Wie lange können wir noch bunt sein?

5vier.de reagiert auf Bernhard Kaster (CDU) und Katrin Werner (Die Linke)

Kein Tag ohne Zahlen, ohne Bilder, ohne das Thema Flüchtlinge, Asylanten, Unterkunftsprobleme, sichere Herkunftsländer, Rückführung, Abschiebung, Integration. Die Neubeschlüsse im Deutschen Bundestag motivierten Bernhard Kaster (CDU) als Mitglied des Bundestags in das Konzer Kloster Karthaus einzuladen.

Trier / Konz. Die Einladung von Bernhard Kaster zum 19. Oktober 2015 ins Konzer Kloster Karthaus hatte einen klaren Titel: Führt uns der Flüchtlingsstrom an die Belastungsgrenze? – Bei der Rückfahrt aus Konz entstand die im Raum hängende Frage: Wie lange können wir noch bunt sein? – Denn faktisch wurden in Konz Zahlen vorgetragen. Vom stellvertretenden Polizeipräsidenten wurde Entwarnung gegeben, wie auch vom Leiter des Gesundheitsamtes. Man sei sich allerdings bewusst, dass die freiwilligen Helfer eine „Belastungsgrenze“ erreicht hätten.

Doch sind wir da am Ende der viel zu langen Sachvorträge – und das geladene Publikum, das eigentlich wegen des „offenen Bürgerdialogs“ anwesend war, wurde nervös – nicht da, wo wir regelmäßig seit der „Veröffentlichung“ des Problems stehen: Am Wiederholen und vor allem Verschieben von Grenzen. Das „Weiter-geht-es-nicht“ geht weiter, das wissen wir.
Somit sind wir hilfsbereite, schicksalsergebene Deutsche geworden, die das Deutsche bei Fußball-Europa- und -Weltmeisterschaften als Fähnchen am Auto festhalten und alle anderen Länder umarmen.

Im Multi-Kulti-Strudel und bunten Miteinander vermischen wir uns und ziehen Grenzen. Ja, es gibt sie, die engagierten, die Helfer, die einen Teil des Hauses oder der Wohnung frei haben und dort Asylanten aufnehmen, die selbst noch sich mit den neuen Mitbewohnern hinsetzen und ihnen die deutsche Sprache beibringen. – Ja, das geht und das gibt es.

Aber da sind auch solche die genau wissen, dass wenn das stadteigene Haus im eigenen Viertel mit Asylanten besetzt wird, der Grundstückspreis sinkt. Solche, die nicht wissen, dass es in anderen Ländern „normal“ ist, wenn Männer in Gruppen einkaufen gehen – und somit keine Bedrohung darstellen. Oder auch solche, die es nicht verstehen, dass in stadteigenen Gebäuden eine Wohnung totalrenoviert und mit neuen Geräten ausgestattet wird, wenn für die eigene Wohnung dasselbe zwar versprochen wurde, doch jetzt verschoben wird. – Auch das ist Trier, auch das gibt es.

Eine in Konz mit anwesende Frau, ebenfalls Mitglied des Bundestags und in Trier wie Berlin die Partei „Die Linke“ darstellende Katrin Werner musste im Anschluss an Konz gefragt und befragt werden. Vor allem, weil so passend im Stadtraum Trier und nachweislich angemeldet (!) die Plakate mit der schnell lesbaren Aufschrift „Erster“ aufgehängt waren. (Der Wahlkampf lässt tatsächlich schon grüßen).

Das „Wie lange können wir noch bunt sein?“ blieb uns dann doch im Hals stecken, sind wir doch von Anfang an und immer und jetzt wieder deutlich bunt. Schon die Gründung von Trier erfolgte „bunt“ – oder waren die Römer als Bewohner hier „registriert“? – In unserer Großregion sind u.a. Türken, Italiener, Portugiesen, Belgier, Niederländer und Franzosen in Arbeit oder wohnen selbst unter uns. Und auch ein Verlieben und Heiraten über mögliche Landesgrenzen hinaus (Europa hat diese ja abgeschafft) ist niemals auszuschließen. Selbst Religionen können da keinen Halt mehr vorschreiben.

Also bleibt nur ein Weg offen: Unsere Augen, unseren Kopf und unsere Mitmenschlichkeit zu öffnen. Wir sind in der glücklichen Lage in einem friedlichen Europa zu leben. Flüchtlinge, die zum Beispiel aus Kriegsgebieten wie Syrien kommen – aus Gebieten die nicht viel anders „aussehen“ und in denen man nicht viel anders als „bei uns“ lebt – bedanken sich für die Aufnahme, das Gefühl als Mensch behandelt zu werden. Sie bedanken sich für die Möglichkeit, in einem Land wie Deutschland eine zweite – friedliche – Chance zu bekommen.

Führt uns der Flüchtlingsstrom an die Belastungsgrenze? – Die von Bernhard Kaster in den Raum gestellte Frage stößt in dem Moment auf nickende Gesichter, an dem Zahlen in den Raum gestellt werden. Dass Kosten nicht mehr getragen werden können.

Doch sind wir Bürger – wohl auch Wähler – nicht permanent mit Zahlen konfrontiert. Und haben wir nicht aufgehört – gut „trainiert“ durch die Millionen und Milliarden der Bankenkrise oder europäischer Unterstützung von europäischen Ländern – die Nullen und die nicht mehr zu benennenden Beträge als „unmöglich“ zu bezeichnen. Wir haben aufgehört, denn wir sind inzwischen für Zahlen allgemein immun geworden. Und somit fehlt uns auch die Relation für das „finanzierbar“…

5vier.de hat die zwei Statements von Katrin Werner und von Bernhard Kaster hier online gestellt.
Beide haben die hier formulierten Gedanken motiviert.

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