Meteoriten, Aliens und ein Filmteam mit 007-Mission

Von Florian Schlecht

2013 steigt Eintracht Trier nicht in die 3. Liga auf, die TBB Trier wird nicht Deutscher Meister und der „Leyendecker Bloas“ gewinnt nicht den Eurovision Song Contest. Warum? Weil heute die Welt untergeht. 5vier bibbert mit – und beschäftigt sich mit dem Hype um den 21. Dezember 2012.

2013 hätte so traumhaft werden können. Vielleicht haben vergangene Kulturen mit astronomischer Raffinesse schon vor Jahrhunderten in den Sternen gesehen, dass Eintracht Trier dann im Juni durch ein 5:1 gegen RB Leipzig über die Relegationsspiele den Aufstieg in die 3. Liga schafft. Die entnervten Leipziger würden ohne Zweifel zum Ende noch drei Brausedosen einwechseln, um der Mannschaft Flügel zu verleihen. Aber die würden wie „Dosen leer“ spielen, wie ihr kurzfristiger Trainer-Coup Giovanni Trappatoni hinterher im VIP-Zelt zerknirscht eingestehen müsste. Der Platz vor der Porta Nigra wäre für Wochen und Monate wegen Feierlichkeiten gesperrt. Denn vorher ist die TBB Trier nach dem Pokalsieg im Final Four in Berlin auch sensationell Deutscher Meister geworden. Ein 143:142 im fünften Spiel gegen Bamberg, in der sechsten Verlängerung und dank eines Wurfs von Jarrett Howell in letzter Sekunde beschert die Sensation.

Die Leiendecker Bloas würden derweil im Vorbeigehen den „Eurovision Song Contest“ im schwedischen Malmö gewinnen, bei dem sie mit einer Version von Stefan Raabs „Wadde hadde dudde da“ in Trierer Mundart ganz Europa verzaubern. Und Ministerpräsidentin Malu Dreyer wäre nach landesweiten Bürgerinitiativen dazu aufgefordert, Trierisch in den Schulen als Pflichtsprache einzuführen. „Sauwer Sach“, würde sie das Gesetz kommentieren und Tage später das Formel-1-Finale am schuldenfreien Nürburgring besuchen, und, und, und. Ja, es könnte so schön sein. Aber all das wird nicht passieren. Denn heute geht ja bekanntlich die Welt unter…

Apokalyptisches Wetter und eine Landebahn für Ufos

Zwar sagen Wissenschaftler, dass das Ende unseres Planeten am 21. Dezember 2012 totaler Unsinn sei, weil die astronomischen Forschungen der Maya einfach falsch interpretiert werden. Nicht die Welt gehe unter an dem Tag, korrigieren sie. Sondern nur ein Zeitabschnitt, der „Baktun“, ende in dem Kalender. Auch 5vier widmete sich dem Thema rechtzeitig. Ein Grund zur Entwarnung? Nicht unbedingt.

Tatsächlich vermelden Unternehmen, die im Trend der Zeit Rettungspakete anbieten (nicht die für Millionen Euro, dafür aber Päckchen mit Lebensmitteln in Konservendosen für horrende Preise) in diesen Tagen traumhafte Umsätze. Immerhin: So gibt es auch Gewinner der Apokalypse. Einer davon ist auch der Humor. Durch das Internet kursieren schon Wetterprognosen, die für heute einen mehr als warmen Wintertag mit 999 Grad prophezeien. Auch Meteoriten soll es gelegentlich hageln. Wem also sein Leben lieb und teuer ist bei der Apokalypse, sollte seinen Schirm mit aus dem Haus nehmen – und die Sonnencreme einpacken. Wenn daheim was zu Bruch geht, ist das nicht tragisch. So gibt es Versicherungspakete gegen den Weltuntergang – für 50 Euro. Haben die Mayas recht, erhalten alle Kunden eine Million Euro als Entschädigungssumme. Der Haken dabei: Das Geld wird erst nach 48 Stunden ausgehändigt. Haben die Mayas nicht recht, ist das Geld übrigens futsch.

Leider scheint sich auch der letzte Ausweg vor dem Ende zerschlagen zu haben. Denn gewiefte Esoteriker hatten glaubwürdige Informationen, dass in einem 200-Einwohner-Ort in Frankreich die Rettung vor der unvermeidlichen Apokalypse warte. Dort, in Bugarach, soll es auf einem hohen Berg nämlich eine Landebahn für Ufos geben – und Außerirdische kurz vor Weihnachten auf die Erde kommen, um einige Menschen mit auf ihren Planeten zu nehmen. Eine tolle Geschichte, die manch einem scharfsinnigen Beobachter durchaus ein Hotelzimmer in dem Dorf wert war – für schlappe 1500 Euro am Tag. Nun der Skandal: Der Aufstieg zum Berg wurde von der Gemeinde verboten. Aus Angst vor einer Touristenflut.

Weltuntergangspartys: „Highway To Hell“, Glocken und Sirenen

Den letzten Tag kann man aber auch feiern. In manchen Städten gibt es Weltuntergangspartys. Auf Facebook ist ein Flyer im Umlauf, der das Ende der Welt im Stundentakt plant. Vom Wecken der Weltbevölkerung durch Glocken und Sirenen über die Hymne „Highway to Hell“ – bis hin zum Untergang mit Aftershow-Party.

Dennoch gibt es einen Silberstreif am Horizont – und der kommt aus Trier. Dort hat das Filmteam „theinmedia“ versucht, die Welt zu retten. In einem Mix aus Realfilm, virtuellen Nachrichtenstudios und Comic-Elementen reisen die Kreativen mit diesem James-Bond-Auftrag um die Erde. Die Welt werde untergehen, so die schaurige Erkenntnis, wenn der Osterhase an Weihnachten erscheint. Und so begibt sich das Team in 007- und Superhelden-Manier auf Osterhasen-Jagd. Wenn sie ihn finden, gibt es tatsächlich gute Chancen auf eine Zukunft nach dem 21. Dezember. Also: Anschauen – und Daumen drücken.

Besonders für Trier. Ein Fußball-Drittligist, ein Deutscher Meister im Basketball, Eurovision-Sieger von der Mosel: 2013 könnte so schön sein. Vielleicht. Doch selbst, wenn all diese Erfolge in den kommenden Monaten nicht eintreten würden. Die Welt würde davon nicht untergehen. Oder?

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