Türchen 25: „Das Spiel in Hamburg ist wohl aus!“

Ein Adventskalender im Januar? Spinnen die bei 5vier.de denn jetzt komplett? Nicht ganz, denn kaum einem Termin fiebert der fußballbegeisterte Leser am Anfang des neuen Jahres so sehr entgegen, wie dem Ende der ungeliebten Winterpause. Am 28. Januar rollt in der Region endlich wieder der Ball. Als erste Mannschaft nimmt Regionalligist Eintracht Trier wieder den Spielbetrieb auf und hofft im Heimspiel gegen Idar-Oberstein an die guten Leistungen der Hinrunde anknüpfen zu können.

Wir versuchen, euch die Wartezeit etwas zu verkürzen. In 28 Folgen präsentiert 5vier.de jeden Tag eine kleine Geschichte aus der verrückten Fußballwelt. Heute geht es im 25. Türchen um legendäre Finalspiele.

Das Warten der Fans hat sich in einigen Finalspielen schon gelohnt. Foto: Anna Lena Grasmück

1) Kehrtwende mit „Didi“

Es war die traurige Enthüllung der Woche, als der ehemalige Nationalspieler Didi Hamann in seiner Autobiographie veröffentlichte, Probleme mit Alkohol und Spielsucht gehabt zu haben. Eine gute Nachricht ist hingegen, dass Hamann diese Krise in den Griff bekommen hat. Wer an die sportlichen Erfolge des Bayern denkt, erinnert sich gerne an das Jahr 2000, als der Mittelfeldspieler im Wembley-Stadion zugleich das letzte Tor zum 1:0-Sieg der Nationalelf schoss.

Als für den Neubau des traditionsreichen Londoner Stadions ein Name für die neugebaute Brücke auf dem Grundstück gesucht wurde, lagen Vorschläge deutscher Fans mit der „Dietmar-Hamann-Bridge“ weit vorne. Doch die Engländer, eigentlich für ihren Humor bekannt, zeigten wenig Verständnis für diesen Spaß. Vielleicht hätten sie es sich 2005 anders überlegt, als Hamann bei einem der legendärsten Finalspiele aller Zeiten ein Hauptakteur war. 0:3 lag sein FC Liverpool gegen den AC Mailand in der Champions League hinten, als Hamann eingewechselt wurde. Auch seinem Willen war es zu verdanken, dass die „Reds“ den schier aussichtslosen Rückstand innerhalb von sechs Minuten in ein 3:3 umwandelten und das Elfmeterschießen gewannen. Natürlich nicht ohne einen Elfer von Didi Hamann.

2) Wohin mit den Sieger-Kappen?

Englische und deutsche Mannschaften scheinen generell die spektakulären Endspiele zu lieben. Das 4:2 der Nationalmannschaft 1966 gegen Deutschland mit dem Wembley-Tor ist hinlänglich bekannt, ebenso das „Wunder von Bern“ aus dem Jahre 1954. Die Dramaturgie, die 1999 aber im Landesmeister-Finale zwischen Manchester United und Bayern München geschrieben wurde, ist wohl auf Ewigkeiten unübertrefflich. 1:0 führten die deutlich überlegenen Bayern durch einen Freistoß von Mario Basler. Doch in der Nachspielzeit zitterten plötzlich die Knie. Der Rest ist Geschichte. Einwechselspieler Teddy Sheringham staubte nach einer Ecke zum 1:1 ab, Sekunden später hielt Joker Ole Gunnar Solskjær den Schlappen hin, 2:1. Basler lag da schon fassungslos am Spielfeldrand mit einer schicken, aber nutzlosen Champions-League-Sieger-Kappe. Und UEFA-Präsident Lennart Johansson soll einer Legende zufolge auf seinem Weg durch die Katakomben des „Nou Camp“ in Barcelona beide ManU-Tore verpasst und sich über den Siegerschmuck  ziemlich gewundert haben.

3) Der Vier-Minuten-Meister

Doch die Bayern holte das Glück zwei Jahre später wieder ein. Im wohl spannendsten Bundesliga-Finale aller Zeiten reichte ihnen beim HSV ein Punkt, um Meister zu werden. Doch in der 89. Minute köpfte Sergej Barbarez zum 1:0 ein. Auf Schalke wurde schon gefeiert, Fans stürmten den Platz, Manager-Assistent Andreas Müller streifte sich zum Dank ein HSV-Trikot über und streckte es glücklich in die Kameras. Verantwortlich für den Freudentaumel war auch Premiere-Moderator Rolf Fuhrmann, der Müller im Interview sagte, das Spiel in Hamburg sei „wohl aus“. Und während sich die Königsblauen in ihrer Ekstase küssten und herzten, wurde plötzlich auf der Videowand das noch laufende Spiel der Bayern eingeblendet. Und der Freistoß von Patrick Andersson zum 1:1, der den Schalkern die Meisterschaft nach nur vier Minuten wieder entführte. Die Dramatik hat Premiere einst in einer Gänsehaut-Reportage verarbeitet.

4) Erfolge gegen Inter und Juve – Pleite gegen Trier

Aber ein Trost: 1997 legten auch die Schalker Eurofighter ein unvergessliches Finale hin und bezwangen Inter Mailand im Elfmeterschießen zum UEFA-Cup-Sieg. Als krasser Außenseiter besiegten sie Inter Mailand im Elfmeterschießen im San Siro. Im gleichen Jahr war die Sternstunde von Youngster Lars Ricken, der in Werbespots vor „Männern in Nadelstreifen“ warnte und beim 3:1-Erfolg gegen Juventus Turin im Champions-League-Endspiel ein Jahrhunderttor erzielte. Wenige Monate später wurde beiden Revierklubs im DFB-Pokal aber ein ganz anderes Kaliber zum Verhängnis. Bei Eintracht Trier flogen beide raus.

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