Über Bomben und Zukunft

Josef Cinar und Jermaine Bucknor im Interview (3)

Wenn so erfahrene Sportler aufeinander treffen, werden nicht nur Phrasen gedroschen, sondern Geschichten erzählt, die einem den Atem rauben können. Nachdem sich Josef Cinar und Jermaine Bucknor über ihre Wurzeln und Karriereverläufe unterhielten, folgen nun die Auslandserfahrungen, die die Zwei sammelten.

Jo, du hast bereits erwähnt, wie wichtig Stabilität für dich ist. In deiner Zeit in der Südtürkei hast du mit deiner Frau in einem der größten Krisengebiete der Welt gelebt. Dort ging es nicht nur um finanzielle Stabilität. Wie war das für dich?

Cinar: Wir haben die erste Flüchtlingswelle hautnah mitbekommen. Eltern mit ihren Kindern an den Händen, voller Angst in den Augen. In den drei Jahren die ich in der Stadt lebte, gingen vier Bomben hoch. Oft wurde gesagt, man solle seine Wohnung nicht verlassen. Das Erstaunliche war, dass es für die Menschen die dort lebten nichts Ungewöhnliches war. Sie gingen trotzdem einkaufen und essen. Sie haben ihr Leben nicht geändert. Es waren fromme Muslime die sagten: „Was passiert, das passiert.“ Sie haben es Gott überlassen.

Josef Cinar Foto: Eintracht Trier / Hans Krämer

Wir riefen einmal den Arzt an, ob wir vorbei kommen können, damit meine schwangere Frau untersucht werden kann. Er antwortete: „Klar, kein Problem, kommt vorbei.“ Wir gingen los und liefen an Panzern vorbei und fragten ihn später, warum die hier stehen. „Weil es eine Bombenwarnung gab.“ Meine Frau und ich waren geschockt über die Situation, für den Arzt war es völlig normal… Die Familie meiner Frau wollte unbedingt, dass wir zurück nach Deutschland kommen. Gott sei Dank ist uns nichts passiert.

Bucknor: Wow, das ist unglaublich. Das sind Sachen, über die sich die meisten Menschen überhaupt keine Gedanken machen. In Argentinien gibt es auch viele gefährliche Ecken. Du hörst ständig in den Nachrichten von Überfällen auf offener Straße, aber die Menschen dort leben einfach damit. Durch solche Erfahrungen weißt du einen Standort wie Trier auch noch mehr zu schätzen. Es gibt sicher Standorte an denen man verdienen könnte, aber dafür hast du andere Dinge, für die es sich hier zu leben lohnt.

So langsam läuft die Uhr für Jupp ab, obwohl er gerne bleiben würde. Aber er möchte natürlich auch nicht die Jugendspieler warten lassen, die er zwei Mal die Woche trainiert. Und da wir das Gespräch nicht so erdrückt enden lassen möchten, wechseln wir nochmal das Thema.

Ihr seid nicht mehr die Jüngsten und müsst für eure Zeit nach der aktiven Karriere planen. Wie sehen eure Planungen diesbezüglich aus?

Cinar: Ich fernstudiere seit fünf Monaten, ich möchte Sportfachwirt werden. Außerdem habe ich begonnen die Trainerlizenz zu machen, Beides mache ich nebenher. Außerdem arbeite ich für die FSB Spielerberatung GmbH, ich bin da für das Scouting junger Spieler und die Spielanalyse zuständig. Mein Ziel ist es auch weiter im Fußballbereich zu arbeiten, weil ich Fußball liebe. Aber das möchte jeder, es ist nicht einfach. Doch ich habe auch schon von Anfang an mit dem Verein gesprochen und sie schauen nach Möglichkeiten, ob und wie ich eine Position in Zukunft bekleiden kann.

Jermaine Bucknor und Josef Cinar sind für das Ungewisse gewappnet

Aber es ist und bleibt ein Geschäft, das sich von Tag zu Tag verändern kann. Eine Tür kann auf gehen, eine andere wieder zu. Daher versuche ich einfach möglichst auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.

Jo muss nun wirklich los. Die zwei Sportler verabschieden sich herzlich voneinander, da Josef jetzt doch schon zu spät dran ist. Sie fragen sich noch gegenseitig wo man in Trier wohnt und unterhalten sich darüber, wie der Kontakt aufrecht erhalten werden kann. Es kommen schon Ideen auf, was man in der Zukunft zusammen veranstalten könnte, was wir an dieser Stelle aber noch nicht vorweg nehmen möchten. Aber ihr dürft gespannt sein. Das Interview endet dann unter vier Augen.

Okay, Jermaine, was sind denn deine Pläne für die Zukunft?

Kommunikationsprofi Jermaine Bucknor bei der Arbeit.
Foto: RÖMERSTROM Gladiators Trier

Bucknor: Ich habe an der University of Richmond eine Lehrer- und Kommunikationsausbildung gemacht. Daher schaue ich unter anderem nach internationalen Schulen. Aber ich würde natürlich auch sehr gerne im Basketballbereich bleiben. Ich hatte immer die Leidenschaft mit jüngeren Spielern zu arbeiten, da hilft mir die Ausbildung von damals sehr. Es gab auch schon Gespräche mit Christian (Held, Co-Trainer und baldiger Headcoach der Gladiators) um im Coaching-Team mitzuhelfen. Das könnte ich mir ebenso in Kanada und den USA vorstellen.

Wie zum Beispiel James Gillingham (ehemaliger Spieler der TBB Trier sowie Freund und Nationalmannschaftskollege von Jermaine Bucknor)?

Bucknor: Genau. Es ist eine schwierige Entscheidung. Du musst dir bewusst sein, was du in deinem neuen Leben machen möchtest. Es gibt einige Ideen und Möglichkeiten, ich spreche da auch viel mit meiner Frau. Ich glaube es ist für keinen leicht, den Wechsel vom Athleten hin zu einer anderen Tätigkeit zu stemmen. Ich will so gut wie möglich darauf vorbereitet sein.

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