Freizeit: „Und sie fiel in einen hundertjährigen Schlaf“ – Theater-Premiere

Wer kennt sie nicht? Die Geschichte von der Königstochter und der Spindel, an der sie sich stach und in einen hundertjährigen Schlaf fiel. Der berühmte Peter Tschaikowsky kannte sie und zauberte aus dem märchenhaften Stoff ein ebenso märchenhaftes Ballett, das nun Premiere in Trier hatte.

Juliane Hlawati als Lila Fee. Foto: Theater Trier

Am 17. Dezember wartete das Theater Trier mit der Premiere des ersten Tanztheaterstückes für diese Spielzeit auf: Dornröschen von Peter Tschaikowsky, das uns Zuschauern die Wartezeit bis Weihnachten versüßen soll.

Als Dornröschen, oder besser Prinzessin Aurora, wie Tschaikowsky sie benannte, tanzte Christin Braband. Als ihre gute Patentante, die lila Fee, sah man Juliane Hlawati, als böse Fee Noala de Aquino und als Dornröschens Prinz Desiré Robert Seipelt.

Zum Inhalt: Nach langen Jahren der Kinderlosigkeit haben König Florestan (Reveriano Camil) und seine Königin (Cécile Rouverot) doch noch eine Tochter bekommen: Aurora. Um ihre Geburt angemessen zu feiern lädt das Königspaar nicht nur den gesamten Hofstand (Erin Kavanagh, Susanne Wessel, Denis Burda, Robert Seipelt) ein, sondern auch drei gute Feen, die rote (Natalia Grützmacher), die grüne (René Klötzer) und die lila Fee (Juliane Hlawati). Aber was wäre eine Party ohne jemanden den man ausschließt? Carabosse, die böse Fee, wird nicht eingeladen, was sie nicht gerade freundlich gegenüber dem Neugeborenen stimmt.

Dornröschen ein bisschen anders

Im Märchen verflucht die böse Fee Dornröschen, sie solle sich an ihrem 16. Geburtstag mit einer vergifteten Spindel in den Finger stechen und sterben. Die gute Feen-Patentante kann den Fluch gerade noch abmildern, statt zu sterben soll Dornröschen zusammen mit dem gesamten Königreich in einen hundertjährigen Schlaf fallen. Nur der Kuss wahrer Liebe kann sie wieder erwecken.

Im Theater Trier wurde dies etwas anders gelöst: Statt sie mit einer vergifteten Spindel in den Finger zu pieksen, schleicht sich Carabosse während der Festlichkeiten zu Auroras 16. Geburtstag auf das Schloß und verteilt kleine Fläschchen unter den Gästen, die daraufhin nur noch so durch die Gegend wirbeln und tanzen. Aurora ist sofort fasziniert von dem Unbekannten und seinen Fläschchen. Sie nimmt eines an, leert es mit einem Zug aus, tanzt wild und fällt schließlich, genauso wie die anderen berauschten Gäste in einen dämmrigen Schlaf.

Klingt nach KO-Tropfen und verleiht Carabosse das Image eines Dealers. Das ihn und das Stück jedoch nicht entzaubert – den zauberhaften Requisiten mit den leuchtenden Gläsern sei Dank. Nur die lila Fee erwacht wieder, doch da ist Carabosse mit Aurora schon verschwunden. Er verschleppt sie an einen geheimen Ort, an dem ihm die Schlafende hilflos ausgeliefert ist, bis sich einer von Carabosses Dienern in sie verliebt und ihnmithilfe der lila Fee besiegt.

Carabosse als Drogendealer

Aurora und Carabosse (Christin Braband und Noale de Aquino). Foto: Theater Trier

Ende gut alles gut, könnte man denken. Doch auch bei den Feierlichkeiten zur Verlobung von Aurora und ihrem Prinzen Desiré taucht Carabosse mit seinen seltsamen Fläschchen wieder im Hintergrund auf. Und die Party kann wieder steigen. Gut ausgegangen ist die Premiere letztendlich jedoch für das Publikum, die von der Machart des Stückes begeistert waren.

Dabei sah es noch vor vier Tagen so schlecht aus für die Premiere. Der eigentliche Regisseur und Choreograph Tarek Assam verließ im beiderseitigen Einvernehmen das Theater Trier und ließ ein unfertiges Stück zurück. Drei Tage vor der Premiere übernahm Hauschoreograph Sven Grützmacher und stellte innerhalb dieser Zeit fast den kompletten zweiten und dritten Akt. Dabei achtete er darauf, diesen nicht eine komplett neue Handschrift aufzudrücken, sondern versuchte Bewegungsabläufe und den Stil des eigentlichen Regisseurs in seinen Teil der Inszenierung mit ein fließen zu lassen.

Kleine Unterschiede sind zu erkennen

Trotzdem erkennt man einige Unterschiede zwischen dem Teil vor und nach der Pause. Während der erste Akt chaotischer ist und man als Zuschauer oft nicht recht weiß wohin man nun zuerst schauen soll, wirkt der zweite Teil konzentrierter, entschlackter und insgesamt flüssiger.

Hut ab, vor so viel konzentriertem und kreativem Schaffen von Sven Grützmacher. Ein ebenso großes Lob an die wie immer guten Tänzer des Theaters Trier, besonders die Rolle der Prinzessin Aurora, die nicht die verträumte Prinzessin gibt, sondern wie jede 16jährige frech ist, ein bisschen rebelliert und gerade auch ihre ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht macht. Dabei hat ihre gute Fee stets ein fürsorgliches Auge auf sie geworfen, Juliane Hlawati sticht als lila Fee heraus, die mal kämpferisch eingreift, mal mütterlich zur Seite steht.

Wie immer war allerdings der Bad Guy der Liebling der Massen: Noala de Aquino, als böse Fee, der nicht nur optisch einen schönen Kontrast zur glitzernden Welt der Guten darstellt. Besonders im zweiten Teil kommt sein tänzerisches Talent zur Geltung.

Zwei Handschriften

Aurora und ihr Prinz (Robert Seipelt). Foto: Theater Trier

Für das Schillern und Glitzern der Kostüme war Gabriele Kortmann zuständig. Sie entwarf die Kostüme, die zwar nicht an das klassische Prinzessinenkleid erinnern, aber trotzdem märchenhaft sind. Durch die Kostüme wird eine klare Unterteilung der Rollen erreicht, die nebenher einiges zu den Figuren erzählen. So ist Auroras eher mädchenhaft, während die Kostüme der Feen einen wilden, anderweltlichen Charakter behalten. Die weißen Kostüme des Hofstaats mit dem goldenen, glitzernden Besatz, verleihen den Tänzern etwas aristokratisches, sind aber wiederum stark einheitlich und unterstreichen einen gewissen versnobten Unterton.

Das Bühnenbild von Fred Pommerehn erhält einen besonderen Clou durch die grünen Leuchtröhren, die langsam herabgesenkt werden, während Aurora und ihr Hofstaat in Schlaf verfallen. Eine gelungene Lösung für das Problem „Dornenhecke“.

Ein besonderer Leckerbissen ist die eingearbeitete Musik, bekannt durch Paulchen Panther und Mission Impossible. Natürlich muss man sich fragen ob die Melodie des „Pink Panther“ und der Titelsong eines Actionfilmes wie „Mission Impossible“ zum klassischen Tschaikowsky passen, doch in diesem Fall wurde es gut gelöst und die verschiedenen Richtungen fügen sich über die Bewegungen der Tänzer, zwar eher im zweiten als im ersten Teil, ineinander. An dieser Stelle sei das Orchester unter der Leitung von Valtteri Rauhalammi lobend erwähnt, das ebenfalls großen Beifall erhielt.

Insgesamt ist dieses Stück sehr sehenswert, vor allem wenn man bedenkt, unter welchen Umständen es entstanden ist. Der erste Akt ist zwar chaotisch, vermag aber doch eine Geschichte zu erzählen. Nach der Pause ändert sich der Stil dann ein wenig und wirkt strukturierter und konzentrierter.

Fazit: Kein klassisches Märchen, aber dennoch bezaubernd.

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