Trierer Nero-Ausstellung lockt die Welt

Simeonstift-Restaurator befreite Nero auf seinem Gemälde

Die Bewerbung des Trierer „Nero-Jahres 2016“ läuft schon seit Monaten. Mehr als 300 Führungen sind inzwischen gebucht, woraus sich ein enormes Interesse für die von den Trierer Museen angebotenen Annäherungen an Nero ableiten lässt. Zumindest die Bewerbung der „Nach-Konstantin“ und „Vor-Karl-Marx“-Attraktion hat funktioniert.

Trier. Nero, er „passt“ in das, was Trier in erster Linie ist: eine Stadt der Römer. Und Nero, der Tyrann, der Schauspieler, der Säger, der zum Volk hin Gerichtete, der Brandstifter, der Mörder, der Selbstmörder, er passt ins Bild der Trier-Besucher. Nicht umsonst sind augenblicklich mehr als 300 Gruppen-Führungen gebucht. Drei Museen sind daran beteiligt. Das Rheinische Landesmuseum, das Museum am Dom und das Stadtmuseum Simeonstift.

Jeder „packt“ Nero auf seine Weise an: Das Landesmuseum hat dem Titel „Nero – Kaiser, Künstler und Tyrann“ als Thema gewählt. Das Museum am Dom „Nero und die Christen“, was nahe liegt. Und ein Bilderreigen kündigt das Stadtmuseum Simeonstift mit dem Titel „Lust und Verbrechen. Der Mythos Nero in der Kunst“ an. Das tatsächliche Bild von Nero in Gemälden, Grafiken, Fotografien, Filmen und der Oper wird hier angelehnt an das UNESCO-Weltkulturerbe Porta Nigra präsentiert.

Paris, Rom, St. Petersburg und Celle

Mit von der Partie im Stadtmuseum Simeonstift ist ein Ölgemälde auf Leinwand aus dem 17. Jahrhundert. Und wenn sonst groß geworben wird, dass Leihgaben aus dem Pariser Louvre, dem Vatikanischen Museum in Rom oder der Eremitage in St. Petersburg nach Trier kommen, so sei hier notiert, dass das 151 cm hohe und 205 cm breite Gemälde eines vermeintlich von Caravaggio-beeinflussten Künstlers von dem Celler „Bomann-Museum“ nach Trier kam. – Ja, es kam vor fast einem Jahr nach Trier. Denn das Leihgesuch des Museums war mit der Auflage einer notwendigen Restauration verbunden.

Dazu wurde der sein Handwerk verstehende Trierer Restaurator für Gemälde, Dimitri Bartashevich kontaktiert.


5vier.de hat den folgenden Film mit Dimitri Bartashevich Ende Mai dieses Jahres aufgenommen. Dieser hatte einiges vor dem noch zu restaurierenden Gemälde über das teilweise vom Staub und Schmutz befreite „Darunter“ mitzuteilen: 

So spricht Dimitri Bartashevich von der Vermutung, dass das Gemälde aus dem Privatbesitz des Hauses Hohenzollern stammt. Dass die Öldarstellung den Selbstmord des römischen Kaisers Nero im Umkreis seiner Vertrauten präsentiert. Und – die Restauration hat das zu Tage gebracht – Nero damit seiner Verhaftung entgehen wollte. Auch die gelungene Darstellung, die der Restaurator als „Verknotung“ bezeichnet sei qualitativ hervorragend und lässt einiges an Details zu Neros Leben und Todes-Situation entdecken.

In der obigen Abbildung und im Film sieht man deutlich wie leuchtend die in einer ersten Schicht befreiten linken Gemäldeflächen sind und wie matt-Grau die noch nicht berührten Partien erscheinen.

Ein Weihnachtsgeschenk für Nero-Fans

Wer das Gemälde in seiner restaurierten Form, wie auch alle anderen Nero-Aspekte in den drei notierten Trierer Museen aufsuchen möchte, der sei auf den 28. Dezember 2015 hingewiesen: ab dem kommendem Samstag kann jeder ein Ticket für die Nero-Ausstellung sichern. Das Kombiticketwird in den jeweiligen Museums-Shops sowie in der Tourist-Information Trier für 18 Euro angeboten.

5vier.de nennt das ein ideales Weihnachtsgeschenk für Nero-Fans, Kultur und Kunstliebhaber. Oder man nimmt es als Weihnachts-Einladungskarte für Freunde und Bekannte, die einen „guten Grund“ brauchen, mal wieder nach Trier zu kommen. Die Ausstellung wird vom 14. Mai bis 16. Oktober 2016 Trier quasi „einnehmen“: thematisch wie touristisch.

Titel-Foto: Stadtmuseum Simeonstift Trier – Detail aus dem Gemälde „Neros Tod“  // Text-Foto und Film: C. Maisenbacher

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