„Tresor des kulturellen Erbes“ – Museum eröffnet Dauerausstellung

Noch werden Vitrinen geputzt, der Boden gewischt und letzte Hand an einige der wertvollen Ausstellungsstücke gelegt. Ab morgen wird das Rheinische Landesmuseum der Öffentlichkeit seine Exponate in einer spektakulären Dauerausstellung neu präsentieren. Nach Abschluss des zweiten Bauabschnitts wartet zum ersten Mal seit den 70er Jahren eine einheitliche Gesamtschau auf den Besucher, die von der Urgeschichte über die römische Epoche bis zur Neuzeit reicht.

Die Fülle ist überwältigend: 4500 Exponate, dazu noch 12.000 Münzen, werden auf einer Fläche von 3500m² gezeigt. Neu konzipiert wurden fünf Bereiche, die fast ausschließlich der prägenden Römerzeit Triers gewidmet sind. Thematisch umfassen diese die Religion, das Trierer Umland mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Verkehr, Trier als Metropole, Kaiserresidenz und Bischofssitz in der Spätantike sowie das Münzkabinett und die Antikenrezeption in der Renaissance. Der Besucher kann sich auf einem spannenden Rundgang durch die gesamte Trierer Stadtgeschichte begeben und wird dabei durch ein hilfreiches Farbsystem geleitet. Es gibt nun keine Sackgassen mehr und die klare Strukturierung hilft dem Besucher, Zusammenhänge zu erkennen und die Kontinuitäten nachvollziehen zu können. Der Rundgang ist chronologisch aufgebaut und führt durch insgesamt 18 Räume.

An zwölf Medienstationen erhalten die Besucher Zusatzinformationen.

Insgesamt 900.000 Euro kostete die Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts. Umgesetzt wurde die Konzeption vom Berliner Büro neo.studio, das auch schon für die erfolgreiche Konstantin-Ausstellung verantwortlich war. Überzeugend ist vor allem die Präsentation der Objekte, die durch indirekte Beleuchtung, einem einheitlichen Präsentationsduktus und kurzer, aber präziser Beschriftung in den Mittelpunkt gerückt werden. Zwar gibt es insgesamt zwölf Medienstationen, an denen der wissbegierige Besucher Hintergrundinformationen sammeln kann, doch bleiben multimediale Spielereien zugunsten der ausgestellten Objekte dezent im Hintergrund. „Wir wollten eine zeitlose aber moderne Präsentation unserer Objekte“, fasst Museumsdirektor Dr. Eckart Köhne das Konzept zusammen, „unsere Funde sollen im Mittelpunkt stehen und für sich selbst sprechen. Die Exponate im Museum sind ein Tresor des kulturellen Erbes unserer Region und wir wollen so viel wie möglich davon zeigen, ohne den Besucher dabei zu überfordern.“ Allein gelassen wird der Besucher allerdings nicht, denn Audioguides in vier Sprachen sowie ein speziell für die Bedürfnisse von Kindern ausgerichteter Guide stehen kostenlos zur Verfügung. Die Filme der Medienstationen können darüber hinaus als DVD erworben und mit nach Hause genommen werden.

Der bedeutende Portraitzyklus der Welschbilliger Hermen erstrahlt in neuem Glanz.

Höhepunkt der neu gestalteten Räume ist sicherlich die Präsentation des Trierer Goldschatzes. Insgesamt 18 1/2 kg Gold im damaligen Wert von 26 Millionen Sesterzen wurden 1993 in der Feldstraße gefunden und werden nun im Münzkabinett vollständig ausgestellt. Auch die wissenschaftliche Aufarbeitung des sensationellen Funds ist mittlerweile weitgehend abgeschlossen und soll noch in diesem Jahr publiziert werden. Etwas im Schatten der leuchtenden Goldmünzen steht ein erst vor kurzem gefundener Schatz von 7000 Bronzemünzen, von dem ebenfalls etwa ein Drittel gezeigt wird.

Rekonstruktion und Original können im Fall der Konstantinbasilika bei einem Blick aus dem Fenster unmittelbar miteinander verglichen werden.

Doch auch Altbekanntes erstrahlt in neuem Glanz. Rund um das imposante Stadtmodell kann der Besucher einen Eindruck vom kaiserlichen Trier gewinnen. Viele der Modelle von Einzelbauwerken wurden nach dem aktuellen Stand der Forschung neu angefertigt. So braucht man nach dem Blick auf die Rekonstruktion von Konstantins Palastaula nur kurz den Kopf nach links zu wenden, um durch die Glasfront einen Eindruck von der Basilika im heutigen Kleid zu gewinnen. Überhaupt macht die Ausstellung einen hellen und freundlichen Eindruck, dezente Farben und angenehme Beleuchtung sorgen für eine Atmosphäre der Ruhe, in der man die Artefakte voll auf sich wirken lassen kann. „Wir freuen uns schon sehr darauf, den Trierern ihr Museum ab diesem Wochenende neu präsentieren zu können“, sagt Köhne hinsichtlich der Neueröffnung am kommenden Wochenende.

Als Geschenk an die Bürger, wird das Museum allen Interessierten von Freitag bis Sonntag kostenfrei offen stehen. Audioguides werden ausgegeben, so lange der Vorrat reicht. Auch das multimediale Raumtheater ‚Im Reich der Schatten‘ ist an diesen Tagen kostenlos.

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