Türchen 8: „Skandal!“ oder „Wenn Fußballer ausrasten“

Ein Adventskalender im Januar? Spinnen die bei 5vier.de denn jetzt komplett? Nicht ganz, denn kaum einem Termin fiebert der fußballbegeisterte Leser am Anfang des neuen Jahres so sehr entgegen, wie dem Ende der ungeliebten Winterpause. Am 28. Januar rollt in der Region endlich wieder der Ball. Als erste Mannschaft nimmt Regionalligist Eintracht Trier wieder den Spielbetrieb auf und hofft im Heimspiel gegen Idar-Oberstein an die guten Leistungen der Hinrunde anknüpfen zu können.

Wir versuchen, euch die Wartezeit etwas zu verkürzen. In 28 Folgen präsentiert 5vier.de jeden Tag eine kleine Geschichte aus der verrückten Fußballwelt. Heute gibt es Teil 8!

{link url="http://5vier.de/comics/redax-vom-leben-und-leiden-einer-online-redaktion-folge-10"}Redax, Folge 10 (Zeichnung: Michael Roos){/link}

Türchen 8: Wenn Fußballer ausrasten

Das Fußball jede Menge mit Emotionen zu tun hat, lässt sich kaum leugnen. Auf den Fußballplätzen dieser Welt geht es oftmals hoch her, „High Noon“ auf dem heiligen Rasen sozusagen. Dass Spieler oder auch Trainer ihrem Frust freien Lauf lassen, kann man ihnen auch beinahe nicht übel nehmen. Dumm nur, dass im medial besonders beachteten Fußball auch fast immer Kameras in der Nähe sind, die die Spieler bei ihren emotionalen Ausreißern in Richtung Hölle auf Schritt und Tritt beobachten.

In den letzten Jahren wurden Ausraster, wie wir sie Ihnen gleich präsentieren, zumindest auf dem Platz und unmittelbar nach dem Spiel zu einer echten Rarität. Fast kein Verein der Bundesliga kann es sich noch leisten, solch rüpelhaftes Benehmen in seinen eigenen Reihen zu tolerieren, auch wenn es in einigen Situationen durchaus angebracht gewesen wäre. Medienberater coachen Spieler und Trainer in Sachen Umgang mit Journalisten und Fernsehreportern, die in ihren Berichten nur zu gerne auf Skandale zurückgreifen.

Doch es gab sie auch, die Zeiten in denen Fußballer ihrem Wut einfach freien Lauf und via Kamera die ganze Welt daran teilhaben ließen. So geschehen am 10. September 1999 in Rostock bei der Bundesliga-Partie zwischen der heimischen Hansa und der Bundesliga-Eintagsfliege SSV Ulm. Doch warum erlangte die Partie solchen Seltenheitswert? Nunja, in Rostock gab es nicht nur Tore, sondern auch Platzverweise, jede Menge Dramatik und einen ganz besonderen „Skandal.“ Nach nur vier Minuten führte die Hansa-Kogge mit 1:0, doch der Spielstand sollte schnell unwichtig werden. Denn kurz vor der Halbzeit schickte Schiedsrichter Herbert Fandel Ulms Hans van der Haar mit Gelb-Rot vom Feld. Nach knapp 60 Minuten dann Platzverweis Nummer zwei gegen Ulm: Dieses Mal traf es Uwe Grauer, ebenfalls Gelb-Rot.

Nun wurde es noch rauer: Nach 77 Minuten musste Ulms Trainer Martin Andermatt auf die Tribüne, kurz darauf wurde der gerade erst eingewechselte Evans Wise wegen groben Foulspiels mit der Roten Karte zum Duschen geschickt. Deswegen ärgert sich Ulms Manager Erich Steer dermaßen, dass er sich gleich zu seinem Trainer auf die Tribüne gesellen durfte. Ulm glich mit nur noch acht Spielern durch Janusz Gora sogar noch aus, ehe die Nachspielzeit die Krönung brachte: Ulms Verteidiger Janos Radoki flog wegen einer Notbremse mit der Roten Karte vom Feld und Victor Agali besorgte den späten Sieg für Rostock. Direkt danach war Schluss.

Nach diesem denkwürdigen Spiel erlebten die Zuschauer dann wieder einmal einen dieser Momente, in denen Fußballer ihre Wut nicht unter Kontrolle hatten. Janusz Gora, der immerhin den Ausgleich erzielte, brüllte nach Spielende „Skandal“ in die Kameras und erlangte so vor allem durch die Fernsehsendung „TV Total“ Berühmtheit, da Moderator Stefan Raab den Ausraster als einen seiner bekannten Nippel nutzte.

Gleich zwei Mal hat es Lothar Matthäus in unsere Zusammenstellung geschafft. Zum ersten Mal bewarb sich „Loddar“ zu seiner Zeit als aktiver Spieler beim FC Bayern München für die Kategorie „Bester ausrastender Spieler“. Die Szenen gehen zurück in die Saison 1994/1995, als Matthäus mit seinen Münchnern beim Karlsruher SC antreten musste. Bis zur 90. Minute führten die Bayern noch mit 2:1, doch dann wurde Samuel Kuffour vom Platz gestellt. Der sensationelle Grund: „Unangemeldetes Betreten des Platzes.“ Danach fiel auch noch der Ausgleich und Schiedsrichter Helmut Krug pfiff sofort ab.

Nach Spielende war Matthäus dann nicht zu bremsen, seine Äußerungen brachten ihm prompt eine Sperre durch den DFB ein. Doch hören Sie besser selbst:

Lothars Ausraster Nummer zwei datiert aus dem Jahr 2010: Zum Rückspiel des Champions League-Achtelfinals zwischen Bayern München und Inter Mailand (2:3) am 15. März, wurde Matthäus kurzfristig vom arabischen TV-Sender als Fußball-Experte eingeladen. Dafür buchte der deutsche Rekordnationalspieler extra seinen Flug um und sagte unter anderem einen Trip nach London ab. Doch im Sendestudio teilte man Matthäus dann mit, er würde nicht gebraucht. Ihm platze der Kragen, per Telefon wurde der Aufnahmeleiter des Senders zusammengestaucht. Natürlich in bestem Englisch.

Wer dieser ominöse Mister Nasser ist oder ob er in Wirklichkeit Mister Nassa oder Mister Nasha heißt, können wir abschließend nicht beurteilen. „You masst tu pripär yourself bedda“, würde Lothar uns jetzt zurufen!

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