Vorsichtsmaßnahme für Früh- und Neugeborene im Klinikum Mutterhaus

Vorsorgliche Schließung der Kinder-Intensiv- und Frühgeborenenstation

Höchste medizinische Versorgung bietet das Perinatalzentrum Level 1 im Trierer Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen. Foto: Hans-Werner Bohn
Höchste medizinische Versorgung bietet das Perinatalzentrum Level 1 im Trierer Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen. Foto: Hans-Werner Bohn

Kinder-Intensiv- und Frühgeborenenstation werden vorsorglich für Neuaufnahmen geschlossen.

Auf der Kinder-Intensivstation des Klinikums Mutterhaus der Borromäerinnen werden derzeit sechs Frühgeborene behandelt, bei denen bei Routineabstrichen eine Besiedlung (Kolonisation) mit dem Keim Serratia marcescens festgestellt wurde. Ein weiteres besiedeltes Kind konnte bereits gesund entlassen werden. Keines der Kinder ist zurzeit an einer Infektion mit dem Keim erkrankt. In enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt werden wichtige Maßnahmen auf den Weg gebracht. Das Neugeborenenzimmer der Wöchnerinnenstation ist nicht betroffen.

Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Thomas, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin des Klinikums Mutterhaus der Borromäerinnen, erklärt die aktuelle Situation: „Alle Kinder, die derzeit auf den beiden Stationen versorgt sind, werden von uns selbstverständlich bis zu ihrer Entlassung weiter dort behandelt. Hierbei sind die betroffenen Kinder in den Räumen der Intensivstation zusammengelegt und werden isoliert betreut. Wir sind im ständigen Austausch mit den Eltern.“

Der medizinische Geschäftsführer Dr. Oliver Kunitz ergänzt: „Für die Versorgung von Frühgeborenen, die nicht mehr ohne Risiko vor Geburt in ein anderes Perinatalzentrum verlegt werden können, richtet das Klinikum eine räumlich und personell komplett getrennte Ausweichstation ein. Das gilt genauso für Neugeborene und Säuglinge mit unvorhersehbar auftretenden medizinischen Problemen. Hierfür werden auch Mitarbeiter, die sich im Urlaub befinden oder in Teilzeit arbeiten, um zusätzliche Unterstützung gebeten.“

Die bei den besiedelten Kindern nachgewiesenen Serratien zeichnen sich nicht durch eine problematische Resistenzlage aus. Das bedeutet: In der Versorgung von kranken Früh- und Neugeborenen gängige Antibiotika können im Infektionsfall zur Behandlung eingesetzt werden. Eine vorsorgliche antibiotische Behandlung der besiedelten Kinder ist hingegen nicht sinnvoll, sondern kann im Gegenteil eine Resistenzentwicklung auslösen.

„Der Keim, der überall in der Umwelt vorkommen kann – und vor allem im Darmtrakt von Menschen und Tieren zu finden ist – kann bei Patienten mit schweren Grunderkrankungen oder geschwächter Infektabwehr zu Infektionen führen, die schwer verlaufen können“, erläutert Dr. Harald Michels, Leiter des Gesundheitsamtes Trier, der von Anfang an in die zu erfolgenden Maßnahmen eingebunden ist.

Ihren Ursprung hat die Besiedlung der sechs Kinder mit dem Keim nach jetzigem Kenntnisstand in der Infektion eines Extremfrühgeborenen am dritten Lebenstag, von der es sich erholt hat. „Strenge Isolations- und verschärfte Hygienemaßnahmen, die in Absprache mit dem Beratungszentrum für Hygiene und dem Gesundheitsamt Trier erfolgten, konnten jedoch nur vorübergehend eine Weiterverbreitung des Keimes verhindern“, bekräftigt Wolfgang Thomas. „Der Keim zeichnet sich durch eine hohe Überlebensfähigkeit außerhalb von Lebewesen aus. Umfangreiche mikrobiologische Untersuchungen ergaben bislang keinen Hinweis dafür, dass die Verbreitung des Keims über eine andere Quelle als unvermeidlichen, direkten Kontakt in Notfallsituationen auf der Station erfolgte.“

Per Kaiserschnitt geborene Frühgeborene übernehmen die bakterielle Flora ihrer unmittelbaren Umgebung, um die für das Leben notwendige, körpereigne Flora im Darm und auf der Haut aufzubauen. Aus diesem Grund hat die Klinikleitung in Absprache mit dem Gesundheitsamt Trier und dem Deutschen Beratungszentrum für Hygiene in Freiburg beschlossen, die Intensivstation und eine benachbarte Früh- und Neugeborenenstation vorsorglich für Neuaufnahmen zu schließen, um weitere Fehlbesiedlungen zu verhindern.

Die vorsorglich beschlossene Maßnahme stellt einen vorübergehenden Engpass für die Versorgung von Schwangeren sowie Früh- und Risikoneugeborenen in der Region dar, da das Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen als sogenanntes Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe im Umkreis von zirka 100 Kilometern die einzige Klinik ist, die auch extrem Frühgeborene und schwerstkranke Neugeborene medizinisch versorgen kann.

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