Unterwegs mit Ärzte ohne Grenzen

Eine Diplombiologin erzählt von ihren Erfahrungen

Durch die Organisation Ärzte ohne Grenzen verbrachte die Diplombiologin Petra Statler neun Monate im Tschad. Vergangenen Donnerstagabend berichtete sie von ihren Erlebnissen. Weg von Deutschland, wo im Überfluss konsumiert wird in eine Welt, in der die Grundbedürfnisse der Menschen im Minimum abgedeckt sind.

Ein Leben in Luxus?

Wer glaubt bei Ärzte ohne Grenzen könne man nur als Arzt etwas beitragen, hat sich geirrt. Denn die Organisation Ärzte ohne Grenzen kann so gut wie jede helfende Hand gebrauchen. Das Tätigkeitspektrum und die Projekte sind breit gefächert. So bewarb sich die Diplombiologin Petra Statler auf langen Wunsch hin, als Logistiker und Laborkraft. Bereits wenige Wochen und viele Impfungen später befand sie sich mitten im Tschad. Heraus aus einer Konsumgesellschaft in ein Leben, das nicht mal für die Hälfte der Bevölkerung sauberes Trinkwasser und Elektrizität garantiert.

„Im Gegensatz zu der heimischen Bevölkerung haben wir im Luxus gelebt. Wir hatten einen Raum für uns, in dem es ein Bett, fließend Wasser und Ventilatoren gab“, erzählt Statler.

Die Menschen leben dort unter einfachsten Bedingungen. Die hygienischen Umstände sind dementsprechend schlecht. Es gibt keine sanitären Anlagen oder Müllbeseitigung.

„Alle Abfälle landen auf den Straßen und werden ab und zu verbrannt. Die Menschen haben aufgrund der mangelhaften Hygiene mit Infektionen und Krankheiten zu kämpfen“, so Statler.

Zu Beginn des Projekts lebten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen hinter Mauern. Eine 24-Stunden-Überwachung sorgte zwar für Sicherheit aber gab auch das Gefühl des Eingesperrtseins.

„Erst durften wir nicht heraus und Nachts sowieso nicht, da es zu gefährlich war. Im Laufe der Wochen hat sich das allerdings gebessert. Gegen Ende durften wir auch zu zweit alleine heraus und die Gegend erkunden. Wir waren viel auf dem Markt, dem Suq, der ein zentraler Ort des heimischen Lebens darstellt“, so Statler.

Ein Arzt hat dort keine helfenden Geräte. Er hat sein Stethoskop und muss sich allein auf seine Fähigkeiten verlassen.

Das Projekt im Tschad von Ärzte ohne Grenzen fungierte als unterstützende Kraft des örtlichen Krankenhauses. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halfen bei Entbindungen, der Kinderstation, Fällen von Mangelernährung, HIV und Tuberkulose-Erkrankungen und Notfallannahmen.

„Man kann ein Krankenhaus im Tschad nicht mit unseren vergleichen. Dort herrschen einfachste Bedingungen. Die Zimmer bestanden aus Betonbauten, in denen Betten standen. Ein Patient war auf seine Angehörigen angewiesen, die für ihn die Wäsche machten und Essen kochten. Etwas besser ausgestattet waren der OP-Saal und die Kinderstation“, so Statler.

Doch das Ärzte ohne Grenzen -Team, blieb nicht nur vor Ort im Krankenhaus, sondern fuhr auch andere Stationen an.

„Die Infrastruktur im Tschad ist sehr schlecht. In der Trockenzeit konnten wir die ländlichen Regionen noch anfahren. Sobald jedoch die Regenzeit einsetzte, waren die Wege nicht mehr passierbar oder vorhanden“, erzählt Statler.

Der Tschad – Ein Dauerkrisengebiet

Eigentlich unterstützt die Organisation Ärzte ohne Grenzen die Menschen im Notfall- oder in Krisensituationen.  Doch im Tschad bietet die Organisation eine langfristige Hilfe, da es als Dauerkrisengebiet bezeichnet werden kann. Die Not der dort lebenden Menschen ist groß. Die Regenzeiten werden immer kürzer und die Dürre breitet sich weiter nach Süden hin aus. Es besteht großer Wassermangel, sodass die Menschen aus Pfützen die letzten Wasserreserven schöpfen oder Geld an private Brunnen zahlen müssen, um dort an Wasser zu kommen.

Auch wenn regelmäßig Krankheiten ausbrechen und das Durchschnittsalter bei etwa 50 Jahren liegt, hat Ärzte ohne Grenzen schon viel helfen können. Sie gelten als größter Arbeitgeber in dieser Region.

„Wir haben im Tschad schon einiges bewirkt. Allein in diesen neun Monaten, während meines Aufenthaltes, konnten wir die Sterblichkeitsrate von 15 Prozent auf 3 Prozent senken. Wir haben pro Woche bei etwa 35 Geburten geholfen. Pro Tag haben wir etwa 50 bis 100 Patienten geimpft und innerhalb von drei Wochen 100.000 Kinder“, erzählt Statler.

Das sind sicherlich nur wenige Beispiele von vielen, die Statler erzählen könnte. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten täglich erstaunliche Arbeit unter erschwerten Bedingungen. Elektrizität gibt es nur drei bis vier Stunden, die restliche Zeit wird mit Stirnlampe und Handylicht gearbeitet. Trotzdem hat Ärzte ohne Grenzen bereits einen großen Beitrag zur Gesundheit im Tschad geleistet und ist nur eines von vielen Projekten, die weltweit gefördert werden.

 

 

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