Trouble in Tahiti: Aus dem Alltag einer Ehe

Eine Oper in 45 Minuten? Wagner würde dafür nicht einmal den Vorhang aufziehen. Doch Leonard Bernstein tut es mit einem Stück über Eheprobleme, inszeniert vom Theater Trier – und dies mit vollem Erfolg.

Carlos Aguirre, Joana Caspar

Mit „Trouble in Tahiti“, einer wie bereits erwähnt 45- minütigen Oper von Leonard Bernstein, lieferte das Theater nun nach Mac Beth eine weitere Premiere. Während der Inhalt von letzterem den meisten jedoch weitestgehend geläufig sein sollte, hat man es bei Bernsteins Werk mit einem Unbekannten zu tun. Zumindest hierzulande. Dabei ist der Inhalt ein recht brisanter und scheinbar ewig aktueller:

Sam, gespielt von Carlos Aquirre, und Dinah, gespielt von Claudia Denise Beck, führen ein beschauliches Vorstadtleben ohne nennenswerte Makel und dennoch ereilt sie ein Schicksal, das nur allzu viele kennen werden. Ihre Ehe steht kurz vor dem Aus.

Oper im Schnelldurchlauf

Bereits nach den ersten fünf Minuten, die von einem munter-fröhlichen Trio eingeläutet werden – gespielt von Thomas Kiessling, Carsten Emmerich und Joana Caspar – fliegen auf der Bühne die Fetzen zwischen dem Paar. Da wird geschrien, gestänkert und gestritten, dass die Schwarte kracht, und da das Ganze im Forum spielt, geschieht dies alles keine drei Schritte vom Publikum entfernt. Doch als wenn es beim Frühstück nicht schon heiß genug her gegangen wäre, erlebt man in den nächsten 30 Minuten wie Sam seinem unbefriedigenden Job nachgehen muss, während Dinah ihrem Psychiater ihr seelisches Unglück schildert. Es folgen ein herzzereißendes Duett, zwei gewaltige Arien, die einiges an Denkanregungen liefern und ein Finale, das ein flaues Gefühl in der Magengegend hinterlässt.

Schreien, Stänkern, Streiten

Ehestreitigkeiten als Stoff einer Oper: Claudia-Denise Beck, Thomas Kiessling, Joana Caspar, Carsten Emmerich, Carlos Aguirre

Keine leichte Kost für das Trierer Publikum. Hier erlebt man eben kein mundgerecht gereichtes Entertainment, sondern hier werden Brocken serviert, an denen man noch einige Tage zu knabbern haben wird. Dramen, die sich in anderen Opern über drei bis vier Stunden verteilen, werden hier konzentriert an den Mann und die Frau gebracht und lassen mehr feuchte Augen im Publikum zurück, als man es von Opern gewohnt ist. Und gerade deshalb lohnt sich ein Besuch dieses Stückes. Nicht nur, dass man im Forum die Chance hat, so nah an den Sängern zu sitzen, wie sonst nur selten im Theater, hier erlebt man Oper einer ganz anderen Klasse.

Nicht umsonst mussten die Sänger, deren Leistung an dieser Stelle besonders gewürdigt und gelobt werden soll, einige Minuten auf ihren Applaus warten, bis das Publikum begreifen konnte, dass dieser Ohren- und Augenschmaus bereits vorbei war.

Wer nach einem Theaterbesuch also wieder mal mit feuchten Augen und bewegtem Gemüt nach Hause gehen möchte, der ist mit „Trouble in Tahiti“ an der richtigen Adresse.

An dieser Stelle sollte jedoch trotz all des Lobes noch eine Warnung ausgesprochen werden an alle Paare, die über den Fortbestand ihrer Beziehung nachsinnen: Sie sollten dieses Stück besser erst dann aufsuchen, wenn Sie das Für und Wider ihrer Beziehung klar abgewägt haben – Vorsicht vor voreiligen Schlüssen.

Sehen kann man das Stück noch an folgenden Terminen, jeweils im Forum in der Hindenburgstraße:

  • Di, 19.10.2010, 20.00 Uhr
  • Di, 23.11.2010, 20.00 Uhr
  • So, 28.11.2010, 20.00 Uhr
  • Fr, 17.12.2010, 20.00 Uhr
  • Sa, 18.12.2010, 20.00 Uhr

Bildnachweis: Friedemann Vetter, Theater Trier

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Kommentare (1)

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  1. frank sagt:

    Das klingt ja abgefahren. Sollte man sich mal ansehen…

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