Türchen 11: Kommt eine Dose geflogen…

Ein Adventskalender im Januar? Spinnen die bei 5vier.de denn jetzt komplett? Nicht ganz, denn kaum einem Termin fiebert der fußballbegeisterte Leser am Anfang des neuen Jahres so sehr entgegen, wie dem Ende der ungeliebten Winterpause. Am 28. Januar rollt in der Region endlich wieder der Ball. Als erste Mannschaft nimmt Regionalligist Eintracht Trier wieder den Spielbetrieb auf und hofft im Heimspiel gegen Idar-Oberstein an die guten Leistungen der Hinrunde anknüpfen zu können.

Wir versuchen, euch die Wartezeit etwas zu verkürzen. In 28 Folgen präsentiert 5vier.de jeden Tag eine kleine Geschichte aus der verrückten Fußballwelt. Heute gibt es Teil 11!

Leidenschaft, wie hier bei den Fans der Eintracht, kann sich auch zum Nachteil des eigenen Vereins entwickeln (Foto: Anna Lena Grasmück)

Türchen 11: Kommt eine Dose geflogen…

Was wäre Fußball ohne die prallgefühlten Stadien, ohne seine leidenschaftlichen Fans, die jedes Wochenende alles für ihren Verein geben? Das weite Rund ist seit Jahrzehnten fest in der Hand stimmgewaltiger Zuschauer und sie werden deswegen oftmals nicht grundlos als zwölfter Mann eines Clubs bezeichnet. Diese Emotionalität hat jedoch zur Folge, dass es hin und wieder vorkommt, dass ein gedankenloser Fan Gegenstände in Richtung Spielfeld wirft. Dies hat in der Vergangenheit schon teilweise zu unschönen, aber auch lustigen oder kuriosen Situationen auf dem eckigen Grün geführt.

Selten ist wirklich die Absicht dahinter, einen Spieler oder Beteiligten auf dem Feld ernsthaft zu verletzen. Vielmehr sind Frust über die Leistung der eigenen Elf, purer Übermut beziehungsweise Dummheit oder eine Ehrenrunde zu viel an den lokalen Getränkeausgaben die Beweggründe für solche Kurzschlusshandlungen. Eine Mischung aus allen dreien dürfte es am 07. Mai 2009 gewesen sein, die einen HSV-Anhänger veranlasste, aus den weißen Pappschildern einer Fan-Choreographie eine Papierkugel zu knüllen und auf das Spielfeld zu werfen.

Uefa-Cup Halbfinale, SV Werder Bremen gegen den Hamburger SV. Das Hinspiel in Bremen gewann der HSV mit 1:0 und trat hoffnungsfroh zwei Wochen später vor heimischer Kulisse das Rückspiel an. Man ging auch wie erwartet durch ein schönes Tor früh in Führung, abgeschlossen von Stürmer Ivica Olic. Doch dann begann eine Geschichte, wie sie nur der Fußball schreiben kann.

Bremen gab sich in alter Europapokaltradition nicht auf und kämpfte aufopferungsvoll gegen das Ausscheiden an. In der ersten Halbzeit gelang ihnen dann auch der verdiente Ausgleichstreffer und in der 66. Minute schließlich stellte der Bremer Pizza(ro)-Express zur 2:1 Führung zu. Mit diesem Zwischenstand wäre der HSV ausgeschieden. Hamburg machte daraufhin Druck, wollte das so wichtige Remis erzwingen. Doch dann die 82. Minute: HSV-Verteidiger Michael Gravgaard versuchte einen ungefährlichen Ball vor der eigenen Grundlinie weit in die Bremer Hälfte schlagen, doch das Leder sprang über die auf dem Feld liegende Papierkugel. So erwischte der Däne den Ball nicht richtig und dieser segelte zur Ecke für Bremen ins Aus.

Der Rest ist Geschichte…. Bremen verwandelte die anschließende Ecke zum 3:1 und zog Dank der „Papierkugel Gottes“ in das Finale des Uefa-Cups ein.

Ein häufiges Opfer von Wurfgegenständen war Welttorhüter Oliver Kahn. Nicht selten musste er vor Spielbeginn als erste Amtshandlung seinen Sechszehner von Bananen befreien (Beweisfoto A).

Aber es war nicht nur Obst, mit dem sich der Titan immer wieder herumärgerte. Im Spiel gegen den SC Freiburg wurde er von einem Golfball an der Schläfe getroffen und sank anschließend blutend zu Boden. Aber Oliver Kahn wäre nicht Oliver Kahn, wenn er sich nach diesem Vorfall hätte vom Platz tragen lassen. Wie ein Kämpfer der Alten Schule biss er die Zähne zusammen und stand tapfer bis zum Abpfiff noch zwischen den Pfosten.

Unschön und für die restlich Fans sehr ärgerlich wird es, wenn ein solcher Wurf das vorzeitige Ende einer Partie bedeutet. Wie zuletzt bei der Partie FC St. Pauli und Schalke 04. St. Pauli musste zur Strafe das erste Heimspiel der diesjährigen Zweitligasaison in Lübeck austragen, der Becherwerfer wurde zu einer Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt.

Doch dieses Fehlverhalten ist kein Phänomen der Neuzeit. 1971 spielte Borussia Mönchengladbach im Pokal der Landesmeister gegen die damals Übermächtigen von Inter Mailand. Gladbach gewann zwar am Ende 7:1, doch der Erfolg war nichts wert. Der Mailänder Roberto Boninsenga wurde im Verlauf der Partie von einer leeren Coladose getroffen und sank in bekannter italienischer Manier wie vom Blitz getroffen zu Boden. Doch seht selbst…

Das Wiederholungsspiel in Berlin endete übrigens 0:0 und Gladbach schied aus dem Pokalwettbewerb aus. Es bleibt zu hoffen, dass solche Szenen irgendwann nur noch der Vergangenheit angehören, ohne dass in allen Stadien Fangnetze die Sicht aufs Spielfeld trüben müssen.

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Kommentare (1)

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  1. Torsten sagt:

    Anm. d. Red.: Danke für den Hinweis Torsten, der Fehler wurde korrigiert!

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