Trierer Miezen weiter im Keller der Träume

Aus der schnurrenden Katze sollte der jagende Tiger werden

Das Wäre, Hätte, Könnte und Würde – also die ganze Palette des Konditionals – bleibt weiter Bestandteil der Zukunft der Trierer Handballerinnen. Das Heimspiel gegen den BSV Sachsen-Zwickau bewies eine sog. „Wollknäuel-Mentalität“. (In unserem Artikel vor dem Spiel hat 5vier.de gefragt ob sich die Miezen  wecken lassen): Beim Spiel mit dem Wollknäuel kann es vorkommen, dass dieser von der spielenden Katze wegrollt und diese dann aufspringt, um ihn wieder zu fangen.

Trier. Eine Alternative wäre, zur Großkatze zu werden: Als Tiger auf die Punktejagt zu gehen. – Doch momentan wird die 2. Handball Bundesliga von den Handballerinnen eher als Spielwiese betrachtet. Ab und zu springen die Trierer Miezen dem Wollknäuel dann doch hinterher. Und das mit Bravour! Zumindest bewies dies das vergangene Samstagspiel in der Arena Trier:

Schwache erste Halbzeit, Sieben-Tore-Rückstand, anschließend eine grandiose Aufholjagd, allerdings ohne Happy End: Die Trierer Bundesliga-Handballerinnen verlieren nach einer Achterbahnfahrt dem BSV Sachsen Zwickau 28:29 (10:15) und warten weiter auf den zweiten Saisonsieg. Am Ende haben die Miezen das Glück nicht auf ihrer Seite, spielen allerdings eine katastrophale erste Hälfte. Eine Abwehrumstellung bringt die Wende.


Ratlos, stolz, um Haltung bewahrt: Der Trierer Vorstand Jürgen Brech wusste nach Schlusspfiff nicht so recht, wie er auf die unglückliche 28:29 (10:15)-Niederlage seiner Miezen gegen den BSV Sachsen Zwickau reagieren sollte. „Mir fehlen ehrlich gesagt die Worte. Auf der einen Seite habe ich Hochachtung für das, was die Mädels in der zweiten Halbzeit aufs Parkett gelegt haben. Auf der anderen Seite muss man natürlich über die ersten 30 Minuten reden“, so ein aufgewühlter Brech.

In der Tat ist die achte Saisonniederlage im neunten Spiel aus Sicht der Miezen schwer einzuordnen, denn während die ersten 30 Minuten alles andere als zweitligatauglich waren, brannten die Moselanerinnen nach dem 14:20 (37.) ein Feuerwerk ab, mit der man wohl jeder Mannschaft in der Liga Probleme bereiten kann. Das Zauberwort dieser Tage heißt Konstanz, und die fehlte in den ersten halben Stunde komplett. Zehn Minuten hielten die Miezen mit dem Gast aus Zwickau mit, waren beim 5:5 gut im Spiel, um anschließend das Handballspielen einzustellen.

„Ich habe keine Erklärung für das, was anschließend passiert ist“, so Trainerin Daniela Filip im Anschluss an die Begegnung gegen ihren Ex-Klub. In den folgenden 17 Minuten erzielten die Miezen lediglich zwei mickrige Treffer, während Zwickau nach Belieben schalten und walten konnte. Die Konsequenz: Ein 7:14-Rückstand (27.) und 400 ungläubige Zuschauer. „Technische Fehler und eine katastrophale Wurfausbeute “ waren nur zwei der Unzulänglichkeiten die Brech aufzählte. Mit dem 10:15-Pausenrückstand waren die Moselstädterinnen noch gut bedient.

Auch nach dem Seitenwechsel änderte sich zunächst wenig, bis zu jenem 14:20, als die Miezen endlich aufwachten und angeführt von einer Abwehrumstellung auf 5:1 endlich ins Rollen kamen. Kapitänin Judith Derbach „zerstörte“ mit ihrer Aggressivität das Spiel der Gäste und riss ihre Kolleginnen so mit. Über vier schnelle Treffer von Linsey Houben, Lucia Weibelova, Tina Welter sowie Joline Müller spielte man sich auf 18:20 (42.) heran. Zwickau wackelte nun und machte Fehler, das Publikum tat sein Übriges dazu.

Müller war es vorbehalten den 23:23-Ausgleich zehn Minuten vor Spielende zu erzielen, keine 90 Sekunden später erzielte die 22-Jährige den 24:23-Führungstreffer: Den Sieben-Tore-Rückstand wettgemacht, die Sensation lag in der Luft. „Diese Aufholjagd sollte uns zeigen, zu was wir in der Lage sind, was wir leisten können“, so Brech. Die 400 Zuschauer peitschten ihr Team nun frenetisch nach vorne, mussten aber mit ansehen, wie Müller beim 24:24 (53.) einen Strafwurf verwarf. Im Gegenzug erhielt Weibelova noch eine Zeitstrafe und Zwickau konnte seinerseits 26:24 (57.) in Führung gehen.

Zu viel an diesem Nachmittag für die Miezen, die sich nach Kräften wehrten, denen das Happy End aber versagt blieb. Mit 28:29 verliert die Filip-Sieben denkbar unglücklich, muss sich aber fragen lassen, warum man die erste Halbzeit verschlief. Am kommenden Samstag kommt es zum ersten Abstiegsgipfel: Im Derby gegen Mainz 05/Budenheim (19.30 Uhr) dürfen sich die Moselanerinnen keine schwache Halbzeit erlauben. Die Aufholjagd soll dabei Mut machen, soll für die kommenden Aufgaben Selbstvertrauen geben.

// Danke an Franziska Garcia – Pressesprecherin DJK/MJC Trier – 2. Handball Bundesliga Frauen

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