Weltweiter Women’s March – Aufbäumen vor vier langen Jahren

Wir haben mit drei Unterstützerinnen gesprochen...

Der Women’s March ist in aller Munde. Im Fernsehen, in Zeitungen, auf Youtube werden wir mit Bildschirm-füllenden Menschenmassen vor amerikanischen Wahrzeichen bombardiert. Dabei war der Protestmarsch am 21. Januar 2017 ein weltweites Event, obwohl zunächst nur für Washington, D.C. geplant. 673 Märsche hat es laut den Organisatoren weltweit gegeben in beeindruckenden 81 Ländern. In Trier gab es leider keinen…

 

Women's March, January 21 2017, Chicago

Trier / Trondheim / Los Angeles / San Francisco. Nichtsdestotrotz sind die Proteste  auch für unsere Region ein wichtiges Zeichen, auch wenn sie sich vor allem gegen den neuen US-Präsidenten Donald J. Trump richten. In erster Linie geht es um den Schutz der Frauenrechte, die der Republikaner bereits mehrfach mit Füßen getreten hat, nicht nur in dem er die konservativen republikanischen Ansichten gegenüber der Abtreibung durchsetzten will. Die Liste seiner respektlosen Entgleisungen gegenüber dem anderen Geschlecht ist lang. Über eine ihm gegenüber kritische US-Journalistin äußerte er bei Twitter, dass sie „unanttraktiv“ sei, „von außen und von innen“ und dass er vollkommen verstehe, warum ihr früherer Ehemann sie verlassen hat. Über die US-Moderatorin Rosie O’DOnnell sagte er „Wie hat sie es überhaupt ins Fernsehen geschafft? […] Ich würde ihr direkt in ihr fettes, hässliches Gesicht schauen und sagen ‚Rosie, du bist gefeuert.‘ Wir sind alle ein bisschen pummelig, aber Rosie ist schlimmer als die meisten von uns.“ Bei Schauspielerin Bette Midler entglitt ihm ein Anflug politischer Korrektheit noch im gleichen Moment: „Auch wenn Bette Midler eine extrem unattraktive Frau ist, weigere ich mich es zu sagen, da ich immer darauf bestehe, politisch korrekt zu sein.“

Beim mittlerweile berühmt-berüchtigten Locker-Room-Talk fiel dann auch diese offensichtlich nicht existente Hemmschwelle des neuen US-Präsidenten. Bei einer Unterhaltung mit US-Moderator Billy Bush, gab Donald Trump im Jahr 2005 Sätze von sich, die respektloser nicht sein könnten: „Weißt du, ich stehe automatisch auf schöne Frauen – ich küsse sie einfach. Es ist wie bei einem Magneten. Ich küsse sie. Ich warte nicht ab. Wenn du ein Star bist, dann lassen sie dich. Du kannst alles machen.“ Der anschließende Satz ging um die Welt und alarmiert Feministinnen weltweit: „Grab ‚em by the pussy“. Den Wahlsieg konnte selbst diese abfällige Bemerkung nicht verhindern. Trump spielte es als „Locker Room“-Gespräche herunter, die jeder Mann im Privaten führe. Es ist angesichts der Menge der frauenfeindlichen Bemerkung fast erstaunlich, dass die Protestwelle der Frauen und ihrer Befürworter so lange auf sich warten ließ. Nicht nur die Damenwelt, sondern alle, die mit diesem Frauenbild nicht einverstanden sind, waren aufgerufen mitzumachen.

Auch auch um andere bereits im US-Wahlkampf kontrovers diskutierte Themen wie die Einwanderungs-Reform und die Reform des Gesundheitssystems in den USA ging es bei den Protestmärschen. Für den nordamerikanischen Kontinent existenziell wichtig, ist die Weltbevölkerung mehr von Themen wie der amerikanischen Umwelt- und Klimapolitik betroffen, ebenso wie von Diskussionen um die Rechte der Homosexuellen, Rassismus und die Religionsfreiheit. Wenn auch nur Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist Donald Trumps Rolle und Einfluss auf die Weltpolitik nicht zu unterschätzen. Und Proteste zugunsten von mehr Toleranz sind in Zeiten wie diesen in jedem Land eine wichtige Maßnahme gegen populistische Parteien, die mit Wut und Angst auf Stimmenfang gehen.

Wir haben mit drei Amerikanerinnen gesprochen, die bei unterschiedlichen Women’s Marches mitgewirkt haben.

Dana Loewy, Buchautorin und ehemalige Dozentin, hatte ursprünglich geplant beim Women’s March in Los Angeles teilzunehmen, war dann aber wegen Krankheit verhindert.  Sie ist überzeugte Trump-Gegnerin und befürchtet, dass vier lange Jahre vor ihrer Wahlheimat liegen. Umso beeindruckter war sie von der enormen Protest-Beteiligung und entsprechend enttäuscht über ihre Krankheits-bedingte Abwesenheit:

„Ich [habe] diesen Wahnsinnsmarsch in Downtown L.A. versäumt, wo Jane Fonda war und 750.000 Menschen sich versammelt hatten. Das ist zweimal die Bevölkerung von Wuppertal!! Das Motto, Bleibe im Land und wehre dich täglich, gewinnt an neuer Bedeutung.“

Während die Straßen in Downtown L.A. normalerweise vor hochgezüchteten PS-Monstern überlaufen, waren die von Wolkenkratzern gesäumten Korridore am 21. Januar 2017 gefüllt mit hunderttausenden Menschen unter strahlendem Sonnenschein. Eine Demonstration dieser Größe ist sehr ungewöhnlich und kam zuletzt in Los Angeles vor mehr als einer Dekade vor.


Im nördlich gelegenen San Francisco war das Wetter deutlich weniger einladend, aber die Menschenmassen genauso beeindruckend. Leah Conroy, die als Merchandising Managerin in der weltbekannten Stadt arbeitet, macht gerade das Hoffnung.

San Francisco Women's March

„Am Women’s March in San Francisco teilzunehmen, war eine kraftvolle Erinnerung daran, dass die Zukunft von Amerika hoffnungsvoll und fortschrittlich ist. Ich war extrem beeindruckt von der Zahl der jungen Kinder, die voller Elan und mit Liebe im Herzen mit marschiert sind, während es wie aus Eimern in den Straßen von San Francisco schüttete und es langsam Nacht wurde. Diese Kinder sind unsere Zukunft. Sie entlarven einen Tyrannen, wenn sie ihn sehen und – was wesentlich wichtiger ist – tolerieren ihn nicht. Der Silberschweif am Horizont bei dieser ganzen Sache ist, dass diese Kinder die Bedeutung der Demokratie und unsere Rechte verstehen lernen. Ich bin aufgewachsen während der verhältnismäßig bequemen Clinton-Regierung und habe mich daher selbst nie an politischen Themen beteiligt. Das Feuer wurde erst entzündet, als ich 26 wurde, aber ich weiß, dass es in diesen Kindern bereits jetzt brennt und dies für immer tun wird. Das gibt mir enorme Hoffnung!“

Weltweit sorgten die Proteste für einen Hoffnungsschimmer nach dem überraschenden Wahlausgang am 8. November 2016. Im norwegischen Trondheim nahm die in Norwegen lebende US-Bürgerin Nicole Fett an einem kleineren, aber nicht minder beeindruckenden Women’s March teil.

„Es war ein sehr inspirierendes Event. Rund 300 Leute waren gekommen, um unsere Sache zu unterstützen, obwohl das Wetter nicht gerade gut war (kalt und regnerisch). Wir hatten jede Menge inspirierende Redner, vor allem amerikanische Immigranten, aber alle möglichen Menschen kamen, um den Marsch zu unterstützen.“

Für viele Teilnehmer sind die Proteste ein lange überfälliges Aufbäumen gegen die populistischen Wahlkampfversprechen und verbalen Ausrutscher des neuen US-Präsidenten. Die Tragik bei den friedlichen Protesten ist, dass sie ein paar Monate zu spät kommen. Gewählt ist gewählt, einen vorzeitigen Ausweg aus den kommenden vier Jahren wird es erstmal nicht geben. Die Hoffnung, dass Trump das Ruder doch herumreißen und somit seine Glaubwürdigkeit wiederherstellen könnte, hat keine der Befragten. Dana Loewy erklärt:

„Dass Trump Glaubwürdigkeit zurückerlangen kann glaube ich überhaupt nicht. Nur wenige Tage im Weißen Haus benimmt er sich genauso lächerlich wie im Wahlkampf und danach. Am meisten schockiert mich, dass er und seine Leute sogar die Besucherzahlen bei der Amtseinführung in Zweifel ziehen. Dabei lässt sich die Menge ziemlich genau schätzen und wird gerade nochmal mit wissenschaftlichen Methoden durchgezählt. Er ist halt eitel und beschäftigt sich lieber mit Bagatellen, als sich wichtigeren Dingen zuzuwenden. Aber wir wissen ja, selbst aus republikanischen Quellen, das Trump und sein Kabinett völlig unvorbereitet sind und daher einfach nicht wissen, was sie tun. Wie ich schon oft sagte, das werden furchbar lange vier Jahre werden!“

Nicole Fett bewertet Trumps gerade erst begonnene Präsidentschaft ähnlich pessimistisch:

„Ich glaube nicht, dass Trump nochmal Glaubwürdigkeit gutmachen wird. Es ist deutlich zu sehen, dass er weiterhin die Öffentlichkeit belügt und alles was um ihn herum passiert so hinbiegt, dass er selbst davon profitieren kann.“

Fest steht, Donald Trump wird es schwer haben. Die Proteste werden nicht so schnell verstummen, die Opposition wird dem Milliarden-schweren Geschäftsmann auf dem Präsidentenstuhl genauestens auf die Finger schauen und selbst die Parteikollegen werden kritisch jede Aktion beobachten, denn langfristig gesehen könnte Trumps Präsidentschaft mit unbedachtem Aktionismus der sich ohnehin langsam spaltenden republikanischen Partei empfindlich schaden.

Wie es für die USA weiter geht wird sich zeigen, der friedliche Protest gigantischer Menschenmassen ist in jedem Fall der richtige Weg um die Zukunft des mächtigsten Landes der Welt mitzubestimmen.

Titelfoto: Carly Hagins ; https://flic.kr/p/QSRF75

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