Trierer Tattoo Convention 2016

Kann ein Tattoo-Roboter den menschlichen Tätowierer ersetzen? - Die Antworten der Tätowierer

Kann ein Tattoo-Roboter den menschlichen Tätowierer ersetzen?
Die Frage haben wir uns vergangene Woche gestellt und waren auf der Trierer Tattoo Convention, um nach der Antwort zu suchen. (Link)

Die ersten Eindrücke

Die Halle ist laut und es scheint wie geschäftiges Treiben, doch beim näheren Hinsehen, erkennt man, dass die Leute gemütlich durch die Gassen der Messestände schlendern und Tätowierer hinter ihren Theken an den Ständen sitzen und mit Kunden oder Bekannten erzählen. Sieht alles recht entspannt aus. Aber woher kommt diese Lautstärke?
Es sind die bestimmt über 100 Tätowiernadeln, wenn nicht noch mehr, die alle auf einmal ein Summen wie ein großer Bienenschwarm erzeugen. Wo man hinsieht Bilder, Zeichnungen und Menschen, die sich diese gerade stechen lassen. Man sieht kaum jemanden, der keines dieser kunstvollen Bildchen am Körper trägt und wenn nicht, dann sind sie sicherlich unter Kleidung versteckt.

Tattoo Convention 2016 Trier, Foto: Marie Baum

Tattoo Convention 2016 Trier, Foto: Marie Baum

Aber ich darf eines nicht vergessen, ich habe eine Mission. Ich möchte herausfinden, was Tätowierer aus ganz Deutschland, die hier in Trier zusammenkommen, von dem Tattoo-Roboter halten. Es ist schwer meine Aufmerksamkeit darauf zu richten, denn ständig kommen mir Menschen entgegen, die ich einfach fotografieren muss. Warum? Weil sie ihre Körper zu Kunstwerken gemacht haben. Von Kopf bis Fuß tätowiert und gepierct und doch haben sie alle dabei ihren eigenen Style. Von den verrückten Klamotten einmal abgesehen. Ich bin sichtlich fasziniert. Ob sie diese wohl auch im Alltag tragen?

Ein weißes Tattoo?! Tattoo Convention 2016 Trier, Foto: Marie Baum

Ein weißes Tattoo?! Tattoo Convention 2016 Trier, Foto: Marie Baum

Tattoo Convention 2016 Trier, Foto: Marie Baum

Tattoo Convention 2016 Trier, Foto: Marie Baum

 

Mein Weg führt mich weiter zur Bühne. Ich wusste schon vorher, dass ein vielseitiges Programm geplant ist.  Eine Traube von Menschen hat sich bereits davor versammelt und gerade zeigt ein Feuerkünstler seine Kunststücke. Mit schwungvollen Handgriffen lässt er das Feuer um sich wirbeln und erzeugt tolle Lichtbilder, die mit meiner Kamera kaum zu erfassen sind.

 

Tätowierer geben Antworten

Doch nun los zu den Ständen. Ich suche mir Tätowierer, die Zeit zu haben scheinen und zeige ihnen mein Bild des Tattoo-Roboters. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass sie mir alle den Vogel zeigen und sicherlich haben sie sich das im ersten Moment auch gedacht – ein langer Tag auf der Messe und dann kommt die auch noch mit ihren verrückten Ideen- doch sie bleiben freundlich. Wahrscheinlich weil sie mich sonst nicht losgeworden wären. Aber alle erzählen sie mir das gleiche.
Die Maschine sei beim jetzigen Standpunkt der Technologie noch totaler Quatsch.

„Jede Haut ist anders. Man muss sie fühlen, die Dicke die Unebenheiten. Keine Maschine kann so präzise arbeiten wie es ein Mensch kann“, so Jan vom Tattoostudio Inside.

Mikel von Deep Devil’s Tattoo Manufaktur Höxter erzählt mir etwas Ähnliches, dass es auf die Tiefe der Haut ankäme und man nicht einfach mit der Nadel drauf los stechen könne, sondern erfühlen muss, wie die Haut des Kunden beschaffen ist.
Gut, zum jetzigen Zeitpunkt ist eine solche Maschine also Quatsch. Einer war sogar feste davon überzeugt, das Foto sei ein „Fake“.

Aber wie sieht es in 20 bis 30 Jahren aus? Mit dieser Frage bringe ich die Tätowierer ins Grübeln.

„Nun ja, wenn man sich die Fortschritte alleine in den letzten Jahren ansieht, hat es auf der Ebene der Technologie gewaltige Fortschritte gegeben. Vielleicht wäre es in weiter Zukunft möglich, den menschlichen Tätowierer nachzuahmen“, überlegt Jan.

Mit dieser Ansicht steht er nicht alleine da. Ich höre ähnliche Einschätzungen – Von Lasern bis hin zu Tastsensoren ist jede verrückte Idee dabei.

Aber Stitch In Tattoo- & Piercing Studio fügt hinzu, dass die Kunden wahrscheinlich weiterhin zu einem menschlichen Tätowierer gehen werden. Die zwischenmenschliche Beziehung fehle einfach und außerdem könne man nicht auf die Bedürfnisse des Kunden eingehen, da er unter der Maschine fixiert sein müsse und sich für Stunden nicht bewegen dürfe.
Stimmt, denn der Toilettengang und die Verschnaufpause sind gestrichen.

Fazit?

Letztendlich kann ich wie erwartet feststellen, dass die Tätowierer wenig von ihrem maschinellen Konkurrenten halten. Zum jetzigen Zeitpunkt werden sich die Kunden wohl eher ihrem Tätowierer anvertrauen als einer Maschine, da die Nachteile einfach überwiegen. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt und ob die Technologie uns bis unter die Haut geht.

Bis dahin wird noch das ein oder andere Tattoo gestochen und der ein oder andere wird sich freuen sowie der ein oder andere, der sich ärgern wird über das ein oder andere schlecht gestochene Tattoo, ganz egal, ob von einer Maschine oder einem Menschen.

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