Viele Fragezeichen bei Eintracht Trier

Ratlosigkeit nach erneutem Punktverlust gegen Abstiegskandidat Ulm

Von Niklas Stilz

Die Bilder gleichen sich, wie es auch die Ergebnisse tun. Von zehn Pflichtspielen im Jahr 2014 spielte der SVE, bezieht man das Resultat des Pokalspiels in Koblenz nach der regulären Spielzeit mit ein, ganze sechs Mal 1:1, allein vier der fünf Heimspiele endeten mit dem ausgeglichenen Ergebnis. Hadern Trainer und Team einerseits mit den zahlreichen verpassten Gelegenheiten in der Rückrunde, geht der Blick gleichzeitig aber auch in eine für viele Akteure noch ungewisse Zukunft. Ein schwieriger Spagat für die Eintracht-Kicker. 

Eintracht Trier - SSV Ulm

Werfen einen genauen Blick auf die einzelnen Spieler des SVE: Coach Jens Kiefer und sein „Co“ Rudi Thömmes.

Sie hatten sich mal wieder eine Menge vorgenommen. Trainer Jens Kiefer rückte unter der Woche insbesondere das offensive Umschaltspiel in den Mittelpunkt des Trainings, erstmals hatte er seine Mannschaft für einige Einheiten am Stück beisammen. Auf eine sichtbare Verbesserung im Spiel der Eintracht wartete die inzwischen überschaubare Zuschauerschar aber vergebens. „Wir stellen uns ja auch die Frage, warum es einfach nicht klappt. Ulm sieht eine rote Karte, wir gehen in Führung und bekommen am Ende doch wieder den Ausgleich – eine echte Erklärung dafür haben wir nicht“, gibt deshalb auch Mittelfeldantreiber Matthias Cuntz zu und ergänzt: „Vielleicht ist es Kopfsache, eigentlich darf das aber kein Grund sein.“

Und trotzdem wird die für die meisten Akteure im Kader des SVE ungewisse Lage sicher zu der allgemein um sich greifenden Verunsicherung beitragen. Mit Christoph Anton, Michael Dingels und Christoph Buchner haben bisher lediglich drei Spieler einen Kontrakt für die neue Saison unterschrieben, der Rest spielt deshalb bei Trainer Kiefer auch um einen neuen Vertrag. Im Vorfeld der gestrigen Partie machte der Trainer erneut deutlich, dass er in den kommenden Wochen einen intensiven Blick auf jeden Einzelnen werfen möchte. Die Lage auf dem Transfermarkt in der Regionalliga spannt sich durch den Rückzug der zweiten Mannschaft von Eintracht Frankfurt noch zusätzlich an, möglicherweise werden in den kommenden Wochen sogar noch weitere Bundesligisten ihre Zweitvertretungen auflösen. Für die Vereine ist das eine komfortable Situation, vergrößert sich doch der Pool an freien Regionalligaspielern. Für die Kicker selbst aber bedeutet das Aus auch, dass es weniger Teams gibt, bei denen man unterkommen kann. Es geht für einen Großteil des Kaders also um mehr, als nur um Punkte.

Eintracht Trier - SSV Ulm

„Motivation darf keine Frage sein!“ – Mittelfeldmotor Matthias Cuntz glaubt nicht daran, dass das Team sich hängen lässt

Dass die Mannschaft sich von der angespannten Situation aber negativ beeinflussen, oder sogar hängen lässt, glaubt Cuntz hingegen nicht: „Zuerst mal denke ich, dass die Motivation bei uns überhaupt kein Thema ist. Man darf von einem Fußballer erwarten, dass er immer alles gibt. Dass wir das tun, hat man nicht zuletzt im Pokal gegen Koblenz gesehen.“ Gleichzeitig gab es vom „Sechser“ Cuntz auch noch ein Lob für Neu-Trainer Kiefer: „Der Trainer erwartet natürlich gewisse Basics von uns, dazu gehört eben auch, dass wir laufen, rennen und kämpfen. Gleichzeitig gibt er aber auch allen eine Chance sich zu zeigen, wie man beispielsweise an der Aufstellung in Mannheim gesehen hat.“

„Wir wollen unbedingt den Pokal holen!“

Trotz des Drucks sich zeigen zu müssen, gilt es aber natürlich auch die verbliebenen sportlichen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. In der Regionalliga scheint der Zug Richtung Aufstieg trotz zahlreicher Patzer der Konkurrenz endgültig abgefahren zu sein, weshalb der Rheinlandpokal jetzt besonders ins Blickfeld rückt. Um die Wichtigkeit des möglichen Pokalsiegs weiß auch Cuntz: „Natürlich ist die Liga jetzt enttäuschend verlaufen, aber was hilft denn der Blick zurück? Wir wollen die Runde so gut wie möglich zu Ende spielen und natürlich unbedingt den Pokal gewinnen – wir wissen wie wichtig dieser Titel für den gesamten Verein ist!“

Eintracht Trier - SSV Ulm

Das Ziel fest im Blick. Für die Eintracht geht es in dieser Saison in erster Linie noch um den Sieg im Rheinlandpokal.

Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es aber insbesondere spielerisch einer Verbesserung der Kiefer-Elf, die sich mit den neuen Anweisungen des Trainers auch aufgrund der wenigen gemeinsamen Trainingszeiten noch sichtbar schwer tut. Die Offensive lahmt schon die gesamte Rückrunde, die letzten drei Tore fielen allesamt durch Elfmeter. Vielleicht kommt mit Großaspach jetzt ein Top-Gegner zum richtigen Zeitpunkt. Erstmals geht der SVE nicht als Favorit in die Partie, kann den Gegner kommen lassen. Und auch taktisch erhofft sich Antreiber Cuntz schon gegen den Tabellenführer Fortschritte: „Jeder Trainer hat so seine eigene Vorstellung vom Fußball. Bei Jens Kiefer ist der erste Pass nach Ballgewinn besonders wichtig, da soll es sofort nach vorne gehen. Es gelingt uns langsam die Wünsche und Ideen des Trainers besser zu verinnerlichen – und wenn wir das erstmal getan haben, können wir damit durchaus sehr erfolgreich sein.“

Außenseiter in Großaspach

Bereits am kommenden Donnerstag können die Moselstädter beim Gastspiel in Großaspach für ein bisschen Wiedergutmachung sorgen. Gegen den Tabellenführer, der nach den Patzern von Mainz und Freiburg am Wochenende so langsam für die Relegation planen darf, kann die Eintracht nur gewinnen. Noch im Februar war man auf Tuchfühlung zum Ligaprimus, inzwischen hinkt man nach nur acht Zählern aus neun Regionalligaspielen doch deutlich hinterher. Auch wenn es deshalb voraussichtlich um nicht mehr viel geht, sollten die Blau-Schwarz-Weißen ihren Fans und dem Trainer zumindest jetzt nochmal beweisen, dass die 36 Zähler nach der Hinrunde kein Zufall waren.

+++Eintracht in Kürze+++

Roland Seitz: Wie auf der Homepage der SV Elversberg zu lesen ist, hat der Ex-Coach seinen Vertrag in Trier aufgelöst, um seine neue Stelle als Vorstand Sport in Elversberg doch schon früher antreten zu können. Er wird ab sofort die Geschicke des Vereins mitsteuern und die Planung die kommende Saison koordinieren.

Trainerwechsel: Herbert Herres ist nicht länger Trainer der U23 des SVE. Sein Nachfolger wird Daniel Lingfeld.

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