Titelrennen und Nichtabstiegsparty: Oberliga-Saisonrückblick 12/13

Tore, Spannung, Plakate: Das Jahr des FSV Salmrohr und des SV Mehring im Rückblick.

Von Florian Schlecht

Ein spannender Titelkampf – und eine dramatische Aufholjagd im Rennen um den Klassenerhalt: Der FSV Salmrohr und der SV Mehring haben eine aufregende Saison hinter sich. 

FSV Salmrohr: Vizemeister und Pokalfinale

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Stand für Offensivfußball: Trainer Patrick Klyk.

Ein neuer Trainer, eine überraschende Suspendierung, berauschender Fußball, Titelkampf, eine schwarze Woche und das Rheinlandpokal-Finale: Der FSV Salmrohr hat in der Fußball-Oberliga für jede Menge Gesprächsstoff gesorgt. Mit 73 Punkten schloss die Mannschaft das Jahr als Vizemeister hinter dem SVN Zweibrücken ab, was Patrick Klyk zu einem letztlich zufriedenen Fazit veranlasste. „Ich habe den Spielern gesagt, dass sie Tolles geleistet haben.“

Der junge Trainer, der zuvor erfolgreich bei Röchling Völklingen gearbeitet hatte, übernahm das sportliche Kommando nach der überraschenden Trennung von Robert Jung in der Sommerpause. Und Klyk baute auf das Offensivpotenzial seiner Spieler, die sich von Beginn an mit Torfestivals in der Spitzengruppe etablierten. Ein 6:1 gegen den 1. FC Saarbrücken II, ein 6:0 gegen den damals als Tabellenführer angereisten SC Hauenstein sprachen Bände über das Auftreten dieses Teams. Nicht selten entwickelte sich ein kleines Feuerwerk, wenn Salmrohr warmlief. Mit 49 Toren bildete der Verein aus dem 1.500-Einwohner-Dorf bereits zur Winterpause mit Abstand die torgefährlichste Garde der Liga, am Ende der Saison waren es 86 Buden auf dem eigenen Konto.

Robin Mertinitz (r.) - Der Offensivallrounder in Diensten des FSV Salmrohr (Foto: Sebastian Schwarz)

Robin Mertinitz (rechts) war der torgefährlichste FSV-Spieler. Foto: Sebastian Schwarz)

Auffällig dabei: Robin Mertinitz hat als erfolgreichster Salmrohrer „nur“ elf Tore erzielt. Das zeigt, wie vielseitig die Tormaschine des ehemaligen Zweitligisten war. Ob Gustav Schulz (10), Tobias Baier (9), Innenverteidiger Johannes Kühne (8), Regisseur Alexander Adrian (8) oder Youngster Christian Schroeder (7) – jeder Spieler konnte an einem guten Tag ein Duell entscheiden. Das war auch entscheidend für den langen Aufenthalt im Titelkampf, da die Zusammenarbeit mit Dino Toppmöller nach einer Suspendierung beendet wurde. Der 32-Jährige, der danach zum erfolgreichen Spielertrainer beim SV Mehring avancierte, steht mit zehn Treffern in der vereinsinternen Torjägerliste sogar noch auf Platz zwei. Und das, obwohl er Salmrohr bereits in der Hinrunde verließ.

Die Unruhe beeinträchtige aber nicht den Erfolg. Zur Winterpause sprach Klyk erstmals von der Meisterschaft. Und tatsächlich setzte sich Salmrohr nach der Winterpause von dem breiten Feld der Titelkandidaten mit Neunkirchen, Pirmasens, Ludwigshafen und Hauenstein ab. Mit einem 8:0 gegen Wirges und einem 6:1 gegen Halberg-Brebach rauchten früh zu Jahresbeginn wieder die Colts an der Salm. Zwischenzeitlich kam Salmrohr bis auf zwölf Siege in Folge. Das reichte aber nicht, um an der Spitze zu enteilen. Denn auch das Defensivbollwerk aus Zweibrücken blieb konstant, obwohl es unmittelbar nach Rückrundenbeginn eine blamable Heimpleite gegen Schlusslicht Köllerbach verdauen musste.

Tolle Zuschauer-Kulisse. Die Sitzplatz-Tribüne im Hintergrund war erstmals in dieser Saison vollbesetzt. (Foto: Stephen Weber)

Volle Tribüne in Salmrohr beim Spitzenspiel gegen Zweibrücken. Foto: Stephen Weber

Alles lief so auf den großen Showdown am 20. April hin, als die beiden Oberliga-Giganten sich in Salmrohr gegenüberstanden. 1.605 Zuschauer wollten sich das Spitzenspiel nicht entgehen lassen, das für den FSV ein bitteres Ende nahm. Mit 2:0 siegte Zweibrücken gegen nervöse Platzherren, für die innerhalb von einer Woche in der Folge durch ein 0:0 bei Saarbrücken II und ein 0:3 in Mechtersheim der Aufstiegstraum platzte.

Obwohl der Frust tief saß, gab es mit dem Einzug ins Rheinlandpokal-Finale aber noch ein Highlight. Über 3.200 Besucher guckten sich das Derby gegen Eintracht Trier an, bei dem der Underdog die Anfangsphase sogar frech bestimmte und am Ende zu hoch mit 0:4 unterlag. „Uns hat es Spaß gemacht, vor so einer Kulisse zu spielen“, betonte Gustav Schulz dennoch im Anschluss mit leuchtenden Augen.

Zur neuen Saison will Salmrohr wieder angreifen, auch wenn es personell einige Veränderungen gibt. Johannes Kühne (Ettelbrück), Andreas Hesslein (Mehring), Julian Hohns (Studium in den USA) und Marc Mees (SG Zell) stehen schon als Abgänge fest. Leistungsträger wie Alexander Adrian, Daniel Schraps und Tobias Baier sollen neben einem festen Stamm von bereits gebundenen Leistungsträgern bleiben. Dazu gibt es Gespräche mit möglichen Neuzugängen wie Marc Inhestern (U19 von Eintracht Trier).

SV Mehring: Tore, Trainer und Plakate

Hatte zwei Mal die große Chance zum Sieg auf dem Fuß: Sebastian Ting (Foto: Sebastian Schwarz)

Ein 62-Meter-Tor für die ARD-Sportschau: Sebastian Ting. Foto: Sebastian Schwarz

Drei Trainer, ein ehemaliger Bundesliga-Torwart, eine Abstimmung zum „Tor des Monats“ und eine spektakuläre Aufholjagd: Auch der SV Mehring ist um Geschichten in der Saison 2012/13 nicht verlegen. Letztlich gab es aber ein Happy-End im Abstiegskampf. Mit dem 2:1-Sieg gegen den FK Pirmasens sicherte sich der Verein im ersten Jahr seiner Oberliga-Zugehörigkeit gleich die Klasse. Die Premiere in der neuen Staffel war aber zunächst mit Lernprozessen verbunden. Bereits das 0:2 zum Auftakt gegen den FSV Salmrohr vor über 1.300 Zuschauern zeigte, dass die Liga kein Zuckerschlecken wird. Eins der großen Highlights gab es aber bereits in der Hinrunde: Sebastian Ting gelang in Neunkirchen ein 62-Meter-Treffer. Der Geniestreich machte ihn in Deutschland bekannt. Der Kapitän wurde für das „Tor des Monats“ nominiert, wo er in der Abstimmung hinter Marco Reus landete – aber vor Rafael van der Vaart.

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Vereinsheim erobert: Die Spieler des SV Mehring nach dem Klassenerhalt.

Nach acht Spielen trat Michael Schmitt aus familiären Gründen zurück. Unter der Regie des Aufstiegstrainers hatte Mehring nur sieben Punkte eingefahren und hing früh im Keller fest. Mit Robert Jung kam dann ein Trainer-Fuchs, der im Südwesten schon große Erfolge eingefahren hatte. Mit ihm wechselte Erwin Bradasch als Mittelfeldlenker an die Lay. Bereits zuvor hatte sich Mehring mit einem weiteren großen Namen versucht, als der ehemalige Bundesliga-Torhüter Dimo Wache für einige Wochen angeworben wurde, weil Stammkeeper Thomas Hank verletzt war.

Obwohl es in den ersten Spielen unter Jung bereits Ausrufezeichen gab, blieb die große Kehrtwende aus. Der erfahrene Fußballlehrer musste mit vielen Verletzungen kämpfen. Dazu litt die Stimmung in den eigenen Reihen, weil er den Spielern offenbar nur wenig Freiheiten ließ. Das Auftreten auf dem Platz war von übertriebener Vorsicht gekennzeichnet. Und so musste sich Mehring nach dem Rückrundenstart mit einem 1:2 gegen das kolossal abgeschlagene Köllerbach, einem 1:1 bei Saarbrücken II und einem 0:1 gegen Mechtersheim bereits wieder mit der Rheinlandliga vertraut machen.

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Dino Toppmöller hält ein Motivationsplakat nach oben.

Dann folgte aber die große Wende. Dino Toppmöller übernahm gemeinsam mit Erwin Bradasch das Traineramt. „Ich versuche, mehr Zugeständnisse zu machen. Die Jungs dürfen auch Fehler machen. Sie müssen aber Gas geben, sich für die Truppe zerreißen und Verantwortung für den anderen übernehmen“, sagte der 32-Jährige bei seiner Antrittsrede und hielt Wort. Die Stimmung wurde merklich besser, die Spieler gingen zusammen bowlen und entfachten auf dem Platz deutlich mehr Freude. Ein 2:0 gegen Borussia Neunkirchen sorgte für frischen Wind. Neun Siege fuhr Mehring in den elf Spielen ein, der Wert eines Spitzenteams. Dabei gab es ein furioses 7:0 beim SC Halberg-Brebach.

Und auch die 0:3-Schlappe im Abstiegskrimi bei der TSG Pfeddersheim warf die Mannschaft nicht um. Auf der Rückfahrt von der Niederlage sprach Dino Toppmöller auf einem Rastplatz mit Michael Fleck, der von Jung zwischenzeitlich ins Bezirksliga-Team degradiert wurde. „In Gonsenheim spielst du“, sagte er ihm. Mit 4:3 siegte Mehring – Fleck erzielte zwei Treffer und gab eine Vorlage. Und auch ansonsten empfahl sich der Trainer als Psychologe. Er hing Plakate in der Kabine auf („When you’re a winner, you come back. Not matter what happened the day before“), zeigte das Video vom 1:0-Aufstieg gegen Eisbachtal im Jahr zuvor und appellierte permanent an die Stärken der Mannschaft. Der Lohn der Mühe: Das Oberliga-Abenteuer beim SV Mehring geht weiter. Und die Helden, die den Klassenerhalt geschafft haben, bleiben dem Verein treu. Mit Andreas Hesslein (FSV Salmrohr) steht bereits ein Neuzugang zur neuen Saison fest.

+++Die Saison 2013/14+++

Als Meister verlässt zur Saison 2013/14 der SVN Zweibrücken die Oberliga. Dafür steigt der SC Idar-Oberstein aus der Regionalliga ab. Abgestiegen aus der Oberliga sind Wirges, Halberg-Brebach und Köllerbach. Als Aufsteiger rücken dafür die SpVgg Burgbrohl, Alemannia Waldalgesheim und der FC Hertha Wiesbach nach.

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