältin Nelson (Birgit Weinmann-Lutz) plädiert bei der Verhandlung klar für schuldig, während Laura Kochs Anwältin (Karin Pütz) die Tat ihrer Mandantin verteidigt: Sie habe 70.000 Menschen das Leben gerettet. Im Laufe des Prozesses sagen auch der Christian Lauterbach (Michael Wilmes), Vorgesetzter der Pilotin und Franziska Meiser (Stefanie Frink), deren Mann sich an Bord des abgeschossenen Airbus befand, aus.

Theater-Stimmung kommt bei dem Stück nicht auf. Und das ist auch gut so. Vielmehr folgt das gesamte Publikum konzentriert dem Verlauf des Prozesses, der von den Bürgerschauspielern sehr realistisch dargestellt wird. Selbst die Protokollführerin (Brigitte Elsen), die eigentlich eine stumme Rolle innehat, fällt aus dieser nie raus.

Am schwierigsten ist Terror für das Publikum in der Pause. In nicht einmal fünf Minuten muss entschieden werden, ob Laura Koch schuldig ist, oder nicht. Ferdinand von Schirach hat zwei alternative Enden für Terror verfasst, abhängig von der Entscheidung des als Schöffengericht agierenden Publikums. Welche Entscheidung das Publikum bei der Premiere getroffen hat, soll an dieser Stelle unerwähnt bleiben.

Auf dieser Internetseite kann eingesehen werden, wie Zuschauer des Stücks in ganz Deutschland über das Schicksal von Laura Koch entschieden hat. Erstmalig ist die Rolle des Kampfpiloten, der in dem Skript von Ferdinand von Schirach eigentlich Lars Koch heißt, mit einer Frau besetzt worden.

Terror sollte man in Trier auf keinen Fall verpassen, vor allem aufgrund der einmaligen Kulisse, aber auch wegen der großartigen Besetzung durch die im letzten Jahr neu geschaffene Sparte 0.1. Die Leistung des Teams wurde von dem Premierenpublikum mit minutenlangem Applaus und Standing Ovations belohnt.

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