Unterleuten: Der 5vier Literaturtipp

Der neue Roman von Juli Zeh

Unterleuten. Ein kleines Dorf, irgendwo in Ostdeutschland. Auf den ersten Blick wirkt es friedlich, auf den zweiten tuen sich jedoch tiefe Abgründe auf, erstrecht als in der Nähe von Unterleuten ein Windkraftpark gebaut werden soll.

Unterleuten ist ein kleines Dorf irgendwo in Ostdeutschland. Es scheint so spießig, dass es in der Belanglosigkeit zu verschwinden droht. Aber der Schein trügt. Bei Unterleuten handelt es sich um einen Schmelztiegel, in dem verschiedenste Bevölkerungsgruppen aufeinanderprallen. Wendeverlierer und –gewinner, Gutmenschen, Altkommunisten, Großstadtflüchtige, angehende Unternehmer und ein millionenschwerer Investor, der mit dem Dorf eigentlich nichts zu tun haben will.

Die Hölle öffnet sich in diesem also ganz und gar nicht belanglosen Dorf, als auf dessen Feldern ein Windpark errichtet werden soll. Die einen fürchten sich davor, die anderen hoffen davon zu profitieren. In den einzelnen Kapiteln wird die Geschichte dieser Zerreisprobe für das Dorf aus individuellen Blickwinkeln der verschiedenen Bewohner des Dorfes erzählt. Landwirt Gombrowski hofft, mit den Einnahmen aus der Windkraft die Erträge seines lahmenden landwirtschaftlichen Großbetriebs aufzubessern. Auch Investor Konrad Meiler, der aus Spaß einige Hektar Land in Unterleuten gekauft hat, hofft auf große Miteinahmen.  Das aus Berlin zugezogenen Ehepaar Fließ, ein emeritierter Soziologieprofessor, der nun Vogelschützer ist, sowie seine ehemalige Studentin, die nun seine Frau und Mutter eines gemeinsamen Kindes ist, fürchten um die Natur, den Wert ihres frischrenovierten Hauses und das Wohlergehen ihres Kindes. Aber nicht nur die beiden Gutmenschen sind Gegner des Windparks, auch Herr Kron, Wendeverlierer und ewiger Gegner des Landwirts Gombrowski, wittert in dem Windpark ein weiteres Manöver des Landwirts um das Dorf gegen das Wohl aller anderen auszunutzen. Die Auseinandersetzung im Dorf wird so immer heftiger und reist auch Abgründe auf, über die sich in den letzten Jahren eigentlich geschlossen hatten.

Juli Zeh ist mit dem Porträt des fiktiven Ortes Unterleuten und seiner Bewohner ein spannendes Bild unserer Gesellschaft gezeichnet. Auch wenn nicht alle in kleinen Dörfern leben mögend, repräsentieren die Handlungsmustern und das Denken der Dörfler viele Menschentypen, die wir überall in unserer Gesellschaft treffen. Ebenfalls spannend sind auch die Webseiten, die sowohl im Roman als auch in der Realität vorkommen.

Wir denken, dass die Lektüre des 640 Seiten starken Romans, der für 24,99 bei jedem Buchhändler zu haben ist, absolut lohnenswert ist und wünschen euch viel Spaß beim Lesen!

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