Trier gegen den Rest Deutschlands – Zensus-Zahlen im Vergleich

Die Zahlen des Zensus 2011 sind da! 5vier Reporter Lars Eggers schnappt sich einen Taschenrechner und vergleicht die Prozente Triers mit dem Rest der Republik.

Der umstrittene Zensus 2011 hat nun ganze zwei Jahre später Zahlen ausgespuckt. Nachdem die Volkszählung mit Meldungen von gravierenden Softwarefehlern, Zensusmitarbeitern, die in Massen kündigten und vor allem fragwürdigen Inhalten und Datenschutzpraktiken von sich reden machte, können wir nun das Ergebnis der größten Zählaktion des Staates bewundern.

Gut geraten

Zensus 2

Foto: Lars Eggers

Zuerst steht aber eine andere Frage im Raum: Wie genau sind die Angaben des Zensus? Hier scheiden sich die Geister. Die einen bejubeln die Volkszählung als die genaueste Aktion aller Zeiten: „Zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland wurden beim Zensus 2011 gar nicht befragt. Dank der neuen registergestützten Methode war das beim Zensus 2011 jedoch kein Problem, diese Personen wurden bei der Zählung trotzdem berücksichtigt“, kann man auf der Seite der Volkszählung selbst lesen. Es gibt allerdings mehrere Gründe, die Zahlen mit Vorsicht zu genießen. So wurden viele Daten aus den Ämtern entnommen und berücksichtigen daher tatsächlich alle (gemeldeten) Bundesbürger – andere wurden auf Grundlage der umstrittenen Fragebögen hochgerechnet. Die nun präsentierten Zahlen bilden daher eine fröhliche Mischung aus Gesamtdaten und geschätzten Ergebnissen. Diese Taktik führt, neben einer ohnehin zu Grunde liegenden Fehlerquote, zu Fluktuationen zwischen Zahlen und Realität, welche die auf den Einwohner genauen genauen Zahlen eher zweifelhaft wirken lässt.

Trier gegen den Rest

Lassen wir aber nun die ganze Diskussion um Recht und Unrecht, Sinn oder Unsinn einfach mal bei Seite und widmen wir uns der Frage, die uns wirklich am Zensus interessiert: Wo steht Trier im Vergleich zum Rest der Republik?

Um sicher zu gehen haben wir selbst nachgezählt. Foto: Lars Eggers

Um sicher zu gehen, haben wir selbst einmal nachgezählt. Foto: Lars Eggers

Fangen wir mit der größten Zahl an: Am Stichtag, dem 09. Mai 2011, lebten laut Zensus 105.671 Menschen in Trier, das sind mehr als zur gleichen Zeit im städtischen Melderegister verzeichnet waren. Trier ist damit eine der wenigen Städte, die tatsächlich mehr Einwohner hat (immerhin fast einen Prozent) als man vor dem Zensus dachte. Damit liegen wir besser als der Rest Deutschlands, dort korrigierte der Zensus die Zahl nämlich von 81,7 Millionen, auf 80,2 Millionen Menschen. Daher schreiben wir 1:0 für Trier, zumal die Fortschreibung zeigt, dass Trier weiter wächst: Am 31. Dezember 2011 gab es schon 106.284 Trierer

Was das Geschlechterverhältnis angeht liegt Trier gut im Schnitt: 47,7 Prozent männliche und 52,3 Prozent weibliche Einwohner spiegeln den leichten weiblichen Vorsprung der Republik deutlich wider. Wir vergeben daher keinen Punkt, es steht weiterhin 1:0 für Trier.

Ganz anders sieht es bei der Überalterung der Bevölkerung aus. Hier gelingt Deutschland der Ausgleich: 9 Prozent der Bundesbürger sind über 65, in Trier sind es hingegen 18 Prozent. Unter 18 sind in Trier nur knapp 14 Prozent, in der Republik sind es 23,5 Prozent. Daher ein klares 1:1.

In der dritten Runde trumpft Trier wieder auf: es geht die Bildung. In Deutschland haben insgesamt 28,3 Prozent eine Hochschul- oder Fachhochschulreife, in Trier liegt diese Zahl bei 45,2 Prozent. Auch mit einer Hochschulabschluss-Quote von 20,6 Prozent lässt die Moselmetropole den Rest des Landes stehen. Ein verdientes 2:1 für Trier.

Auch für Singles ist Trier eine gute Stadt. Es gibt mehr als 53.000 ledige Menschen in der Stadt (50,2 Prozent), 36% Prozent sind verheiratet, der Rest ist verwitwet oder geschieden. In Deutschland sind es insgesamt nur 40,2% ledige Einwohner, dafür aber 45,5% verheiratete Paare. Ob mehr oder weniger Singles oder Verheiratete jetzt besser oder schlechter sind wollen wir nicht bewerten, bleiben wir also bei einem 2:1.

Knapp in Führung liegt Trier bei den Erwerbstätigen. Insgesamt waren im Mai 2011 54,4 Prozent erwerbstätig und 2,2% erwerbslos. Der Rest gilt als Nichterwerbspersonen (Kinder, Renter, Studenten ohne Job, etc.). Die Republik kommt mit 50,2 Prozent an Erwerbstätigen und 2,7 Prozent Erwerbslosen daher und garantiert Trier damit eine 3:1 Führung.

Zum Schluss sehen wir uns noch die Wohnungen an. Knapp 60.000 davon gibt es in Trier und sie haben eine durchschnittliche Wohnfläche von 81,6 Quadratmetern. Hier muss Trier Deutschland noch einmal einen Punkt geben, denn die durchschnittliche Wohnungsgröße im Rest des Landes liegt hier bei 90,7 Quadratmetern. Diese Differenz erklärt sich hauptsächlich durch die hohe Anzahl an Wohnheimen und Studentenwohnungen in der Stadt.

Damit holt das Land noch einmal auf und wir landen bei einem Endergebnis von 3:2. Trier ist also anderthalb mal so gut wie der Rest des Landes. Als hätten wir das nicht schon von vornherein gewusst. Fühlt ihr euch schon besser? Na bitte. Da soll noch mal einer sagen, dass der Zensus keinen Sinn hatte…

Das Siegertreppchen

Alles in allem liegt Trier laut dem Zensus leicht über dem Schnitt. Vor allem in Kategorien wie Bildung und Wachstum zeigt sich, dass die Moselmetropole tatsächlich nicht halb so hinterwäldlerisch ist, wie sie gern gemacht wird. Auch wenn sich hinter den Zahlen natürlich oft ganz andere Realitäten verbergen, so zeigen sich doch deutliche Trends – bleibt die Frage, ob dies Zahlen tatsächlich über 710 Millionen Euro wert waren.

Aber immerhin wissen wir jetzt: Ist man Trierer, dann wird man wird größer, älter und gebildeter. Was auch sonst… oder wann seid ihr das letzte Mal kleiner, jünger und ungebildeter geworden…?

 

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Kommentare (3)

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  1. Bine sagt:

    Also, Herr von Wegen, da wo ich herkomme, äußert man Kritik sachlicher. Ich weiß nicht, ob ich so einen Kommentar hätte durchkommen lassen.

    Ich wurde damals erfasst und auch wenn ich wirklich keine Lust hatte, habe ich aus Angst vor einem Bußgeld die Fragen (mit einigen erzählerischen Freiheiten soweit möglich) beantwortet und unfrei (!) zurückgeschickt. Nie wieder etwas gehört…

    Meine Eltern sind noch – ganz „Volkszählung Boykott“ – auf die Straße gegangen, irgendwie sind wir als Generation lahmer geworden.

    Ich hatte noch „Glück“, dass ich zum Umfragezeitraum nicht gerade in den USA war – immerhin arbeite ich streckenweise dort. Den Ärger hätte ich mir nicht geben wollen.

    Gepasst hat mir die Aktion nicht! Wollte ich mein Privatleben offenlegen, wäre ich in sozialen Netzwerken vertreten und würde im Internet einkaufen. Mache ich alles nicht.

    Habe mich daher sehr über die Seitenhiebe gegen das sehr fragwürdige Procedere des Zensus gefreut!

  2. Claas sagt:

    Oha, ein Tröllchen… Ist aber nett, dass selbst solche Kommentare hier freigeschaltet werden. 😉

    Ich persönlich freue mich über Artikel wie diesen – Nachfolgeartikel zu damals sehr brisantem Thema und wieder mal schön amüsant geschrieben. Weiter so!

    Habe mich schon gefragt, was die großartige Volkszählung so an Ergebnissen gebracht haben soll. Wie genau man mich als Unbefragten erfasst haben will, sollen mir die Damen und Herren Volkszählungsfans noch mal genau erklären.

  3. Perdito von Wegen sagt:

    Boh, echt? Ist das Sommerloch tatsächlich soooo groß?
    Nach dem Beitrag über’s Grillen, der sich wie die 1:1 Kopie des letztjährigen Grillartikel las nun dieser tolle Artikel.
    Das in Trier – als Universitätsstadt und Hochschulstandort – mehr Mitbürger die Hochschul- bzw.Fachhochschulreife als im Bundesdurchschnitt haben. Das muss verwundern und ist wirklich eine Meldung wert. Und auch dass Studenten vielfach zum Singledasein neigen … erstaunlich.
    Habt ihr eigentlich auch Nachrichten oder macht ihr nur Infotainment und Volkseinlullung wie die Herren Qualitätsjournalisten der Printpresse?

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