Türchen 14: Wenn Fußball zum Handwerk wird

Ein Adventskalender im Januar? Spinnen die bei 5vier.de denn jetzt komplett? Nicht ganz, denn kaum einem Termin fiebert der fußballbegeisterte Leser am Anfang des neuen Jahres so sehr entgegen, wie dem Ende der ungeliebten Winterpause. Am 28. Januar rollt in der Region endlich wieder der Ball. Als erste Mannschaft nimmt Regionalligist Eintracht Trier wieder den Spielbetrieb auf und hofft im Heimspiel gegen Idar-Oberstein an die guten Leistungen der Hinrunde anknüpfen zu können.

Wir versuchen, euch die Wartezeit etwas zu verkürzen. In 28 Folgen präsentiert 5vier.de jeden Tag eine kleine Geschichte aus der verrückten Fußballwelt. Heute gibt es Teil 14!

Türchen 14: Wenn Fußball zum Handwerk wird

Im Regelwerk des DFB steht geschrieben: „Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball mit seiner Hand oder seinem Arm absichtlich berührt. Der Schiedsrichter achtet bei der Beurteilung der Situation auf:

– die Bewegung der Hand zum Ball (nicht des Balls zur Hand),
– die Entfernung zwischen Gegner und Ball (unerwartetes Zuspiel),
– die Position der Hand (das Berühren des Balls an sich ist noch kein Vergehen).“

Dass die Beurteilung eines solchen Vergehens für die Schiedsrichter nicht immer einfach ist, hat die Vergangenheit uns zigfach bewiesen. Und so hat es manches spielentscheidende Handspiel in die Geschichtsbücher des Fußballs geschafft.

Es war der 33. Spieltag am 29. April 1998. Der 1. FC Köln stand in seiner Vereinschronik unmittelbar vor seinem ersten Abstieg aus der Bundesliga. Ein Sieg auf Schalke musste her, um den bitteren Gang in die zweite Spielklasse zu verhindern. Das Spiel lief zunächst auch nach dem Geschmack der Geißböcke: Sie kämpften wacker und hatten die gesamte Partie Oberwasser, nur der Ball wollte nicht den Weg in das königsblaue Tor finden.

Nach 80 gespielten Minuten stand es immer noch 0:0. Zu wenig für die Rheinländer, um die Abstiegsränge zu verlassen. Plötzlich fiel ein Abpraller dem Kölner René Tretschok 16 Meter vor dem Schalker Gehäuse vor die Füße. Dieser fackelte nicht lange und der Ball flog für Schlussmann Jens Lehmann unerreichbar in Richtung Winkel. Der Anhang des FC riss schon freudestrahlend die Arme in Höhe, als plötzlich Schalke-Abwehrspieler Oliver Held emporstieg und für jeden Zuschauer unübersehbar den Ball mit der Hand über die Latte lenkte. Ein Schiedsrichterpfiff blieb zur Überraschung aller aus.

Ein Skandal! Nach heftigen Protesten seitens der Kölner befragte der Unparteiische Uwe Kemmling den blonden Übeltäter, der allerdings die Tat leugnete. Und wer die Gesetze des Fußballs kennt, weiß wie die Geschichte anschließend weitergehen musste: Schalke schoss noch das 1:0 und Köln stieg am Ende der Spielzeit ab. Legendär wurde Toni Polsters Kommentar direkt nach Spielschluss über den Buhmann Oliver Held: „Dafür soll er in seinem ganzen Leben kein Glück mehr haben“, echauffierte sich der Stürmer in schönstem österreichisch.

Was wohl nach Abpfiff in Irlands Kabine von statten ging? Kein geringerer als Maestro Giovanni Trappatoni war Coach der Iren, als diese durch ein rotzfreches Handspiel von Frankreichs Nationalstürmer Thierry Henry die Qualifikation zur WM 2010 in Südafrika verpassten. Es war die 103. Spielminute des Relegationsspiels um das letzte Ticket zur Weltmeisterschaft. Irland führte mit 1:0 und träumte schon von Vuvuzelas und dem südafrikanischen Klima. Aber ein weit geschlagener Verzweiflungsball der Tricolore in den Strafraum der Iren holte sie schlagartig in die Realität zurück. Diesen Ball nämlich stoppte der frühere Weltmeister Henry klar erkennbar mit der Hand, bevor er quer legte auf William Gallas, der zum 1:1 Endstand einschob. Frankreich war qualifiziert, Trapp kochte vor Wut.

Ein Handspiel, über das schon viel geschrieben wurde, das aber natürlich nicht fehlen darf, war jenes von Fußballgenie Diego Armando Maradona. Die weltberühmte „Hand Gottes“.

Das ein Weltklassetorhüter wie Oliver Kahn seinen Sechszehner mit seinen Fäuste regierte, ist allgemein bekannt. Das er aber auch, wenn er selbst mal auf Torejagd im gegnerischen Strafraum ging, ein Vollblutkeeper durch und durch blieb, bewies er einmal in seiner Laufbahn. (Leider ist die Aufzeichnung des titan’schen Torhungers nur in bescheidener Qualität verfügbar)

Ein lustiges Handspiel muss nicht immer mit der Berührung des Spielgeräts zusammenhängen. Dies veranschaulichten uns Deutschlands beste Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus und Herthas Fußballprofi Peter Niemeyer in der Zweitligasaison 2010/11.

Während der Frauen-Fußball-WM 2011 fiel häufiger folgender Satz: „Man sollte Männer- und Frauenfußball nicht miteinander vergleichen. Frauenfußball ist als eigenständige Sportart zu betrachten.“ Folgende Hand-(bei)spiele können diese Aussage durchaus belegen.

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