US-Strafzölle: So wirken Sie sich auf deutsche Unternehmen aus

Die USA beginnen mit der Isolierung

Die USA beginnen mit der Isolierung: Donald Trump hat die entsprechende Proklamation zu den Strafzöllen bereits unterschrieben – die Einfuhrzölle in die USA betragen auf Aluminium 10 Prozent und auf Stahl 25 Prozent. Die einzige Ausnahme: Kanada und Mexiko. Die Nachbarn der USA können, trotz anderslautender Ankündigungen, weiterhin ohne zusätzliche Kosten in die USA exportieren.

Der große Verlierer? Deutschland

Deutschland scheint der größte Verlierer in diesem Spiel zu sein. Porsche hat gar kein Werk in den USA. Audi könnte mitunter das Werk in Mexiko für die Fahrzeuge nutzen, die in weiterer Folge in die USA exportiert werden sollen. Dieselbe Idee verfolgt auch BMW – das Werk des Münchner Automobilherstellers, das in Mexiko gebaut wird, kann aber erst frühestens 2019 in Betrieb genommen werden. „Wir können sehr flexibel sein“, so Harald Krüger, der BMW-Vorstandschef. „Wir können den 3er BMW in München, in Mexiko und auch in China bauen.“

Ein weiteres Problem: Noch kennt kein Mensch das unterschriebene Papier – bislang gibt es keine Details, sondern nur die Information, dass die USA-Nachbarn keine Strafzölle bezahlen müssen. „Natürlich ist die Unsicherheit groß. Vor allem auch innerhalb der Autoindustrie“, so Jyrki Katainen, der EU-Kommissionsvizepräsident. Noch steht nicht fest, welche Maßnahmen von Seiten der EU gesetzt werden. „Beschließt die EU Vergeltungszölle, dann werden wir die importierten Autos mit 25 Prozent versteuern“, so Trump. Gleichzeitig griff er auch die deutsche Regierung an. „Sie geben zu wenig für die Verteidigung aus. Schauen wir uns doch die Nato an: Deutschland zahlt einen Prozent, wir 4,2 Prozent, und das, obwohl wir ein weitaus größeres Bruttoinlandsprodukt haben.“

Welche Auswirkungen hätten die Strafzölle auf Europa?

Aber nicht nur die deutschen Automobilhersteller würden die Strafzölle deutlich zu spüren bekommen – die USA sind schlussendlich auch der größte Einzelmarkt für die sogenannten „Made in Germany“-Produkte. Im Jahr 2017 wurden Waren im Gesamtwert von 111,5 Milliarden Euro in die USA exportiert – so etwa pharmazeutische Produkte und Maschinen.

Weiten die USA die Strafzölle aus, so wären die Folgen durchaus fatal: Fast alle DAX-Konzerne sind abhängig von den USA – drei Viertel des Fresenius Medical Care-Umsatzes wird etwa durch die Geschäfte mit den USA erzielt. Derartige Entwicklungen hätten natürlich auch Folgen auf die einzelnen Währungspaare – vor allem aber auf das Währungspaar USD/EUR. Die Strafzölle hätten jedoch nicht nur Folgen für Deutschland, sondern für die gesamte Europäische Union. Erschweren die USA nämlich den Zugang zum eigenen Markt, so suchen sich die nichtamerikanischen Unternehmen andere Absatzmärkte – so etwa den europäischen Markt. Schlussendlich gibt es innerhalb Europas zahlreiche Handelsvorteile.

Die Folge? Ein massives Überangebot an Waren – vor allem auch an Stahl. Die Preise und auch die Umsätze der Unternehmen würden in weiterer Folge sinken. „Natürlich nähren die US Zölle die Unsicherheit. Es ist nur mehr eine Frage der Zeit, bis das Geschäftsklima der außenhandelsorientierten Ländern, dazu gehört auch Deutschland, extremen Belastungen ausgesetzt wird“, so Holger Schmieding, der Chefvolkswirt der „Berenberg Bank“. Auch neue Freihandelsverträge, die dem Welthandel durchaus einen neuen Schwung verleihen könnten, werden jedoch angesichts der Isolierung der heimischen Märkte immer unrealistischer. „Ein weltweiter Handelskrieg, der am Ende aber keine Gewinner mit sich bringen wird, kann ab sofort nicht mehr ausgeschlossen werden“, so Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank. „Ein warnendes Beispiel könnte der Zollwettlauf der 1930er Jahre sein. Auch damals brach der Welthandel zusammen“, so Krämer.

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