Von Katzentapeten und Wackeldackeln

Premiere der Komischen Oper "Der Wildschütz" im Theater Trier

Am Samstag, den 15. März, hatte die Komische Oper „Der Wildschütz“ Premiere im Theater Trier. Unter der Regie von Matthias Kaiser erlebte die Vorlage aus dem Jahr 1842 einige Wandlungen.

Der Wildschütz_4_bearbeitetGretchen will heiraten. Und die Leute sollen richtig schön neidisch werden. Also nimmt sie den Antrag ihres Ziehvaters Baculus an. Der ältere Studienrat erweist sich nur leider als liebenswerter Trottel, so lässt er sich doch glatt beim Jagen hereinlegen und erschießt einen Bock aus dem Jadgrevier des Grafen von Eberbach. Der enthebt ihn daraufhin seines Amtes. Nun ist der Studienrat kein Studienrat mehr und die Hochzeit keine allzu gute Partie. Da hat Gretchen den Einfall, sich aufs Schloß zu schleichen, um dem, als Schwerenöter bekannten Grafen Honig ums Maul zu schmieren. In den Ohren des eifersüchtigen Baculus keine gute Idee. Gut, dass da die Baronin Freimann als reisender Student verkleidet um die Ecke fährt und sich auf den Spaß einer Verwechslung einlässt. Sie hat selbst Pläne auf dem Schl0ß, ist doch der Graf selbst ihr Bruder, den sie lange nicht gesehen hat und der sie mit einem noch viel unbekannteren Baron Kronthal verheiraten will. Heraus kommen vier verliebte Adlige, zwei Nebenbuhler und eine kunterbunte Verwechslungskomödie.

Blümchenmuster…

Kunterbunt vor allem wegen der blumigen Kostüme im 50er-Jahre-Look von Carola Vollath und der genauso blumigen Wiese im ersten Teil des Bühnenbilds von Detlev Beaujean. Der „bepflanzte“ eine Hälfte der Drehbühne mit einer Rosenhecke auf einem Hügel, die ländliche Idylle sozusagen, und beklebte die andere Hälfte mit einer Katzentapete in Altrosa, adliger Landhausstil. Zwischen antiken Statuen, aussagekräftigen Detailaufnahmen der Davidstatue von Michelangelo, Wackeldackeln und der Ahnenreihe der treusten Jagdhunde spielt sich die Verwechslung ab.

Trauth als Baculus
Trauth als Baculus

Die verlegte Regisseur Matthias Kaiser vom prüden Biedermeier des 19. Jahrhunderts ins brave Biedermeier des 20.Jahrhunderts: In die 50er Jahre. In einem ähnlichen Stil kommen auch die Figuren daher: erste zarte Aufbruchsversuche der Geschlechterrollen durch Bikeroutfit und Anpreisungen des freien Witwenstandes durch die Baronin Freimann zwischen alt eingesessenen Mustern, zwischen komödiantischem, ungefährlichem Sexappeal. Letzteren verkörpert die Landbevölkerung; an ihrer Spitze, das Gretchen. Eine der schönsten, weil gelungensten Anlehnungen an die Zeit stellt die Figur des Baculus dar; mit blauem Anzug, Hornbrille und Fat Suit eine Heinz Erhardt-Hommage. Ähnlich das Flair der Inszenierung, leicht und komödiantisch, unbeholfen charmant, aber leider auch vollkommen ungefährlich. Die Verlegung in eine etwas neuere Zeit macht die Inszenierung nicht aktueller, sondern eher altmodischer. Man ist doch gerade erst rausgewachsen aus den 50ern. Zumindest gefühlt. Dabei weist die Inszenierung viele schöne Ideen auf, angefangen bei den Wackeldackeln bis hin zum Golfspielchen im Wohnzimmer, wo man mit der Baronin schon mal „Einlochen“ üben kann. Sogar den altbackenen Text schrieb Kaiser eigens dafür um, machte ihn etwas moderner, pfiffiger, anzüglicher. Leider kommt auch von dem neuen Witz nicht viel rüber. Dafür ist der harmlose Charme der 50er nicht schlagfertig genug. Die Idee von Kaiser, die Vorlage geschichtlich zu öffnen, ist sinnvoll und funktioniert. Den Witz rettet sie allerdings nicht.

…und Wackeldackel.

Der Wildschütz_2_bearbeitetDoch es geht ja nicht nur um die komischen Aspekte in dieser Oper, sondern auch um die musikalischen. Hier legt Joongbae Jee als musikalischer Leiter einen guten, soliden, zuverlässigen Grundstein, auf dem der Chor unter der Leitung von Angela Händel gekonnt aufbauen kann. Unter den Solisten stechen besonders die Herren heraus, allen voran Svetislav Stojanovic als Baron Kronthal und Amadeu Tasca als Graf von Eberbach. Beide stimmlich sicher und sprachlich verständlich. An letzterem hapert es sonst ein bisschen. Evelyn Czesla als Gretchen bleibt hinter ihrem männlichen Gegenpart Alexander Trauth zurück. Das Gretchen liegt ihr stimmlich nicht so ganz, sie verschwindet oft hinter dem Bass von Trauth. Joana Caspar als Baronin Freimann hat im Gegenzug einen fast zu kraftvollen Sopran, der problemlos in den Höhen klettert, dort angekommen aber alles übertönt.

Insgesamt merkt man dem Ensemble den Spaß während des Stückes an, die Inszenierung ist stimmig und von der Idee her gelungen, leider greift dies nicht so recht auf den Zuschauer über. Der Applaus ist anerkennend, aber für Premierenverhältnisse kurz und gleichbleibend. Richtige Begeisterung ist beim Publikum eher nicht aufgekommen.

Fazit: Idee und Inszenierung sind gut, leider greifen Charme und Witz der 50er nicht wie gewünscht. Musikalisch sind Orchester und Chor ein Highlight, bei den Solisten fehlt es öfters an Verständlichkeit. Für Fans der 50er schon rein optisch eine Freude, die Figuren machen Spaß und verbreiten den niedlichen Charme einer 50er-Jahre-Idylle. „Komisch“ wird’s allerdings nicht.

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