WM 2010 – Auf Tuchfühlung mit Afrika – Das bittere Ende – Foto-Galerie

Thorsten Herrig und Sebastian Otto, zwei Fußballer des Bezirksligisten SG Osburg/Thomm, waren bei der WM in Südafrika dabei – als Besucher eines faszinierenden Landes und als Fans der deutschen Nationalmannschaft. Die Reise ist ein Abenteuer rund um den Fußball auf dem afrikanischen Kontinent – für uns schildern sie ihre Eindrücke. Hier der vierte und gleichzeitig letzte Teil ihres Erlebnisberichtes mit ebenso schönen Fotos:

Den Abend vor dem Viertelfinale gegen Argentinien verbrachten wir auf der Partymeile Kapstadts. Mit Bekannten aus Münster und Gutweiler machten wir die Nacht zum Tage. Den Morgen danach waren wir dann trotzdem wieder früh auf den Beinen. So machten wir uns auf den Weg Richtung Hafen, wo wir eigentlich ins Paulaner Brauhaus wollten, da dieses wohl von zahlreichen Deutschen besetzt wurde. Leider mussten wir dort ausweichen, weil es wohl ewig gedauert hätte, bis wir drin gewesen wären. In der Schlange zum Eingang begegnete uns dort sogar der Handball Bundestrainer Heiner Brand. Wir fanden schnell eine Ausweichmöglichkeit und stimmten uns so auf das Spiel ein. Zahlenmäßig waren die Argentinier, wie auch schon die Engländer, wohl in der Überzahl. Rechtzeitig machten wir uns auf den Weg zum Stadion, den man vom Hafen super zu Fuß hinlegen konnte. Obwohl wir Karten für den Oberrang hatten, war es für uns im Stadion kein Problem, in den unteren Rang zu gelangen, wo sich auch die meisten Deutschen befanden. Allgemein muss man sagen, dass in dieser Hinsicht sowohl der DFB als auch die FIFA geschlafen haben, denn meistens sah man die gegnerischen Fans in einem Block geschlossen, und die Deutschen waren überall im Stadion verteilt.

Foto: Trotz Niederlage gegen Spanien – die WM in Südafrika war für Thorsten Herrig und Sebastian Otto ein großes Erlebnis.

Das Spiel ging ja bekannterweise super los, was sich mal wieder positiv auf die Stimmung auswirkte. Die Polizei spielte sich mal wieder auf, da wir Deutschen in den oberen Reihen des Blocks standen und nicht, wie sie es gerne hätten, auf unserem Allerwertesten Platz nahmen. Außerdem kam noch hinzu, dass man niemandem die Sicht nahm. Im Endeffekt blieben wir stehen, denn sitzen ist ja bekanntlich für den A… Die Stimmung war gut, aber nicht ganz so euphorisch wie gegen England. Man merkte, dass von Spiel zu Spiel immer weniger Deutsche in den Stadien waren.

Wegen des knappen Vorsprungs blieb aber eine gewisse Nervosität, und als Thomas Müller seine zweite Gelbe Karte sah, kam ein wenig Enttäuschung auf, da man ihn in dieser Form wohl kaum ersetzen kann. Doch als dann nach der Halbzeit Miro Klose endlich das zweite Tor schoss, brachen mal wieder alle Dämme. Durch die beiden weiteren Tore spielten sich bis zum Spielende fast die gleichen Jubelszenarien ab, wie schon gegen England. Nach dem Schlusspfiff strömte dann ein großer Teil der im Stadion verteilten Deutschen in den Block, in dem wir standen. Etwa 45 Minuten lang feierten alle gemeinsam den Einzug ins Halbfinale. Dabei sah man, was möglich gewesen wäre, wenn alle Deutschen geschlossen in einem Block gestanden hätten… Schade!

Nach dem Spiel ging es dann ins Brauhaus, wo wir diesmal auch einen Platz bekamen. Wir feierten dort mit zahlreichen anderen Deutschen und sahen uns das zweite Viertelfinale des Tages an. Anschließend zogen wir dann noch weiter Richtung Long Street, dem Partyviertel Kapstadts. Jedoch waren wir auch froh, als wir in unsere Betten fielen, da wir mal wieder einen sehr harten, aber am allerwichtigsten auch einen sehr erfolgreichen Tag hinter uns hatten.

Am anderen Morgen verließen wir unser Hostel pünktlich um zehn Uhr, da es für uns wieder weiter gehen sollte. Wir stärkten uns noch in einem Restaurant und machten uns dann auf den Weg zum Flughafen. Von dort ging es dann ins 1600 Kilometer entfernte Durban, wo unsere vierwöchige Tour bekanntermaßen begann. Wir reisten absichtlich schon so früh dort hin, da wir das super Wetter vor Ort genießen wollten. Durban ist, wie überall auch zu lesen ist, „the warmest place to be“. Lange Kleidung und Jacken wurden also nicht mehr benötigt. Stattdessen wurde endlich mal wieder die Schwimmhose ausgepackt.

Unsere Unterkunft war abermals ein Hostel. Für dieses wurde in Reiseführern damit geworben, dass es ein Partyhostel sei, und wer schlafen wolle wäre dort fehl am Platz. Gute Voraussetzungen, denn wir waren ja nach Durban gekommen, um ins Finale einzuziehen. Den Sonntag ließen wir gemütlich im Hostel ausklingen. Am nächsten Morgen erkundigte ich mich zunächst, ob es möglich wäre, meinen Trip zu verlängern, gesetzt dem Fall, wir würden ins Finale einziehen. Alles lief  perfekt…

Urlaub hätte ich, einen Flug könnte ich auch bekommen und zu guter Letzt wurde mir im Laufe des Tages sogar noch ein Finalticket zum Originalpreis angeboten. Gute Vorzeichen also schon mal. Den Tag verbrachten wir dann im Ushaka, einem  direkt am Strand gelegenen Themenpark, in dem es ein Aquarium und unzählige Wasserrutschen gab, die nicht nur für kleine Kinder geeignet waren. Wir ließen es uns dort den Vormittag über gut gehen und legten uns anschließend für den Rest des Tages an den Strand und badeten im Meer. Die Wassertemperaturen waren angenehm und im Gegensatz zu Kapstadt sehr erträglich. Außerdem gab es sehr hohe Wellen, die Durban für seine optimalen Surfmöglichkeiten bekannt machen.  Der Abend klang dann mal wieder gemütlich an der Hostelbar aus.

Am anderen Morgen sollten wir mal wieder etwas Neues und sehr Interessantes erleben. Ein Mitarbeiter unserer Unterkunft stammt aus einem Zulu-Dorf, einem echten afrikanischen Dorf. Er wollte uns den Ort zeigen, an dem er aufgewachsen ist. So machten wir uns mit Minibusen auf den Weg dorthin. Unter diesen Bussen kann man sich VW Bullys oder typengleiche Toyotabusse vorstellen, die Platz für 16 Leute bieten. Sie sind in der Regel vollgefüllt mit einheimischen Menschen, somit sehr unbequem, aber andererseits sehr günstig. Die Busse fahren meistens von Bahnhof zu Bahnhof. Welcher Bus wo hinfährt, bleibt uns jedoch auch heute noch ein Rätsel. Unsere Begleitung jedoch wählte immer den richtigen Bus und führte uns nach dreimaligem Umsteigen zu seinem Dorf.

Er brachte uns eine ganz andere Kultur näher. Wir besuchten seine Familie in ihren runden Lehmhütten, redeten mit seinen Verwandten und schossen Fotos mit kleinen Kindern, die verrückt danach waren, fotografiert zu werden. Unser Guide erzählte uns viele Geschichten über die Lebensweisen und Eigenschaften der Dorfbewohner. Wir besuchten seine Freunde und probierten Bier, das in jedem Haushalt selber hergestellt wird. Es schmeckte ungefähr so, als hätten sie ganz einfach Wasser mit Hefe vermischt, und es hatte ungefähr ein Prozent Alkoholgehalt. Wir hatten dort einen tollen und überaus lehrreichen Tag, wofür wir unserem neuen südafrikanischem Freund sehr dankbar sind.

Auf der Rückfahrt machten wir noch einen Stopp, um eine richtige afrikanische Mahlzeit zu uns zu nehmen. Es war eine Art Fleisch, ähnlich wie Hähnchen, mit Gemüse und geriebenem Mais – sehr lecker! Zurück in Durban, zeigte er uns noch einen Aussichtspunkt, von wo man einen tollen Blick über die ganze Stadt hatte. Am Abend tranken wir dann noch gemeinsam mit ihm ein paar Bier, bevor wir uns in die nahegelegene Florida Street aufmachten. Dies ist eine Straße mit zahlreichen Bars, Restaurants und Fastfood-Restaurants. Dort schauten wir uns das erste Halbfinale an und ließen den Abend, nach den ganzen neu gewonnenen Eindrücken, gemütlich ausklingen.

Tags darauf, der Tag des Halbfinales, schliefen wir erstmal aus. Gegen Mittag machten wir uns dann mit einigen Leuten aus dem Hostel, überwiegend Deutsche, auf den Weg Richtung Strand. Auf dem Weg dorthin ergatterten einige noch Tickets für das Spiel. Zahlreiche Menschen liefen am Strand entlang und verkauften Tickets unter dem normalen Preis. Am Strand traf man sich dann noch mit alten Bekannten und stimmte sich dort mal wieder gemeinsam aufs Spiel ein. Irgendwie war die Stimmung ein wenig seltsam. Auch ich hatte irgendwie ein mulmiges Gefühl im Bauch.

Wir begaben uns frühzeitig in Richtung Stadion, jedoch brauchten wir sehr lange und mussten vor dem Stadion noch einen riesigen Umweg hinlegen, da rings herum nur ein einziger Eingang geöffnet war. Sehr seltsam! Kurz vor Einlauf der Mannschaften waren wir dann doch auf unseren Plätzen. Es war das erste Mal, dass wir in unserem zugewiesenen Block Platz nahmen. Im unteren Block, in dem sich die meisten Deutschen befanden, gab es mal wieder Ärger mit der Polizei. Es war deshalb auch das erste Mal, dass die Deutschen in diesem Block sitzen mussten, da sie angedroht bekamen, rausgeschmissen zu werden, wenn sie dies nicht tun würden. Also gab es für uns keine andere Möglichkeit, als im mittleren Rang Platz zu nehmen. Rings herum Leute mit Vuvuzelas ohne jeglichen Bezug zu diesem Spiel. Der Platz neben mir blieb die ersten fünf Minuten frei, bis eine etwas kräftigere Südafrikanerin diesen einnahm. Sie setze sich, merkte, dass sie doch ihre ach so wichtige Vuvuzela vergessen hatte und ging wieder raus.

Nach wenigen Minuten kam sie wieder zurück und versuchte in ihr Horn zu blasen, was ihr nicht so ganz gelang. Kurz darauf fragt sie mich dann tatsächlich ob Deutschland rote oder weiße Trikots tragen würde. Mir verschlug es die Sprache, und ich konnte nur noch den Kopf schütteln. Ich war vor dem Spiel total nervös, unsere Mannschaft begann absolut ängstlich und dann setzte sich noch solch eine Gestalt neben mich. Stellt man sich so ein deutsches WM-Halbfinale vor? Die Stimmung war wesentlich schlechter, als bei den vorherigen Spielen. Auch deshalb, weil nochmal ein gutes Stück weniger Deutsche im Stadion war als gegen Argentinien. Der Höhepunkt der ersten Halbzeit fand dann auch wiederum nicht auf dem Platz statt, da es ein sehr schlechtes Spiel war, sondern ereignete sich direkt neben mir. Nach etwa einer Stunde meinte die Dame doch, sie müsste mal was für ihre Körperpflege tun und packte eine Creme aus. Sie verwechselte aber wohl den Rücken ihres Vordermann mit ihrem Gesicht und so landete die Hälfte der Tube auf dessen Rücken.

Meine Laune wurde von Minute zu Minute schlechter, was jedoch nicht nur an der Dame lag. Zur Halbzeit wechselte glücklicherweise ein anderer Deutscher, der Sebastian auf der anderen Seite genauso genervt hatte, den Platz mit mir. Er hatte wohl Gefallen an ihr gefunden. So wurde ich wenigstens nicht mehr genervt und konnte mich auf das Spiel konzentrieren. Beste Voraussetzungen also! Doch leider war meine Hoffnung umsonst, das Spiel ging genauso weiter und wir gerieten immer mehr unter Druck. Auch nach der Riesenchance von Toni Kroos versuchte ich wieder dran zu glauben, dass wir doch noch zu unserem Spiel finden würden. Doch wie ihr wisst, zerschlugen sich diese Hoffnungen sehr bald. Nach dem Schlusspfiff waren wir mega enttäuscht! Sollte unser WM-Trip so zu Ende gehen?

Wir saßen eine Ewigkeit da, redeten kein Wort und auch ein paar Tränen flossen! Und schon ganz vergessen, dass es sie überhaupt noch gibt, kam wieder der große Auftritt unserer südafrikanischen „Freundin“. Sie fuhr mir über den Kopf und sagte: „It’s only a game!“ Ich war jedoch viel zu enttäuscht, um auch nur irgendwas zu antworten. Wir traten dann irgendwann den Weg Richtung Hostel an. Zu allem Elend fuhr auf dem Weg dorthin auch noch der deutsche Mannschaftsbus an uns vorbei. Traurige Gesichter an den Fenstern war das Einzige, was wir sahen. Danach beschlossen wir, dass es doch noch nicht heim gehen sollte und tranken zur Frustbekämpfung noch ein paar Bier in einer Bar.

Am anderen Morgen ging es uns noch genauso schlecht, wie nach dem Abpfiff. Wir realisierten, dass es wirklich kein Traum war und wir ausgeschieden sind. Meine Pläne, den Trip noch bis Montag zu verlängern, waren zerschlagen. Sebastian hatte eigentlich noch vier Tage vor sich, denn er hatte ein Finalticket sicher. Kurzentschlossen buchte er jedoch noch morgens seinen Flug um. Er hatte genauso wenig Lust auf das Finale wie ich. Den Tag verbrachten wir dann sehr unmotiviert und lustlos am Strand und deckten uns noch mit zahlreichen Geschenken für die Daheimgebliebenen ein. Am Abend verabschiedeten wir uns dann von zahlreichen Leuten: den beiden in Dänemark arbeitenden Münsteranern, der Hostelcrew mit der man in Durban reichlich Spaß hatte und auch von einigen anderen Leuten, darunter ein paar Amis, die wir dort kennengelernt hatten. Dabei wurde Sebastian dann auch noch sein Finalticket los.

Wir gingen früh schlafen, da wir auch früh wieder raus mussten. Unser Flug zurück nach Johannesburg ging schon um sechs Uhr in der Früh. Am Flughafen stellten wir dann unsere Taschen ab. Da wir noch bis abends um 19 Uhr Zeit hatten, fuhren wir ins Apartheid-Museum, was uns von einigen Leuten vorher schon empfohlen wurde. Für alle, die nicht wissen, was die Apartheid ist, darunter versteht man die Rassentrennung, die in Südafrika fast das komplette 20. Jahrhundert über herrschte. Zugewanderte Bevölkerungsgruppen versuchten die dunkelhäutigen Einheimischen zu vertreiben. Durch die großen Proteste der Schwarzen zerbröckelte die Apartheid und endete dann Anfang der 90er Jahre. Nelson Mandela erhielt deshalb den Friedensnobelpreis. In dem Museum ist die Apartheid Südafrikas im kleinsten Detail dokumentiert – in Texten, Fotografien, Plakaten und Filmen ist alles genaustens erklärt. Auch Leute, die sich vorher nicht so mit dem Thema befasst haben, wissen schnell worum es geht. Bei einem Besuch Südafrikas sollte man auf jeden Fall mindestens drei Stunden für den Besuch dieses Museums einplanen, man sollte aber der englischen Sprache mächtig sein.

Nach dem Besuch ging’s dann zurück zum Flughafen, wo wir uns noch stärkten, bevor wir uns dann auf den knapp 9000 Kilometer langen und rund zwölf Stunden dauernden Flug mit Zwischenstopp in Zürich machten. Sebastian hatte zum Glück denselben Flug bekommen wie ich, somit konnten wir wenigstens zusammen zurück fliegen. Am Samstagmorgen kurz nach zehn Uhr am Morgen endete somit unsere 30-tägige Tour, und wir betraten wieder deutschen Boden.

Das Fazit unserer Tour ist auf jeden Fall sehr sehr positiv! Wir hatten, vom schlechten Ende abgesehen, ausnahmslos geile Tage, sehr viel über Südafrika gelernt und vor allem ohne Ende Spaß. Wir haben insgesamt etwa 6300 Kilometer durch Inlandsflüge zurückgelegt, 3000 Kilometer mit dem Mietauto und nochmal knapp 1000 Kilometer mit dem Bus. Wir haben vier der großen fünf Tiere Afrikas gesehen, tolle Safaris erlebt, beeindruckende Wasserfälle und Gebirge entdeckt. Und natürlich sechs Spiele der deutschen Nationalmannschaft gesehen, die auch Hoffnung machen für die kommenden Turniere!

Die Zusammenarbeit hat super geklappt. Außerdem einen großen Dank an die Leser. Ich bin kein guter Schreiber und werde auch niemals Reporter oder sowas in der Art, aber ich habe mir Mühe gegeben, und es hat mir auf jeden Fall sehr viel Spaß bereitet!

Anm. d. Red.: Danke für die Blumen! Einen noch viel größeren Dank an Euch Jungs!

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