WM 2010 – Ein Hauch von Las Vegas – Prestigeduell gegen England – Foto-Galerie

Thorsten Herrig und Sebastian Otto, zwei Fußballer des Bezirksligisten SG Osburg/Thomm, sind bei der WM in Südafrika dabei – als Besucher eines faszinierenden Landes und als Fans der deutschen Nationalmannschaft. Die Reise ist ein Abenteuer rund um den Fußball auf dem afrikanischen Kontinent – für uns schildern sie ihre Eindrücke. Hier der dritte Teil ihres Erlebnisberichtes mit ebenso schönen Fotos:

Mit der überstandenen Gruppenphase und in Gedanken schon beim Achtelfinalspiel gegen die Engländer machten wir uns auf, um uns drei ruhige Tage zu gönnen. Mit einem Hyundai Getz ging es nach Rustenburg, 100 Kilometer westlich von Johannesburg. Ohne Navi sollte sich dies als sehr problematisch herausstellen. Im Endeffekt waren wir aber ähnlich erfolgreich wie das deutsche Team und kamen immer an unserem Ziel an. Wir verbrachten die beiden kommenden Nächte in einer schlichten Backpacker Lodge. Freitags fuhren wir früh morgens in den Pilanesberg Nationalpark, etwa eine Stunde Autofahrt von Rustenburg entfernt. Wir befuhren den Park auf eigene Faust und verbrachten wieder einmal vier Stunden mit zahlreichen Tieren. Auch diesmal hat sich dies für uns gelohnt, auch wenn uns die Löwen wieder einmal verwehrt blieben. Aber auch mit unseren „alten Bekannten“ wie Zebras, Elefanten, Giraffen, Büffel, etc. hatten wir eine abenteuerliche Zeit.

Foto: Geschafft – Sebastian Otto und Thorsten Herrig am „Kap der Guten Hoffnung“.

Den Abend nutzten wir dann noch, um ins direkt an den Nationalpark grenzende Sun City zu fahren. Dies ist ein bei einheimischen Afrikanern gar nicht so beliebter Freizeitpark. Hier treffen Disneyland und das alte Ägypten aufeinander. Es wimmelt nur so von vergoldeten Löwen-, Elefanten- und Affenstatuen und auf Knopfdruck ausbrechenden Vulkanen. Außerdem gibt es einen künstlich angelegten Strand und mehrere Casinos. Las Vegas lässt auch ein wenig grüßen.

Bei der Einfahrt sahen wir aus der Ferne den vollbesetzten Mannschaftsbus der Engländer. Und schon wieder waren die Gedanken beim Spiel am kommenden Sonntag. In der Hoffnung und im Glauben, dass die Tommys ihr Glück an den Tischen aufgebraucht hatten, schauten wir uns die protzigen Hotels an. Wir fuhren in einem Hotel einfach mal mit dem Fahrstuhl in die oberste Etage, ohne das es jemand bemerkte und erhaschten uns so einen super Ausblick über das ganze Areal! Im benachbarten Hotel „Sun City“ befand sich zu der Zeit die Mannschaft von Ghana. Schade, dass eine Begegnung mit K.P. Boateng ausblieb, oder besser: Glück für ihn! Fazit dieses Trips: Man kann an einem warmen Sommertag an dem künstlichen Strand sicherlich viel Spass haben, vor allem weil das Meer von hier noch sehr weit entfernt ist, doch man hat auch nichts verpasst, wenn Sun City nicht in die Urlaubsplanung mit einbezogen wurde.

Am Abend machten wir uns wieder auf den Weg in unsere Unterkunft nach Rustenburg. Am nächsten Morgen wurde dann erstmal ausgeschlafen und anschließend besorgten wir uns unsere restlichen Tickets, bevor es dann zurück nach Pretoria ging. Dort gaben wir unser Mietauto zurück und bezogen unsere Unterkunft, mal wieder ein Backpacker Hostel – für die nächsten beide Nächte! Noch bevor das Achtelfinale Ghana – USA am Abend beendet war, lagen wir schon in unseren Betten. Schlafen konnten wir jedoch beide nicht so recht. Ob’s an der Aufregung lag, oder an der bei Sebastian anhaltenden Erkältung – wer weiß?

Auf jeden Fall klingelte bereits um fünf Uhr in der Früh der Wecker. Ein Taxi fuhr uns zum DFB-Fancamp, von wo wir uns mit drei Bussen gen Bloemfontein aufmachten. Die Dauer der Fahrt für die 450 Kilometer betrug etwa sechs Stunden und wurde mit schlafen, Flüssignahrung und vielen Gesprächen mit Bekanntschaften überbrückt. In Bloemfontein am Busparkplatz angekommen, machte sich der große Teil der Busbesatzung direkt auf den Weg ins Stadion. Wir aber harrten noch gemütlich am Bus aus und hatten somit das Glück, dass gerade, als wir losziehen wollten, ein Bus mit der Aufschrift „DFB – Family and Friends“ vorfuhr. Aus dem Bus stiegen sämtliche Spielerfrauen und Freunde unserer Elf aus. Dies wurde natürlich dazu genutzt um mit den hübschen Mädels zu plaudern und das ein oder andere Foto zu schießen. Wobei ich erwähnen muss, dass sich meine Kamera etwa 20 Minuten zuvor durch ein sehr dummes Missgeschick verabschiedet hatte und somit Sebastians Cam für den Rest der WM herhalten muss.

Nachdem die Frauen, Kinder und Spielerfreunde sich verabschiedeten, begaben wir uns noch in den Hinterhof eines Getränkeshops, wo sich zahlreiche Deutsche einfanden. Eine ganz angenehme Atmosphäre, die dort herrschte. Etwa 40 Minuten vor Spielbeginn machten wir uns dann auf den Weg zu unseren Plätzen. Wie erwartet, war das Stadion größtenteils in englischer Hand. Ein schöner Anblick ergab sich bei einem Blick ins Rund. Die Werbebanden waren fast komplett mit Fahnen bedeckt, nicht nur mit hässlichen weiss-roten, sondern auch mal wieder mit zahlreichen Deutschen. Die Stimmung war von Beginn an sehr gut, man merkte sofort, worum und gegen wen es ging.

Erfreulicherweise konnte man das erste Mal auch die gegnerischen Fans vernehmen, da sich wirklich sehr wenige Vuvuzelas im Stadion befanden. Und als dann das erste Tor für uns fiel, umarmte ich gefühlte 100 Leute! Als kurz danach auch noch das 2:0 fiel, brachen im deutschen Block alle Dämme. Torjubel wie diese habe ich in meiner elfjährigen Stadionzeit selten erlebt. Kurze Zeit später verkürzten die Engländer bekannterweise auf 1:2. Beim vermeintlichen 2:2, ihr wisst wovon ich rede, war allen sofort klar, dass der Ball hinter der Linie war, da wir sehr gute Sicht auf das Tor hatten. Zur Halbzeit war die Stimmung gut, doch man fühlte sich aufgrund des Anschlusstreffers noch keineswegs als der sichere Sieger. Die Atmoshäre war sehr angespannt, doch Thomas Müller erlöste uns. Abermals flogen Bierbecher durch den Block und wildfremde Menschen lagen sich in den Armen. Ich kann gar nicht beschreiben, wie geil es war, inmitten Tausender Deutscher den Untergang der Engländer zu feiern! In den letzten 20 Minuten wurde das komplette Liedgut ausgekrempelt, von „Oh, wie ist das schön“, über „England is going home“, bis hin zum „Humba“. Noch Minuten nach dem Spielende wurde ausgelassen im Stadion gefeiert!

Foto: In der Überzahl – genutzt hat es den Engländern nicht. Sie wurden mit 4:1 nach Hause geschickt.

Die Rückfahrt war anfangs noch stimmungsvoll und feuchtfröhlich. Dies legte sich jedoch sehr schnell. Leider dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis wir zurück in Pretoria waren. Durch einen Stau kamen wir erst nach acht Stunden um drei Uhr in der Nacht im Fancamp an. Mit dem Taxi zurück ins Hostel, legten wir uns für ein kleines „Nickerchen“ hin, denn unser Flug nach Kapstadt ging schon um 8.30 Uhr. Das bedeutete: Abfahrt sechs Uhr. Wir kamen bei strahlendem Sonnenschein in Cape Town an, was man im Laufe der WM in Kapstadt nicht gewohnt war. Unser Backpacker Hostel befand sich in der Party-Meile, der Long Street. Der riesige Tafelberg im Rücken der Stadt und dazu noch die Waterfront, der Hafen der Stadt – einfach gigantisch!

Auf jeden Fall ließ sich nach einem etwa zweistündigen Rundgang durch die Stadt und den Hafen sagen, dass Kapstadt eine traumhaft schöne Stadt ist. Jedoch fanden wir uns am Nachmittag früh in unseren Betten wieder, da uns die Strapazen der letzten Nacht immer noch in den Knochen steckten. Für den nächsten Tag nahmen wir uns vor, den Tafelberg zu erklimmen (per Seilbahn natürlich) und zusätzlich, die Insel zu besuchen, auf der Nelson Mandela 18 Jahre als politischer Gefangener verbrachte – Robben Island. Die Insel ist elf Kilometer von Kapstadt entfernt und eine der größten Attraktionen der Stadt. Leider mussten wir nach dem Aufstehen jedoch enttäuscht feststellen, dass es regnete, was beide Touren unmöglich machte. Hinzu kam natürlich, dass der Tafelberg in Wolken gehüllt war und wir ihn noch nicht einmal sehen konnten. So fielen unsere Touren leider beide aus. Uns blieb nichts anderes übrig als den Tag am Hafen und in den zahlreichen Lokalitäten in der Long Street zu verbringen.

Für den nächsten Morgen hatten wir uns wieder einmal ein Auto gemietet, einen kleinen Kia. Das Wetter war wieder besser und so fuhren wir die komplette Küstenstraße entlang, bis hinunter zum südwestlichsten Punkt Afrikas – dem Kap der guten Hoffnung. Zum wiederholten Male ein atemberaubender Ausflug inmitten wunderschöner Berge und Klippen. Am Nachmittag ging’s dann von dort aus ins 400 Kilometer entfernte Mossel Bay. Dabei handelt es sich um den Ausgangspunkt der „Garden Route“, eines etwa 400 Kilometer langen Küstenabschnitts, der sehr attraktiv für Ulauber ist.

Am Tag danach, donnerstags, machten wir uns frühzeitig auf den Weg. Es ging nach Knysna, das in einer Lagune liegt, nach Plettenberg Bay, einem Ort an einem wunderschönen Strand und zur Bloukrans Bridge, einer 216 Meter hohen Brücke. Von dieser Bruecke kann man den höchstmöglichen Bungee-Sprung der Welt machen. Leider mussten wir dort feststellen, dass alle Sprünge für die nächsten zwei Tage ausgebucht waren. So machten wir uns auf den etwa 700 Kilometer langen Rückweg nach Kapstadt, den wir aber nicht an einem Stück zurücklegen wollten. Wir übernachteten in Hermanus, ein Ort bekannt als weltweit bester Spot für Wale zu beobachten. Leider blieb uns dieses Ereignis verwehrt, da zur Zeit keine Wal-Saison ist.

Am Freitag war das Wetter dann wieder super. So witterten wir unsere Chance, um endlich auf den 1087 Meter hoch gelegenen Tafelberg zu gelangen. Nach etwa einer Stunde Wartezeit bestiegen wir dann unsere Seilbahn, die uns auf die Spitze beförderte. Eine atemberaubende Aussicht auf Kapstadt und die komplette Kap-Halbinsel ergab sich von dort oben, aber auch verdammt windig war es. Wir schossen mal wieder reichlich Fotos und waren froh, wenigstens noch eines unserer beiden anvisierten Ausflugsziele vom Dienstag erreicht zu haben. Am Nachmittag trafen wir dann zum wiederholten Male die Bettendorf-Brüder aus Gutweiler, zufällig, wie soll es auch anders sein, in der Long Street. Den heutigen Abend werden wir uns auf das morgige Spiel einstimmen und wie es sich für einen Freitagabend gehört, Kapstadt unsicher machen.

Ich hoffe, Ihr geht in Deutschland nicht ein bei euren 35 Grad! Feiert bei den zahlreichen Public-Viewing Veranstaltungen und feuert Jogis Elf an! Auf einen Sieg gegen Argentinien und dass sie mit den Brasilianern zusammen nach Hause fliegen!

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